Als Richard Nixon 1972 nach Peking flog, reiste ein amerikanischer Präsident ins Reich der Mitte, um die Welt größer zu machen. China sollte aus seiner selbst gewählten Enge gelöst, Moskau unter Druck gesetzt und das amerikanische Jahrhundert verlängert werden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Wenn Donald Trump am 13. Mai nach China aufbricht und dort von Xi Jinping empfangen wird, liegt über der Reise das Echo jenes historischen Aktes – nur verkehrt herum. Diesmal kommt kein Amerikaner, um eine neue Ordnung zu entwerfen. Sondern einer, der sein eigenes Land aus Hybris und Unvermögen aus den Gelenken gehoben hat und nun beim Systemrivalen um halbwegs geordnete Verhältnisse bitten muss.
News aus den USA
Trump bringt nicht einmal mehr die volle Wucht des amerikanischen Geschäftsmodells mit
Trump spricht über Xi seit Jahren, als sei Außenpolitik ein Männerritual. Da ist dann von Respekt die Rede, von einem besonderen Draht, fast von Freundschaft. Papperlapapp. Xi braucht keinen Freund im Weißen Haus. Er braucht einen amerikanischen Präsidenten, der berechenbar genug bleibt, um Chinas Aufstieg nicht zu stoppen, und erratisch-arrogant genug, um Amerikas Verbündete weiter nach Strich und Faden zu verprellen und sich selbst immer weiter zu isolieren.

Dass der erkennbar gealterte Präsident wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag (Nixon war gut zwei Jahrzehnte agiler, als er Mao die Aufwartung machte) diesmal mit kleinerer Wirtschaftsdelegation anreist als 2017, ist keine Randnotiz. Es zeigt einen Präsidenten, der nicht einmal mehr die volle Wucht des amerikanischen Geschäftsmodells mitbringt.
Xi braucht vor allem Zeit
Natürlich wird Trump in Peking wieder den ganzen Katalog der Großmachtkonflikte ablaufen wollen: Handel, Zölle, Exportkontrollen, Taiwan, Iran-Öl, künstliche Intelligenz, Cybersicherheit, vielleicht Menschenrechte. Aber schon die Interessenlage verrät, wer nervöser an den Tisch kommt. Washington braucht Resultate: Boeing-Aufträge, Sojabohnen-Importe, eben Belege dafür, dass Härte am Ende doch in Geschäfte übersetzbar ist.
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Peking braucht vor allem Ruhe: keine neuen Zollsalven, keinen offenen Eklat um Taiwan, keine Störung jener Phase, in der China seine Wirtschaft stabilisieren und seine Technologieführerschaft planwirtschaftlich vorantreiben will. Trump braucht Schlagzeilen. Xi braucht Zeit.

Der Iran-Krieg hat eine unangenehme Wahrheit freigelegt
Besonders unerquicklich für Trump ist, dass er ausgerechnet auf jenem Feld geschwächt in Peking erscheint, auf dem amerikanische Präsidenten gegenüber China traditionell am liebsten aus der Höhe sprechen: im Militärischen. Der Iran-Krieg – Kostenpunkt bisher 70 Milliarden Dollar – hat die Vereinigten Staaten nicht besiegt. Aber er hat etwas freigelegt, das in Peking aufmerksam registriert wird: den Verschleiß amerikanischer Macht im Eiltempo.
Seit Beginn der Kämpfe Ende Februar haben die USA ohne jeden strategischen Gewinn enorme Mengen an Präzisionswaffen verschossen, darunter Hunderte Tomahawk-Marschflugkörper und einen beträchtlichen Teil ihrer Langstreckenmunition; das Auffüllen der Depots wird Jahre dauern. Eine Weltmacht, die ihre Magazine sichtbar leert, bevor der eigentliche Systemrivale überhaupt auf dem Schlachtfeld steht, liefert ihrem Gegner eine seltene Lektion in Echtzeit.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Die USA laden in Chinas Augen langsamer nach, als moderne Konflikte es verlangen
Genau das wird in China studiert. Nicht laut, nicht offiziell triumphierend, aber mit sezierendem Interesse. Unter chinesischen Militäranalysten und nationalistischen Kommentatoren ist der Ton deutlich: Der Iran-Krieg habe nicht nur amerikanische Vorräte verschlissen, sondern auch die Aura amerikanischer Unerschöpflichkeit und Vorrangstellung.
Das Problem sei nicht, dass die USA nicht mehr zerstören könnten. Das Problem sei, dass sie langsamer nachladen, als moderne Konflikte es verlangen. Woraus sich eine schlichte Frage ableitet: Wenn Washington schon gegen eine regionale Macht im Mittleren Osten ins Straucheln gerät, warum sollte man die von Trump halbherzig gegebene Schutzgarantie für Taiwan ernst nehmen?
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Für China ist Trump so etwas wie eine historische Ironie
Damit wird die Reise nach Peking für Trump auch strategisch unerquicklich. Er wollte als Mann der Stärke erscheinen, als Präsident, der nach den Bombardements von Teheran nun auch Xi mit Härte beeindrucken könne. Stattdessen reist er mit dem Geruch der Sackgasse an. In Peking dürfte man daraus keine billige Propaganda oder gar Demütigungen machen. Aber der Schluss liegt auf der Hand: China muss Amerika gar nicht militärisch widerlegen, solange es den Eindruck verstärken kann, dass Washington seine globale Rolle selbst überdehnt.
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Genau darin liegt der eigentliche Nutzen, den Peking aus Trump zieht: nicht aus seiner „Freundschaft“, sondern aus seiner tölpelhaften Performance. Trump ist aus chinesischer Sicht nicht der entschlossene Gegenspieler, als den er sich inszeniert. Eher ist er eine historische Ironie. Nixon flog einst nach China, um Amerika größer zu machen. Trump reist in eine Hauptstadt, die längst davon ausgeht, dass Amerika unter ihm seinen Zenit überschritten hat – und Trump sein Land moralisch, ökonomisch und strategisch verzwergt hat. Welchen Unterschied doch 54 Jahre machen.














