Eigentlich ist es verfehlt, von Wohnungsmangel in Deutschland zu sprechen. Was das Land seit geraumer Zeit erlebt, ist eine Wohnungskrise. In etlichen Ballungsräumen und Universitätsstädten ist der Markt leer gefegt, es gibt kaum freie Wohnungen und erst recht keine bezahlbaren. Das Problem hat sich tief in die Gesellschaft hineingefressen: Wer selbst keine Bleibe sucht, der hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Kinder, Verwandte oder Freunde, die es tun. Wohnen ist vielerorts unbezahlbar geworden.

Ein Bauarbeiter arbeitet auf einer Baustelle. (zu dpa: «Zahl der gebauten Wohnungen fällt auf Tiefstand seit 2012»)
Ein Bauarbeiter arbeitet auf einer Baustelle. Es gibt eine riesige Nachfrage nach Wohnungen in Deutschland. Aber seit vielen Jahren wird zu wenig gebaut.© Monika Skolimowska/dpa

Vor diesem Hintergrund wirken aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes wie eine Horrornachricht: Im vergangenen Jahr wurden hierzulande so wenige Wohnungen fertiggestellt wie seit fast anderthalb Jahrzehnten nicht mehr. Es gab nur etwas mehr als 200.000 neue Einheiten, was einem Rückgang von fast einem Fünftel gegenüber 2024 entspricht. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) verweist darauf, dass die Zahl der Baugenehmigungen wieder nach oben weist. Sie hofft auch, dass der sogenannte Bauturbo bald Wirkung zeigt, der die Verfahren in den Kommunen beschleunigen soll.

Funke Mitarbeiter
Politik-Korrespondent Thorsten Knuf© Funke Foto Services | Reto Klar

Es ist gut möglich, dass sich das als Wunschdenken erweisen wird. Die Konjunkturaussichten für Deutschland bleiben angesichts der Krise in Nahost trübe. Die Verbraucherpreise steigen, was über kurz oder lang zu höheren Zinsen und damit zu weniger Investitionen führen dürfte. Die aber braucht es dringend, denn hohen Mieten und Immobilienpreisen lässt sich wirksam nur mit einer Ausweitung des Angebots begegnen. Schon den vergangenen Bundesregierungen gelang es nicht, die Wohnungskrise zu entschärfen. Nach Lage der Dinge wird Schwarz-Rot da keine Ausnahme sein.