Beim Energieunternehmen Octopus Energy liefen am Mittwoch die Computer und Telefone heiß. Als klar war, dass die Koalition die bisherige Förderung für neue Heizungen früher stoppt als gedacht, wollte die Firma, die auch Wärmepumpen anbietet und bei der Förderung berät, noch so viele Anträge wie möglich am Mittwoch finalisieren. Viele Kolleginnen und Kollegen seien aus dem Feierabend zurück ins Büro gekommen, erzählt Bastian Gierull, Deutschland-Chef von Octopus. „Wir haben bis spät in die Nacht noch alles versucht.“

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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So wie bei seinem Unternehmen sah es auch bei anderen Installateuren von Wärmepumpen aus. Hintergrund sind Änderungen beim Programm „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG), über das unter anderem der Austausch von alten Heizungen gefördert werden kann. Dass die Bundesregierung die Förderung dafür kürzen will, hatte sich zwar abgezeichnet. Dass die neuen Regelungen aber so schnell in Kraft treten würden, kam für Verbraucher und Installateure überraschend.
KfW und BAFA-Portale schließen vorübergehend für Förderanträge
Erst am Mittwochnachmittag hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags die neuen Förderbedingungen beschlossen. Schon zu diesem Zeitpunkt, melden Unternehmen, seien die entsprechenden Antragsportale zum Teil nicht mehr zu erreichen gewesen.
Einen Tag später war dann endgültig Schluss. Seit Donnerstag sind die entsprechenden Antragsportale bei KfW und BAFA laut Bundeswirtschaftsministerium in einer „Umstellungsphase“, neue Anträge nach den alten Förderbedingungen deshalb nicht mehr möglich. Ab dem 21. Juli können dann Anträge nach den neuen Förderrichtlinien gestellt werden.
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Die Bundesregierung will eine Förderung, die „sozialer“ und „effizienter“ ist
Für diejenigen, die im Antragsprozess schon weit fortgeschritten sind, soll es laut Ministerium aber eine „Vertrauensschutzregelung“ geben: Wer bereits eine gültige Bestätigung zum Antrag (BzA) oder eine technische Projektbeschreibung (TPB) vorweisen kann, könne auch während der Umstellungsphase noch Anträge zu den bisherigen Konditionen stellen.
Bei der Frage, ob ihre neue Heizung nach dem alten oder neuen System gefördert wird, geht es für Verbraucherinnen und Verbraucher um viel Geld. Bisher konnten bis zu 30.000 Euro Kosten einer neuen Heizung, häufig einer Wärmepumpe, für eine Förderung angerechnet werden. Der Großteil der Käufer erhielt, über eine Kombination von 30 Prozent Grundförderung und Boni, eine Fördersumme von 50 bis 55 Prozent dieser Kosten.
Heizungsförderung schrumpft: Staat senkt Zuschüsse und Boni deutlich
Die Höhe der sogenannten förderfähigen Kosten sinkt jetzt, in einem ersten Schritt um 2000 Euro auf 28.000 Euro, dann alle sechs Monate um weitere 750 Euro. Auch der Klimageschwindigkeitsbonus, der für den frühen Austausch besonders alter fossiler Heizungen gewährt wurde, schrumpft: Statt 20 Prozent gibt es jetzt 16 Prozent, und mit jedem halben Jahr fallen vier weitere Prozentpunkte weg. So erhofft sich die Bundesregierung einen Anreiz für Hausbesitzer, möglichst schnell zu sein beim Heizungstausch. Schon jetzt bedeuten die Neuerungen einen Unterschied von Tausenden Euro, und je weiter die Förderung abgeschmolzen wird, umso größer wird der Unterschied zum vorherigen Förderregime.
Gleichzeitig soll die Unterstützung stärker sozial gestaffelt werden. Bisher lag der maximale Einkommensbonus für Haushalte mit einem Einkommen bis zu 40.000 Euro im Jahr bei 30 Prozent. Jetzt kommt eine weitere Stufe für Einkommen unter 30.000 pro Jahr hinzu, für die 40 Prozent Bonus möglich sind. Alle unter 50.000 Euro erhalten noch 10 Prozent Einkommensbonus. Wer Kinder hat, kommt leichter an den Einkommensbonus: Bei mindestens einem minderjährigen Kind im Haushalt werden 10.000 Euro abgezogen von dem Einkommen, das für die Förderung zugrunde gelegt wird.
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Heizungsförderung: Verbraucherschützer kritisieren abrupten Wechsel der Bedingungen
Die Bundesregierung erhofft sich von den neuen Regelungen, dass die Förderung künftig „sozialer“ und „effizienter“ ist. Das Preisniveau für Wärmepumpen liegt in Deutschland im internationalen Vergleich sehr hoch; Kritiker sehen einen Grund dafür in den hohen prozentualen Fördersätzen.
Unternehmen und Verbraucherschützer zeigten sich am Donnerstag konsterniert über das abrupte Vorgehen der Regierung. „Verbraucherinnen und Verbraucher brauchen für die Planung solch großer Investitionen vor allem Verlässlichkeit und Planungssicherheit“, sagt Lorena Jonas, Energieexpertin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Ein Förderstopp von einem Tag auf den anderen ist das genaue Gegenteil und kann für erhebliche Unruhe und Verunsicherung sorgen.“
Wärmepumpen-Förderung: Branche befürchtet weiter hohe Preise
Es sei zwar verständlich, dass die Politik eine Antragsflut zu den alten Bedingungen habe vermeiden wollen, sagte Martin Sabel, Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe, doch in der Umsetzung sei das schwierig. Es habe „Hunderte Telefonate unserer Mitglieder mit teils aufgebrachten, teils aufgelösten Kunden“ gegeben, sagt er dieser Redaktion, „viel Frust und zum Teil auch stornierte oder verlorene Aufträge“.
Und zu all dem gibt es in der Branche Zweifel, ob die Neuaufstellung der Förderung ausreichend dazu beitragen wird, Wärmepumpen billiger zu machen. „Der Durchschnittspreis für Wärmepumpen wird mit dieser Änderung sicherlich fallen“, sagt Simon Harske, Leiter des operativen Geschäfts beim Energieunternehmen Enpal. Aber die Anforderungen an die Geräte und das installierende Personal seien in Deutschland deutlich höher als anderswo, auch das treibe die Preise. Allein durch weniger Förderung ein Preisniveau wie in anderen Ländern erreichen, halte er deshalb für „naiv.“
Auch Octopus Energy war nicht in allen Fällen erfolgreich mit dem Versuch, noch Anträge fertigzustellen. Es blieben „Kunden, die vor der Umstellung bereits unterschrieben hatten, aber nicht mehr die versprochene Förderung erhalten“, sagt Deutschland-Chef Gierull. Octopus will sich jetzt bei der Bundesregierung dafür einsetzen, dass zumindest Haushalte, die am Mittwoch bereits einen gültigen Vertrag hatten, noch die alten Förderbedingungen erhalten.






