Krieg, Frieden, Grundsatzvereinbarung: Der Iran-Konflikt ist auch eine Propagandaschlacht, in der jede Seite ihre Interpretation durchdrücken will. Trotz laufender Verhandlungen über eine Verlängerung der Waffenruhe betonen die USA ihre Bereitschaft zu neuen Angriffen. Die Vereinigten Staaten seien „mehr als fähig“, den Krieg gegen den Iran wieder aufzunehmen, sagte US-Verteidigungsminister Pete Hegseth. Derweil liegt nach US-Angaben ein von Unterhändlern beider Seiten ausgehandeltes Rahmenabkommen vor, über das US-Präsident Donald Trump entscheiden muss. Wie geht es weiter im Streit zwischen den USA und dem Iran, der die Welt in Atem hält? Ein Überblick über fünf mögliche Szenarien.

Szenario 1: Heißer Krieg zwischen USA/Israel und dem Iran

Die Drohungen von Trump sind unmissverständlich. „Für Iran tickt die Uhr, und sie sollten sich besser schnell bewegen, sonst wird von ihnen nichts mehr übrig bleiben“, polterte er kürzlich. Trump malt das apokalyptische Szenario eines großflächigen Krieges an die Wand, um das Regime in Teheran zu einem Frieden zu seinen Bedingungen zu zwingen. Sein wichtigster Punkt ist, Iran den Weg zur Atombombe nachweisbar zu verbauen.

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Doch selbst wenn Trump keine Nuklear-Einigung erzielt, ist ein großer Krieg nicht das wahrscheinlichste Szenario: Beide Seiten schrecken davor zurück. Der Präsident will vermeiden, dass der Iran wie im März die öl- und gasreichen Golfstaaten bombardiert und die Weltwirtschaft in eine schlimme Rezession reißt. Trump hört zwar nur auf sich selbst. Aber wenn die Märkte verrückt spielen, wich er in der Vergangenheit oft zurück. Der Iran würde zwar im Fall einer weiteren amerikanisch-israelischen Frontalattacke zu massiven Vergeltungsaktionen in der Region greifen. Doch Teheran will dies lieber als Abschreckungsoption in der Hinterhand behalten. Eine militärische Konfrontation würde den Iran an den Rand eines Wirtschaftskollapses bringen und das Überleben des Regimes gefährden.

Szenario 2: Zerbrechliche Waffenruhe

Die seit dem 8. April geltende Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran ist bereits brüchig. Amerika wirft der Islamischen Republik vor, Drohnen auf zivile Schiffe im Persischen Golf abgefeuert zu haben. Teheran wiederum kritisiert Washington wegen der Bombardierung eines Militärstützpunktes. Beide Länder bemühen sich aber, eine bestimmte Eskalationsschwelle nicht zu überschreiten.

Donald Trump spricht im Weißen Haus
Donald Trump spricht im Weißen Haus. Der US-Präsident möchte dem Iran den Weg zur Atombombe verbauen.© Alex Brandon/AP/dpa | Alex Brandon

Solange die USA und der Iran keinen Durchbruch am Verhandlungstisch erzielen, ist mit weiterer Instabilität zu rechnen. „Das wahrscheinlichste Szenario ist weder ein umfassender Krieg noch eine echte Aussöhnung, sondern eine brüchige und umkehrbare Deeskalation“, sagte der Iran-Experte Ali Vaez von der Denkfabrik International Crisis Group unserer Redaktion. Alle Seiten wollten einen regionalen Flächenbrand vermeiden. Doch die zugrunde liegenden Konfliktursachen – die Abschreckungsstrategie des Iran und die Entschlossenheit Israels, diese zurückzudrängen – blieben ungelöst. „Dies deutet eher auf eine anhaltende Phase der Spannungen hin, die von vereinzelten Eskalationen, verdeckten Aktionen und indirekter Diplomatie geprägt ist, als auf eine stabile Einigung“, so Vaez.

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Szenario 3: Eingefrorener Konflikt

Eine Zementierung des derzeitigen Zustandes ist eher unwahrscheinlich. Trump will zumindest eine Öffnung der für den internationalen Ölhandel bedeutenden Straße von Hormus. Er würde sich gern als Held der freien Seeschifffahrt und Retter der Weltwirtschaft feiern lassen – für ihn ein wichtiger Triumph vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November. Für Teheran wiederum ist die Aufhebung der US-Seeblockade und die Freigabe von zunächst zwölf Milliarden Dollar aus den eingefrorenen Auslandskonten das Minimalziel. Das Regime steht unter starkem wirtschaftlichen Druck und will sich so eine Atempause verschaffen.

