Donald Trump muss immer noch einen drauflegen. Als reichte ihm der (aus Vergeltungsgründen gegen Kanzler Friedrich Merz) verkündete Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland bis Mitte 2027 noch nicht, erklärte der US-Präsident am Wochenende in Florida, der Abbau der US-Militärpräsenz in Deutschland werde noch „viel größer“ ausfallen. Details? Vorerst keine. Die Wirkung seiner Worte reicht, um die Unruhe in Berlin zu verstärken.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Dort fühlt man sich über Nacht im Zielfernrohr des einst wichtigsten Bündnispartners, der zuletzt auffällig oft Argumentationslinien von Russlands Präsident Wladimir Putin übernommen hat. Etwa bei der Aussetzung der Ölsanktionen gegen Russland, nachdem der Iran die Straße von Hormus gesperrt hatte. Ein Schritt, der die europäischen Bemühungen um einen Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland „klar unterläuft“, wie nicht nur Demokraten in Washington sagen. Aber es geht um mehr.
News aus den USA
Tenor in Berlin: Trumps taufrische Androhung, ab der kommenden Woche europäische Auto-Exporte mit 25 Prozent Strafzoll zu belegen, ergebe zusammen mit anderen Hiobsbotschaften – Truppenabzug, Verzicht auf die Stationierung von lang ersehnten Langstreckenraketen in Deutschland und den zunehmend wirtschaftlich ruinösen Konsequenzen des Iran-Krieges – eine „gefährliche Mischung für den Wirtschaftsstandort Deutschland“, von der vor allem Putin profitiere. Der Reihe nach:
Entscheidend ist nicht die Zahl der Soldaten, die jetzt abgezogen werden sollen
Der eigentliche Schaden der jüngsten Anti-Deutschland-Entscheidung Trumps liegt nach Einschätzung vieler Experten nicht so sehr in der Zahl minus 5000. Deutschland bleibe der Knotenpunkt der US-Truppenpräsenz in Europa, die sich zurzeit auf rund 85.000 Mann beläuft; fast die Hälfte davon steht auf dem Boden der Bundesrepublik. Etwa am Luftwaffenstützpunkt Ramstein, der die Logistik-Drehscheibe schlechthin für US-Militäroperationen im Nahen und Mittleren Osten ist; jetzt auch im Iran. Der angekündigte Abzug würde 14 Prozent der rund 36.000 Soldaten ausmachen, die derzeit im Land stationiert sind. Das entspräche den üblichen Schwankungen. Und liegt weit unter der Marke von 12.000 Soldaten, die Trump in seiner ersten Amtszeit abziehen wollte.
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Entscheidender sei, so Militärexperten, was nicht mehr nach Deutschland kommen soll: nämlich ein US-Bataillon für weitreichende konventionelle Schläge, das ab 2026 rotierend stationiert werden sollte. Washington und Berlin hatten beim Nato-Gipfel 2024 offiziell erklärt, die USA würden in Deutschland Fähigkeiten ihrer Multi-Domain-Task-Force aufbauen; „voll entwickelt“ sollten sie SM-6, Tomahawk und Dark-Eagle-Hyperschallraketen umfassen, „mit deutlich größerer Reichweite als die derzeitigen landgestützten Raketen in Europa“. Das Ziel hieß: integrierte Abschreckung. Daraus wird nun offenbar nichts.
Ein schwerer Schlag für Deutschland
Das ist ein ziemlicher Schlag für Berlin, das die Stationierung als starke Abschreckung gegen Russland wollte. Wie viele Raketen es genau gewesen wären, ist öffentlich nicht bestätigt. Eine Typhon-Batterie, die Tomahawk und SM-6 verschießen kann, besteht nach US-Army-Angaben aus vier Startern und einer Kontrollzentrale. Fachanalysen gehen bei einer solchen Batterie von bis zu 16 gleichzeitig geladenen Tomahawk/SM-6 aus; eine Dark-Eagle-Batterie hätte typischerweise vier Starter mit je zwei Raketen, also acht Hyperschallwaffen.

