Es ist ein Einschnitt, der die KI-Branche weltweit alarmiert: Die US-Regierung hat das Milliarden-Unternehmen Anthropic angewiesen, den Zugang zu den Spitzenmodellen Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 für alle ausländischen Staatsangehörigen auszusetzen – „ob innerhalb oder außerhalb der Vereinigten Staaten“. Betroffen wären damit sogar ausländische Mitarbeiter der Firma. Weil Anthropic die Vorgabe nach eigener Darstellung nicht rechtssicher nur für diese Gruppe umsetzen kann, nahm das Unternehmen beide Modelle für alle Kunden vom Netz. Pikant: Amazon, der große Cloud-Anbieter und einer der größten Anthropic-Investoren, löste durch eine massive Warnung vor Sicherheitslücken die Anordnung von Handelsminister Howard Lutnick erst aus.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Vorgang stellt in den Vereinigten Staaten ein Novum dar. Die USA kontrollieren seit Jahren Hochleistungschips, Rechenzentren und Technologietransfers. Hier aber trifft die Exportkontrolle nicht Bauteile oder Fachwissen, sondern den Zugang zu einem kommerziellen KI-Spitzenmodell selbst – wenige Tage nach dessen Start.

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Laut Anthropic geht es um eine Methode, die Sicherheitsregeln von Fable 5 auszutricksen. In der Branche heißt das „Jailbreak“; gemeint ist der Versuch, ein KI-System mit geschickt formulierten Anfragen dazu zu bringen, eigentlich gesperrte Antworten zu liefern. Anthropic hält die Begründung für überzogen.

Anthropic sperrt Top-KI-Modell nach Regierungsanordnung

Fable 5 kann laut Firmenbeschreibung große Programmsammlungen übertragen, wissenschaftliche Grafiken auslesen und Anwendungen aus Bildschirmfotos nachbauen. Mythos 5 wird noch heikler beschrieben: Bei internen Tests zum Entwurf von Proteinen habe das Modell Teile der Wirkstoffentwicklung um etwa den Faktor zehn beschleunigt.

Anthropic betont, diese Risiken vor dem Start geprüft zu haben: mit der US-Regierung, dem britischen KI-Sicherheitsinstitut, externen Fachleuten und internen Teams. Der Regierung reicht das nicht.

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Das ist überraschend. Die Trump-Regierung hat KI bislang demonstrativ als Projekt der Deregulierung und technologischen Vorherrschaft behandelt. Schon im Januar 2025 erklärte das Weiße Haus, die USA müssten ihre „globale KI-Dominanz“ sichern. Später folgte ein Aktionsplan, der „lästige Bundesregulierungen“ abbauen und Amerikas Vorsprung ausbauen sollte. Der Stopp gegen Anthropic steht deshalb quer zur eigenen Marschrichtung – weniger Verbote, mehr Tempo, mehr Nähe zur Industrie.

Hier setzt Anthropics Kritik an. Man akzeptiere die rechtliche Weisung, widerspreche aber der Logik. Ein begrenzter Umgehungstrick dürfe nicht zum Anlass genommen werden, um ein kommerzielles Modell zurückzurufen, das bereits bei vielen Nutzern im Einsatz sei. Würde dieser Maßstab für die gesamte Branche gelten, käme das faktisch einem Stopp neuer Spitzenmodelle gleich. Der Fall ist damit mehr als ein Streit um ein einzelnes Modell. Er zeigt, dass Washington die Nutzung eines KI-Modells selbst als sicherheitsrelevanten Export behandelt – und gegebenenfalls stoppt. Für die Branche ist das ein Präzedenzfall.