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Szenario 4: Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner

Nach Medienberichten stehen Washington und Teheran kurz vor einer grundsätzlichen Übereinkunft, auf die später eine weitere Verhandlungsrunde mit kontroversen Themen folgen soll. Trump hatte zuletzt eine „endgültige Entscheidung“ angekündigt, dann aber laut „New York Times“ auf Verschärfungen in der Absichtserklärung gedrängt. Offenbar will er die Freigabe eines Teils des iranischen Auslandsvermögens blockieren. Nach der Rahmenvereinbarung soll die Waffenruhe zunächst um 60 Tage verlängert werden. Vorgesehen ist zudem, dass der Iran die Straße von Hormus öffnet.

Amerika beendet im Gegenzug die Seeblockade. Aber der Teufel steckt im Detail. Die Islamische Republik will von jedem Schiff Gebühren für sogenannte Navigationsdienstleistungen kassieren, was Trump ablehnt. Der Amerikaner verlangt wiederum, dass sich der Iran auf eine Vernichtung oder Beseitigung seines mehr als 400 Kilogramm umfassenden hochangereicherten Urans durch die USA verpflichtet. Eine Einigung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner wäre nur möglich, wenn beide Seiten auf Extra-Forderungen verzichten.

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Szenario 5: Das XXL-Paket: Friedensvertrag zwischen USA und Iran

Eine Beilegung aller Streitpunkte, die in einen Friedensvertrag mündet, gilt derzeit als ausgeschlossen. Beide Seiten beharren auf ihren Maximalpositionen. Der Iran hat eine lange Liste präsentiert, deren Erfüllung illusorisch ist. Teheran verlangt Gebühren für die Schiffspassage durch die Straße von Hormus, die Aufhebung der US-Seeblockade, den Abbau der internationalen Sanktionen, den Abzug der US-Soldaten von ihren Stützpunkten am Persischen Golf, die Rücküberweisung der eingefrorenen Auslandsgelder, Reparationen für die auf 300 bis 1000 Milliarden Dollar geschätzten Kriegsschäden, eine Nichtangriffsgarantie für die Zukunft sowie einen Waffenstillstand in Libanon. Während ein Kompromiss bei der Öffnung der Straße von Hormus in Form eines „Quidproquo“ zumindest möglich erscheint, ist dies beim Nuklearthema kaum vorstellbar.

Irans Präsident Masoud Pezeshkian schüttelt Pakistans Armeechef Syed Asim Munir die Hand.
Pakistan vermittelt zwischen Washington und Teheran in der Iran-Krise: Hier begrüßt der iranische Präsident Massud Peseschkian (r.) den pakistanischen Armee-Chef Syed Asim Munir.© AFP | -

Trump wird von dem obsessiven Zwang angetrieben, eine Atomregelung mit dem Iran zu erreichen, die restriktiver ist als das unter US-Präsident Barack Obama verhandelte Nuklearabkommen von 2015. Er pocht darauf, dass das Regime seine niedrigschwellige Urananreicherung für bis zu 20 Jahre auf Eis legt und die mehr als 400 Kilogramm seines zu 60 Prozent angereicherten Urans den USA überlässt, vor Ort zerstört oder streckt. Die Chancen, dass Trump dies eins zu eins durchbekommt, sind jedoch gering. Für Teheran ist das Recht auf die geringe Anreicherung von Uran für zivile Zwecke wie Kernenergie eine nicht verhandelbare Frage der Souveränität.

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Da ein XXL-Vertrag in weiter Ferne scheint, rechnen Fachleute mit einer weiteren Periode der Unsicherheit. „Das wahrscheinlichste Szenario ist eine lange Verhandlungsphase, in der keine Seite behauptet, vollständig zufrieden zu sein, gepaart mit einem Krieg auf niedrigem Niveau in den Gewässern des Golfs“, sagte der in Katar ansässige Nahostexperte Luciano Zaccara unserer Redaktion. „Es wird sich nicht um ein Abkommen handeln, das von einem Sieger einem Unterlegenen aufgezwungen wird, sondern um Verhandlungen in einer Win-win-Situation für beide Seiten. Deshalb wird es Monate dauern, bis eine Einigung erzielt wird. Der Iran hat es nicht eilig, da er nicht die politischen Kosten tragen muss, die Trump mit Sicherheit zu tragen haben wird.“