Auf ihrem Parteitag in Erfurt zeigt sich eine AfD, die weit entfernt von dem „gärigen Haufen“ ist, den Alexander Gauland einst beschrieben hat. Sie zeigt sich professionalisiert. Diskutiert wurde wenig. Es war eher ein Durchwählen von vorher festgelegten Posten. Keine offenen Kämpfe, keine wirklichen inhaltlichen Auseinandersetzungen. Vereinzelte Zwischenrufe wurden direkt abmoderiert.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Selbst die einzige echte Kampfkandidatur des Tages, um den Schatzmeisterposten, ging an Hannes Gnauck, Mitaufbauer der parteieigenen Kaderschmiede Akademie Schwarz-Rot-Gold – eine Bildungseinrichtung, um gezielt auf Regierungsverantwortung vorzubereiten. Gnaucks Sieg ist vor allem ein Triumph für Alice Weidel und ihre Verbündeten. Sie konnte ihr Machtnetzwerk zementieren.

AfD rückt von Selbstzerfleischung ab und setzt auf Disziplin
Zugleich bleibt diese Professionalisierung widersprüchlich. Kaum hatte Chrupalla die Partei zur Übernahme von Regierungsverantwortung bereit erklärt, zog Weidel in ihrer Rede über die CDU her. Diese mache Politik gegen die Interessen des Landes. Die AfD gibt sich immer wieder offen für eine Koalition mit der Union (die das ablehnt) – solche Sprüche machen das nicht wahrscheinlicher.
Und trotzdem: Eine Partei, die sich zunehmend auf eine Führungsfigur zuspitzt und lernt, sich selbst zu disziplinieren, stolpert nicht mehr über sich selbst. Der „gärige Haufen“, der sich regelmäßig selbst zerlegt hatte, war auf paradoxe Weise ungefährlicher – er lieferte immer neue Gründe, ihn nicht ernst zu nehmen. Die AfD hat in Erfurt gezeigt, dass sie dabei ist, diese Selbstbremse zu verlieren. Die Hoffnung, dass diese Partei sich selbst zerlegt, sollte man nicht mehr haben.




