Alles hätte scheitern können. Und zwar krachend. Wohl kaum jemand hätte vorher geahnt, dass Deutschland im Jahr 2006 das „Sommermärchen“ erleben würde. Vor 20 Jahren zog die deutsche Fußball-Nationalmannschaft bei der Heim-Weltmeisterschaft das ganze Land in ihren Bann. Als „Zäsur“ und „Start ins 21. Jahrhundert“ beschreiben Experten in der ZDF-Produktion „Mission Sommermärchen“ das, was sich innerhalb von vier Wochen im Sommer 2006 abspielte. Mitreißender Fußball, gemeinsames Feiern, gelebte Gastfreundschaft – Teamgeist, Euphorie, Ekstase.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die dreiteilige Serie wird am 30. Mai im ZDF (20.30 Uhr) ausgestrahlt. Schon jetzt ist sie in der Mediathek abrufbar. Sie erzählt den alles andere als geradlinigen Weg des „Sommermärchens“. Zahlreiche Protagonisten des legendären WM-Sommers kommen zu Wort, zum Beispiel Jürgen Klinsmann und Joachim Löw. Klinsmann war damals Bundestrainer und Löw dessen Co-Trainer – Letzterer führte die Nationalmannschaft acht Jahre später als Bundestrainer zum Weltmeistertitel. Die beiden erklären, welche Schwierigkeiten sich in den Jahren vor dem „Sommermärchen“ auftaten – und warum ausgerechnet die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel eingreifen musste.
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Angela Merkel vermittelte zwischen Klinsmann und der „Bild“-Zeitung
Klinsmann war als Bundestrainer alles andere als die erste Wahl. Zu Beginn stand er nicht einmal auf einer langen Liste von Namen. Erst ein Campingurlaub von Berti Vogts in den USA samt Besuch des Europameister-Trainers von 1996 in Klinsmanns Wahlheimat Kalifornien brachte die Sache ins Rollen. Damit setzte ein Paradigmenwechsel im deutschen Fußball ein, bei dem Klinsmann und Löw gleich mehrere Skeptiker überzeugen mussten: das Establishment des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), die breite Öffentlichkeit und die Medien. Allen voran die „Bild“-Zeitung, die Klinsmann von Beginn an scharf kritisierte.

Anfang März 2006 verliert Deutschland in Italien 1:4 und wenige Monate vor Beginn der WM steht Klinsmann vor dem Rauswurf. Der ehemalige Nationalspieler hatte zuvor fast alles beim DFB auf den Kopf gestellt. Er revolutionierte das Fitnesstraining im Verband, holte externe Experten hinzu, nominierte kaum bekannte Spieler, rief ein Torwart-Duell zwischen Oliver Kahn und Jens Lehmann aus, legte sich mit den Mächtigen der Bundesliga an. Es war klar: Er musste liefern. Auch weil Medien wie die „Bild“ mit ausgesprochen reißerischen Schlagzeilen kein gutes Haar an Klinsmann ließen.
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Ein Treffen in der Toskana brachte die Wende
Zu diesem Zeitpunkt ist das „Sommermärchen“ Lichtjahre entfernt. Klinsmann und Löw berichten, dass sie sich zur damaligen Zeit gelegentlich mit Angela Merkel für eine halbe Stunde auf einen Kaffee trafen. Sie habe die Probleme, mit denen das Trainergespann kämpfte, sofort erkannt. Und bot ihre Hilfe an. Auf Vermittlung der Kanzlerin trafen sich Jürgen Klinsmann und Joachim Löw nach der Italien-Pleite mit den Chefredakteuren des Springer-Verlags, zu dem die „Bild“-Zeitung gehört. Irgendwo in der Toskana.
„Wir haben dort unser Konzept vorgestellt“, sagt Klinsmann in der Doku-Serie. „So gab es – durch die Kanzlerin angeleitet – ein Verständnis, miteinander zu sagen: Okay, lasst uns das gemeinsam angehen. Und wenn es nicht gut gehen sollte, dann erwarten wir von dir, dass du von der Bühne gehst.“

Doch es ging gut. Und Klinsmann ging von der Bühne, aber aus freien Stücken und als „Sommermärchen“-Held. Die Presse, allen voran die „Bild“, feierte das junge Klinsmann-Team. Die Mannschaft wurde Dritter beim Heimturnier und eroberte Millionen Herzen. Es war ein Aufbruch, den Klinsmann und Löw mit ihrer Mannschaft im Land auslösten. Auch dank der Unterstützung der Bundeskanzlerin.
mit dpa






