Es ist eine David-gegen-Goliath-Situation. Der Iran ist zwar nach den amerikanisch-israelischen Luftschlägen militärisch deutlich geschwächt. Dennoch bietet die Islamische Republik den USA im derzeitigen Verhandlungspoker Paroli. Mit dem neuesten Vorschlag, die Straße von Hormus gegen die Aufhebung der Seeblockade wieder zu öffnen und die Atomfrage später zu verhandeln, setzt Teheran US-Präsident Donald Trump sogar unter Zugzwang. Bundeskanzler Friedrich Merz zieht das Fazit, dass die Iraner „offensichtlich sehr geschickt verhandeln – oder eben sehr geschickt nicht verhandeln“.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Eindruck kann entstehen, weil die Iraner Verhandlungen als politisches Schachspiel ansehen. Sie antizipieren die Züge der anderen Seite. Zeit ist für sie eine Waffe. Nahost-Experten bescheinigen Teheran eine Marathon-Mentalität. „Die Iraner sind extrem daran interessiert, dass die Verhandlungen sehr tief sind, ins Detail gehen und sehr lange dauern. Sie wissen: Im Verhandlungsprozess ist man in einer sehr viel besseren Position“, sagte Hans-Jakob Schindler, Chef der Berliner Denkfabrik Counter Extremism Project, unserer Redaktion. „Sie können auf eine Tausende Jahre alte Verhandlungskultur der Perser zurückblicken. Die Iraner sind immer sehr detailliert vorbereitet, haben für alle Themen bereits einen Plan A, B, C und D.“

Dr. Hans-Jakob Schindler, senior director of the Counter Extremism Project
Hans-Jakob Schindler, Senior Director der Denkfabrik Counter Extremism Project. © Screenshot | ZDF

Der Amerikaner Robert Malley, der vor Abschluss des Atomabkommens von 2015 mit den Iranern verhandelte, sieht hinter der gegenwärtigen Patt-Situation zwei völlig konträre Verhandlungsstile. „Trump ist impulsiv und launisch; die iranische Führung ist stur und hartnäckig“, so Malley. „Trump verlangt sofortige Ergebnisse; Teheran verfolgt eine langfristige Strategie.“ Der Nuklearvertrag von 2015 bietet eine Blaupause dafür. Die Detailverhandlungen dauerten rund zweieinhalb Jahre. Die Übereinkunft umfasste mehr als 160 Seiten.

Irans Kalkül: Trump muss bald einlenken

Auch hinter dem iranischen Vorstoß, die Straße von Hormus vom Atomthema abzutrennen, steckt eine Strategie des langen Atems. Einerseits lockt Teheran mit Zugeständnissen in weiter Ferne. „Iran hat nie Atomwaffen angestrebt und betrachtet diese als illegitime Mittel“, sagte Irans Botschafter in Berlin, Majid Nili Ahmadabadi, unserer Redaktion. „Aber das Wissen um die Urananreicherung auf unserem eigenen Boden ist etwas, das wir behalten und verteidigen wollen. Die andere Frage, bis zu welchem Grad wir Uran anreichern, könnte ein Gegenstand von Verhandlungen sein.“

Als Nahziel versucht das Regime jedoch, die politischen Zwänge der Gegenseite für sich zu nutzen. „Die Iraner gehen davon aus, dass Donald Trump früher oder später einknicken muss. Die Zwischenwahlen für den amerikanischen Kongress im November und die Parlamentswahlen in Israel bis spätestens Oktober erzeugen politischen Druck – vor allem, wenn der wirtschaftliche Preis für die Schließung der Straße von Hormus weiter steigt“, betont der Analyst Schindler. „Wenn die Amerikaner das akzeptieren würden, hätten sie ein Problem mit dem Narrativ. Sie hätten dann etwas erreicht, was vor dem Krieg kein Problem war: Trump könnte das nicht als Erfolg verkaufen.“