Die Excel-Tabelle hat über 600 Zeilen, jede davon steht für eine Bewerbung. Fein säuberlich hat mein Bekannter eingetragen, was aus ihnen geworden ist: Gelb steht für eine Einladung zum Vorstellungsgespräch, rot für eine Absage. Doch die meisten Felder bleiben weiß: keine Antwort.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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So wie dem 27-Jährigen geht es vielen jungen Menschen. Sie haben studiert, Auslandssemester absolviert und Praktika gesammelt, doch trotzdem finden sie keinen Job. Arbeitgeber fordern Zuverlässigkeit, schaffen es aber nicht, eine Absage zu versenden. Sie fordern Engagement und schicken nach der dritten Bewerbungsrunde eine floskelhafte Erklärung, warum es leider nicht gepasst hat.
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Uni-Absolventinnen und -absolventen können selbstständig recherchieren, Projekte planen, argumentieren. Doch die „harten Skills“ wie Programmieren, Datenanalyse oder Design übernimmt in vielen Firmen zunehmend die KI. Bewerberinnen und Bewerber haben das Gefühl, ihre Fähigkeiten seien plötzlich wertlos.
In Zeiten wirtschaftlicher Ungewissheit zögern Firmen, junges Personal einzustellen. So nachvollziehbar dieser Reflex ist, an die junge Generation senden Personaler das Signal: Wir brauchen euch nicht.

Ähnlich klingen die Botschaften aus der Politik: Forschungsministerin Dorothee Bär bezeichnet Studieren als Privileg und rechtfertigt so das Ausbleiben der Bafög-Reform. Obendrein sollen bitteschön möglichst viele zur Bundeswehr. Solche Aussagen sorgen nicht dafür, dass sich Berufsanfänger wertgeschätzt fühlen. Deshalb, liebe Chefs und Politiker: Nehmt junge Menschen ernst und hört auf, ihnen Steine in den Weg zu legen!