Für Deutschland und Nato heißt das: weniger Reichweite, weniger Abschreckung, weniger Druck auf russische Kommandozentren, Flugabwehr, Raketenstellungen und Nachschubräume. Moskau verfügt über weitreichende landgestützte Systeme; Nato-Europa hat hier nichts Vergleichbares. Die US-Systeme in Deutschland hätten diesen Nachteil teilweise wettgemacht. Dass Trump hier gerade jetzt eine „Fähigkeitslücke“ entstehen lässt, ist das eine. Dass seine Entscheidung nur wenige Tage nach einem 90-Minuten-Telefonat mit Putin kam, wird in Nato-Kreisen als „Affront” empfunden.
Damit nicht genug. Denn es kommt eine zweite Lücke hinzu, die im Ernstfall noch schneller spürbar würde: ausbleibende US-Waffenlieferungen. Washington hat europäischen Verbündeten – darunter Großbritannien, Polen, Litauen und Estland – „erhebliche Verzögerungen“ angekündigt, weil der Iran-Krieg amerikanische Vorräte an kritischer Munition binnen kürzester Zeit aufgezehrt hat. Betroffen sind demnach vor allem Munition für Himars, Nasams und weitere Raketensysteme. Das Pentagon formuliert es bürokratisch: Man prüfe neue und bereits genehmigte Transfers, damit sie „mit den operativen Erfordernissen“ übereinstimmten.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Für die Nato ist das empfindlich. Himars steht nicht nur für Werfer, sondern vor allem für präzise Munition (Gmlrs-Raketen, Atacams oder künftig Prsm), die Schläge gegen russische Depots, Brücken, Gefechtsstände und Flugabwehr hinter der Front erlauben würden. Nasams wiederum ist Luftverteidigung gegen Marschflugkörper, Drohnen und Flugzeuge – also das, was Ukraine-Städte und Nato-Hinterland im Ernstfall schützt. Wenn diese Lieferungen stocken, fehlt nicht irgendein Zubehör. Es fehlen Reichweite und Schutzschild.
Top-Republikaner besorgt: „Falsches Signal für Wladimir Putin“
Besonders bitter: Mehrere europäische Staaten hatten amerikanische Systeme gekauft oder bestellt, teils auch mit dem politischen Ziel, eigene Bestände aufzufüllen und ältere oder verfügbare Kontingente an die Ukraine weiterzugeben. Wenn Washington nicht liefert, reißt diese Kette. Europa kann dann weniger an Kiew abgeben, ohne sich selbst zu entblößen. Strategisch heißt das: Trumps Deutschland-Entscheidung schafft nicht nur eine Lücke bei künftigen Tomahawk- und Hyperschallfähigkeiten. Sie trifft zugleich die laufende Munitionsarchitektur. Weniger weitreichende US-Systeme in Deutschland, weniger Himars-Munition, weniger Nasams-Flugkörper – das alles addiert sich. Für Putin entsteht genau das Bild eines Westens, der viel ankündigt, aber im entscheidenden Moment Bestände sortiert, Lieferungen verschiebt und Prioritäten vom europäischen Kriegsschauplatz abzieht. Warum? Weil Donald Trump es so will. Fällt ihm niemand in den Arm?

Demokratische Politiker in Washington kündigten an, den Furor des Präsidenten gesetzlich stoppen zu wollen, was realistisch betrachtet keinen Erfolg verspricht, weil der Präsident bis zu einer bestimmten Truppenstärke (mindestens 76.000 Soldaten in Europa) freie Hand hat. Trumps Vorgehen trifft aber auch im eigenen Lager auf Widerstand. Roger Wicker und Mike Rogers, die republikanischen Top-Verteidigungsexperten des Senats und des Repräsentantenhauses, halten Trumps Ankündigung für kontraproduktiv. Die Europäer benötigten mehr Zeit, um „die von ihnen zugesagten Investitionen in militärische Fähigkeiten umzusetzen“. Nur dann könnten sie „die Hauptverantwortung für die konventionelle Abschreckung übernehmen“. Trumps Abzugsdekret sei „übereilt“ und „birgt das Risiko, die Abschreckung zu untergraben und Wladimir Putin ein falsches Signal zu senden“.











