Nun doch keine Drohnen über dem Roten Platz in Moskau: Statt der von Wladimir Putin gewünschten Waffenruhe von zwei Tagen während der Siegesparade dauert der Waffenstillstand nunmehr sogar drei Tage. US-Präsident Donald Trump hatte diesen in nahezu letzter Minute verkündet. „Während unserer Telefonkontakte mit der US-Präsidialverwaltung wurde eine Einigung in dieser Angelegenheit erzielt“, betont Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, nach wie vor stark von US-Hilfen abhängig, musste sich fügen. Quasi als Dreingabe gibt es einen Gefangenenaustausch. Jeweils 1000 Kriegsgefangene werden freigelassen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Doch das Propaganda-Theater der vergangenen Tage geht weiter. „Ich ordne hiermit an: die Abhaltung einer Parade in der Stadt Moskau am 9. Mai 2026 zu gestatten“, erklärte Selenskyj. „Wir brauchen niemandes Erlaubnis, um stolz auf unseren Tag des Sieges zu sein“, keilte Kremlsprecher Dmitri Peskow zurück. Zuvor hatte Russland mit Vergeltungsmaßnahmen gedroht, sofern ukrainische Drohnen die Siegesparade angreifen würden. Diplomaten sollten Kiew verlassen, die Stadt könnte flächendeckend bombardiert werden. „Dies ist eine klare Warnung vor den Vergeltungsmaßnahmen“, so Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums.

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Nun ein Waffenstillstand – und Donald Trump feiert sich selbst: „Hoffentlich ist dies der Anfang vom Ende eines sehr langen, tödlichen und hart ausgetragenen Kriegs.“ Die Friedensgespräche gingen weiter. Jeden Tag käme man näher ans Ziel, so Trump. Doch tatsächlich bringen Verhandlungen keine Fortschritte, zumindest keine sichtbaren. Der Krieg geht mit unveränderter Härte weiter – trotz aller zwischenzeitlich verkündeter Waffenruhen.

Der 9. Mai, der Tag des Sieges über Nazi-Deutschland, ist für die Menschen in Russland ein hoher Feiertag, übrigens auch für viele Ukrainerinnen und Ukrainer. Feierlichkeiten gibt es in vielen russischen Städten. Traditionell ist die Siegesparade am 9. Mai auf dem Roten Platz in Moskau eine Demonstration militärischer Stärke. Seit Tagen wird die Stadt mit Blumen, Fahnen und Plakaten geschmückt, werden Brücken und Gehsteige gereinigt. Doch dieses Mal mischte sich Angst vor Drohnen in die staatlich verordnete Vorfreude, zumal erstmals seit langer Zeit wieder eine ukrainische Drohne im Moskauer Stadtzentrum einschlug. Zum Leidwesen vieler Menschen war das mobile Internet schon seit Anfang der Woche teilweise abgeschaltet, in manchen Läden funktionierten die Kreditkarten nicht mehr, GPS-Signale waren gestört. „Vor dem Hintergrund der terroristischen Bedrohung werden natürlich Maßnahmen zur Minimierung der Gefahr getroffen“, erklärte Kremlsprecher Peskow.

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Siegesparade wird zur Nebensache

Die eigentliche Siegesparade dann wurde fast zur Nebensache. Punkt zehn Uhr Ortszeit wurde marschiert, nur Fußtruppen paradierten im Stechschritt, auf Panzer und Raketen verzichtete man. Eine Kunstflugstaffel malte die russischen Landesfarben in den Himmel. Dazu gab es martialische Fernsehbilder, die den Einsatz russischer Soldaten aller Waffengattungen zeigten. Die Vorführung von Militärtechnik entfalle wegen der „operativen Lage“, teilte das Verteidigungsministerium in der russischen Hauptstadt mit.

Bei der traditionellen Militärparade wurde in diesem Jahr auf Panzer und Militärtechnik verzichtet.
Bei der traditionellen Militärparade wurde in diesem Jahr auf Panzer und Militärtechnik verzichtet.© AFP | IGOR IVANKO

In seiner Rede erinnerte Putin an den „Großen Vaterländischen Krieg“, wie der Zweite Weltkrieg hierzulande genannt wird. „Wir verneigen uns vor denen, die im Kampf gefallen sind. Vor denen, die während der Besatzung und in Gefangenschaft gefoltert wurden, die in Leningrad unter Belagerung und in anderen belagerten Städten und Dörfern verhungerten.“ Dann die Brücke zur Gegenwart: „Die große Leistung der siegreichen Generation inspiriert die Soldaten, die die Aufgaben der Spezialoperation ausführen. Die Soldaten der Spezialeinheiten stehen einer aggressiven Streitmacht gegenüber, die vom gesamten Nato-Block unterstützt wird.“ Russland würde siegen, meinte Putin, dessen Rede wenig Überraschendes bot. „Jeder Einzelne leistet seinen Beitrag zum Sieg. Er wird sowohl auf dem Schlachtfeld als auch im Hinterland geschmiedet. Ich bin fest davon überzeugt, dass unsere Sache gerecht ist.“

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Putins Parade „light“ mit ungewöhnlichen Gästen

Parade „light“ – auch politisch: Ehrengast im letzten Jahr war der chinesische Staatspräsident Xi Jinping. Diesmal waren die Staatschefs aus Usbekistan, Kasachstan, Laos und Malaysia auf der Ehrentribüne. Dazu die Führer der selbsternannten Länder Abchasien und Südossetien, die völkerrechtlich zu Georgien gehören. Und natürlich der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko. Kurzfristig abgesagt hatte der armenische Premierminister Nikol Paschinjan.

Wichtigster Gast für Wladimir Putin aber ist der slowakische Ministerpräsident Robert Fico. Seine Anreise war schwierig. Estland, Lettland, Litauen und Polen hatten den Überflug verweigert. Fico reiste über Tschechien, Deutschland, Schweden und Finnland nach Moskau.

Fico gilt als Putins engster Verbündeter nach Orbán-Abwahl

Er gilt nach der Abwahl des langjährigen ungarischen Regierungschefs Viktor Orbán als der engste Verbündete des russischen Präsidenten innerhalb der EU. Am „Grabmal des unbekannten Soldaten“ legte Fico Blumen nieder, schon am Freitag. An der Parade selbst nahm er nicht teil.

Fundamentalopposition gegen EU-Beschlüsse ist von Fico nicht zu erwarten. Er will demnächst nach Kiew reisen, spricht von „gegenseitigen Besuchen in unseren Hauptstädten“. Putin wollte er eine „Botschaft von Wolodymyr Selenskyj“ überbringen. Doch die Slowakei braucht auch russisches Öl, das neuerdings wieder über die Druschba-Pipeline kommt. „Ich freue mich sehr über die Gelegenheit, Präsident Putin zu treffen“, sagte Fico laut der staatlichen Nachrichtenagentur TASS bei seiner Ankunft in Moskau. Beim Treffen sollte es auch um die Wiederaufnahme der Arbeit der russisch-slowakischen Regierungskommission für wirtschaftliche, wissenschaftliche und technische Zusammenarbeit gehen.

Und der Waffenstillstand? Könnte er über den 11. Mai hinaus weitergehen, was sich Donald Trump wünscht? Das wurde noch nicht erörtert, sagt Kremlsprecher Peskow. Also eher nicht.