Ein Infostand, Menschen gehen vorbei, Stimmen mischen sich – dann ein plötzlicher Angriff. In Berlin trifft es im April einen AfD-Politiker mit einem Faustschlag. In Bremen rennen im September 2025 bis zu 30 Vermummte auf einen AfD-Stand zu, die Polizei muss eingreifen, um eine Eskalation zu verhindern. Ebenfalls im September 2025 wird der Wahlkampf von SPD und Grünen in Bergisch Gladbach durch Angriffe auf Fraktionsbüros sowie durch Buttersäure-Attacken gestört.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Auch andere Fälle folgen diesem Muster: SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach wird in Berlin während einer Wahlkampfaktion bedroht und beleidigt. Nach Angaben von Beteiligten soll ein Mann auf ihn zugegangen sein und ihn aggressiv angesprochen haben, unter anderem mit den Worten: „Willst du eine Waffe am Kopf haben?“ Als der Mann anschließend in seine Jackentasche griff, ging ein Begleiter Krachs dazwischen und brachte ihn zu Boden, bevor die Situation weiter eskalieren konnte.

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„Willst du eine Waffe am Kopf haben?“ – Immer mehr Angriffe auf Politiker in Deutschland

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Übergriffe auf Parteimitglieder deutlich angestiegen. Besonders häufig betroffen waren 2025 Vertreter und Anhänger der AfD. In den Jahren zuvor hatten vor allem Mitglieder der Grünen die meisten Angriffe verzeichnet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion hervor.

Die Polizei registrierte im vergangenen Jahr bundesweit 5140 Straftaten, die sich gegen Parteirepräsentanten beziehungsweise Parteimitglieder richteten. Im Jahr 2024 fanden sich in der Statistik zur politisch motivierten Kriminalität 3690 solcher Taten. 2023 hatte die Polizei 2790 Angriffe auf Parteiangehörige gezählt.

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Ein Grund für die Zunahme dürfte das aufgeheizte Klima im Wahlkampf Anfang 2025 sein. Allerdings war schon in den Jahren zuvor ein Anstieg der Zahl der gegen Parteirepräsentanten gerichteten Straftaten zu beobachten gewesen.

Angriffe auf Politiker: AfD am häufigsten betroffen

Mit 1852 Angriffen war die AfD im vergangenen Jahr besonders stark betroffen, wobei die Polizei diese Straftaten überwiegend dem linken Spektrum zuordnete. Stark zugenommen haben 2025 die gegen die CDU gerichteten Taten. Zählte die Polizei 2024 noch rund 420 Delikte, von denen Repräsentanten beziehungsweise Mitglieder der CDU betroffen waren, so waren es im vergangenen Jahr 1171. 168 Delikte betrafen Angehörige der CSU.

Politikerinnen und Politiker beziehungsweise Mitglieder der Grünen wurden im vergangenen Jahr in 1005 Fällen Ziel eines Angriffs und damit etwas seltener als in den zwei Vorjahren, als die Partei auf Bundesebene noch an der Ampel-Regierung beteiligt war. Damals waren Repräsentanten und Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen mit jeweils rund 1200 Angriffen häufiger attackiert worden als die Vertreter anderer Parteien.

Oft geht es um Verleumdung oder Beleidigung

Häufiger als gegen Parteivertreter gerichtete Gewaltdelikte, von denen es im vergangenen Jahr laut Bundesregierung 193 gab, sind sogenannte Äußerungsdelikte. Dazu zählen unter anderem Volksverhetzung, Verleumdung und Beleidigung. 2025 wurden der Polizei demnach 1289 Äußerungsdelikte bekannt, die Parteivertreter betrafen. Weitere Delikte, die Politikerinnen und Politiker betreffen können, sind etwa Farbschmierereien an Wohnhäusern oder Störungen am Infostand.

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Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Anfrage weiter ausführt, registrierte die Polizei 2025 insgesamt 121 gegen AfD-Mitglieder gerichtete Gewaltdelikte, bei denen mehrheitlich eine politisch links motivierte Haltung der mutmaßlichen Täter maßgeblich war. Vertreter der Grünen waren in 13 Fällen von Gewalt betroffen. Politiker der Linken erlebten den Angaben zufolge in 16 Fällen Gewalt. Jeweils zwölf Gewaltdelikte richteten sich gegen Vertreter von CDU und SPD.

Gewalttaten von Rechten trafen vor allem Politiker der Linkspartei

Gewalttaten, die von der Polizei klar dem rechten Spektrum zugeordnet wurden, betrafen 2025 vor allem Vertreter der Linken. Die meisten Delikte, die Grünen-Vertreter zum Ziel hatten, konnten dagegen keinem spezifischen Phänomenbereich zugeordnet werden.

„Wer die AfD und ihre Wähler ständig diffamiert, delegitimiert, moralisch entrechtet und sogar entmenschlicht, darf sich nicht wundern, wenn Demokratiefeinde daraus einen vermeintlichen Auftrag zur Gewalt ableiten“, sagt der AfD-Innenpolitiker Martin Hess. Der Linksextremismus werde von den etablierten Parteien verharmlost.

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Besonders ernste Vorfälle und Gefahren im GETZ besprochen

Im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum von Bund und Ländern, das sich mit dem linken Spektrum beschäftigt (GETZ-L), wurden im vergangenen Jahr laut Bundesregierung elf Sachverhalte thematisiert, bei denen es um Angriffe oder geplante Angriffe auf Einrichtungen oder Repräsentanten von Parteien ging. Davon betrafen sieben Sachverhalte die AfD, drei die CDU/CSU und einer die Grünen. Im GETZ-R, das entsprechende Vorgänge mit rechtem Hintergrund bearbeitet, kamen demnach jeweils zwei Sachverhalte zur Sprache, die sich gegen die SPD und die Grünen richteten.

Wie die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die AfD-Anfrage ausführt, beziehen sich die Zahlen für das Gesamtjahr auf alle Parteien, die Anfang 2025 im Bundestag waren. Dazu zählten damals auch die FDP und das BSW, die im Parlament aktuell nicht mehr vertreten sind. Gegen BSW-Vertreter richteten sich im vergangenen Jahr 51 Straftaten. 167 Delikte zielten gegen Mitglieder beziehungsweise Repräsentanten der FDP.

mit dpa