Eckart von Hirschhausen steht am Rande des vollen Plenarsaals des Thüringer Landtags. Der wahrscheinlich bekannteste Arzt Deutschlands, der Mann mit dem leicht ergrauten Bart, Brille und den lockigen Haaren, bindet sich mit geübten Händen noch schnell die Krawatte und legt sich ein Stethoskop um den Hals. Ein bisschen abseits steht er, bekommt nur mit halbem Ohr mit, was ein paar Meter weiter die Redner am Pult des Thüringer Landtags alles für nette Dinge über ihn sagen.
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Eckart von Hirschhausen begeistert 280 Besucher in Erfurt
„Sie zeigen, dass Fakten nicht genügen, wenn sie Menschen nicht erreichen“, so zum Beispiel der Politikwissenschaftler André Brodocz, Professor an der Universität Erfurt. Die Menschen müssten sich von der Wissenschaft mitgenommen fühlen. Und wer könnte das besser schaffen, als der Arzt und Journalist Eckart von Hirschhausen.

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Als sein Name das erste Mal fällt, blickt Hirschhausen hoch. Gerade hatte er noch in der Zeitung geblättert. Schnell hebt er die Hand, guckt über seine Brille in den gut gefüllten Plenarsaal. 280 Menschen sind an diesem Montagabend nach Erfurt gekommen. Sie alle wollten das aus unzähligen Talkshows und Fernsehsendungen bekannte Gesicht mal live und in Farbe erleben.
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Hirschhausen verbindet Wissenschaft und Humor
„Hallo, mein Name ist Hirschhausen, ich bin Arzt und ich möchte Sie gut behandeln.“ Mit diesen Worten beginnt Hirschhausen seinen Vortrag zu der Abschlussveranstaltung der Ringvorlesung. Veranstaltet wird sie von dieser Zeitung, der Universität Erfurt und dem Thüringer Landtag. An diesem Tag geht es um das Motto „Gesunde Erde – Gesunde Menschen“. Benannt nach der gleichnamigen Stiftung von Hirschhausen.
Dr. Eckart von Hirschhausen im Thüringer Landtag - die Bilder
„Ich stehe hier vor einem ausverkauften Haus voller junger Studierender, und weil die keine Zeit hatten, haben sie ihre Eltern geschickt“, witzelt der Mediziner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, mit Humor über gesellschaftliche und gesundheitliche Themen aufzuklären.
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Hirschhausen setzt modisches Statement
Extra für heute habe er sich einen Schlips angezogen, sagt Hirschhausen und deutet auf seine zuvor gebundene Krawatte. Die ist blau gestreift, geht am Ende in ein knalliges Rot über. Das sei eine Klimakrawatte, die die Erwärmung der Erde in den vergangenen Jahren zeige. Und damit ist das Thema für den heutigen Abend schnell gesetzt. Hirschhausen referiert über Gesundheit und wie die mit der Klimakrise verbunden ist. Denn Gesundheit beginne mit der Luft, die man atme, und dem Wasser, das man trinke.

Kampf gegen die Erderwärmung: Warum jedes Zehntel Grad zählt
„Es lohnt sich jetzt, um jedes Zehntel Grad zu kämpfen“, sagt Hirschhausen. Was er damit meint, macht er an einem Beispiel fest. „Wer von Ihnen hat schon mal ein Ei gekocht?“, fragt er und wartet, bis alle Zuschauer die Hände gehoben haben. Wenn man ein Ei koche, dann bleibe es auch hart, wenn das Wasser wieder abkühle. Wie ein Ei auch, bestehe der Mensch aus Wasser, Fett und Proteinen. Auf Dauer könne der Mensch Temperaturen von mehr als 42 Grad nicht aushalten. Das Gehirn würde dann dauerhaften Schaden nehmen.
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Hirschhausen begeistert mit lustigen Einblicken in sein Leben
Hirschhausen springt von Thema zu Thema: Organspende, Windräder, Hitzeschutz, Internetbetrug. Er teilt mit dem Publikum all das, was ihm wichtig ist, und verpackt es in humorvolle Momente. Immer wieder blitzen über die Leinwand verschiedene Bilder von ihm. Selfies, aufgenommen in Momenten, die für ihn prägend waren; an einem ausgedorrten Flussbett, oder gemeinsam mit bekannten Persönlichkeiten, wie der mittlerweile verstorbenen Affenforscherin Jane Goodall. Einmal zeigt er ein Foto mit sich und Papst Leo XIV., den er in diesem Jahr getroffen hat. Und immer wieder lacht das Publikum, scheint begeistert von dem 57-Jährigen.
„Es ist schwer, die Welt nebenamtlich zu retten, wenn sie andere hauptberuflich zerstören“, sagt er. Deswegen arbeite er auch mit der Uni Erfurt zusammen und im Speziellen mit der Professorin Cornelia Betsch, die 2021 mit dem Deutschen Psychologiepreis und 2022 mit dem Thüringer Forschungspreis ausgezeichnet wurde. Betsch gibt dem Publikum Einblicke in ihre Arbeit. So umreißt sie, wie man für den Klimaschutz relevante Systemveränderungen erreichen kann. „Die Bevölkerung möchte mehr Klimaschutz“, sagt sie.

Hirschhausen erinnert an Opfer der NS-Euthanasie-Politik
Und Hirschhausen wird auch politisch. Vor dem Eindruck des vergangenen Wochenendes appelliert er an die Zuschauer. Er zeigt ein Foto von dem Grab seines Großonkels. Dieser sei der Euthanasie-Politik der Nazis zum Opfer gefallen.
Dann leitet Hirschhausen über zu Thüringens AfD-Vorsitzendem Björn Höcke. Dieser hat 2023 auch von Kindern mit Behinderungen gesprochen. Inklusion sei laut Höcke ein „Ideologieprojekt“, von dem man das Bildungssystem „befreien“ müsse. Hirschhausen nahm das auf und sagte: „Menschen wie Björn Höcke sind gefährlich, wenn sie ein Gedankengut verbreiten, nach dem Menschen eingeteilt werden nach brauchbar, nach lebenswert und lebensunwert“. Das erinnere an die Nazi-Zeit. „Es gibt nach 1945 keinen Grund mehr, solchen Menschen überhaupt das Wahlrecht zu geben“, sagt Hirschhausen. Für ihn gebe es auch keinen Grund, solche Parteien zu wählen, die Menschen wie Björn Höcke nicht ausschließe. An der Stelle bekommt Hirschhausen den vielleicht längsten Applaus an dem Abend.

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Nachdem er Fragen aus dem Publikum beantwortet hat, nutzt der ein oder andere die Möglichkeit für einen kleinen Plausch und ein gemeinsames Andenken. Am Ende kann Hirschhausen seine Bildergalerie noch um das ein oder andere Selfie erweitern.






































