Eigentlich sollte es ein politischer Befreiungsschlag werden. Doch für den britischen Rechtspopulisten Nigel Farage entwickelt sich die von ihm selbst ausgelöste Nachwahl in seinem Wahlkreis Clacton-on-Sea zunehmend zu einer Blamage, wie unter anderem CNN berichtet. Statt eines Duells mit den etablierten Parteien könnte Farage nun vor allem gegen einen Satire-Kandidaten antreten, der mit einem Mülleimer auf dem Kopf bekannt wurde.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Farage hatte am Dienstag überraschend sein Mandat als Abgeordneter niedergelegt. Hintergrund sind Vorwürfe, wonach er Spenden in Millionenhöhe nicht ordnungsgemäß angegeben haben soll. Der Vorsitzende der Partei Reform UK weist sämtliche Anschuldigungen zurück. Gegen ihn läuft jedoch eine Untersuchung der parlamentarischen Ethikkommission.

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Mit seinem Rücktritt wollte Farage den Wählern die Entscheidung über seine politische Zukunft überlassen. „Ich habe entschieden, dass die Bürger von Clacton über mein Handeln urteilen sollen“, sagte er. Zugleich kündigte er an: „Ich werde kämpfen, um zu gewinnen. Ich werde kämpfen, um die politische Revolution fortzusetzen, die Reform UK begonnen hat.“

Labour, Konservative und Liberaldemokraten boykottieren die Wahl

Der Plan ging jedoch nicht auf. Die regierende Labour-Partei, die Konservativen und die Liberaldemokraten kündigten an, bei der Nachwahl keinen eigenen Kandidaten aufzustellen. Sie werfen Farage vor, mit dem Urnengang lediglich von den Vorwürfen gegen seine Finanzen ablenken zu wollen.

Premierminister Keir Starmer sprach von einem „verzweifelten PR-Gag“. Auch aus dem Umfeld des Labour-Politikers Andy Burnham hieß es, Farage versuche mit einem „Trick“, von den Ermittlungen gegen seine Geldgeber abzulenken.

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Finanzministerin Rachel Reeves formulierte ihre Kritik besonders spöttisch. Auf der Plattform X schrieb sie: „Das ist eine Farce und ein verzweifelter Ablenkungsversuch, und die Menschen in Clacton verdienen Besseres. Aber wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einer Mülltonne zu streiten, werde ich ihn nicht daran hindern.“

Satire-Kandidat „Count Binface“ wittert seine Chance

Von der Entscheidung der großen Parteien profitiert ausgerechnet ein Kandidat, der seit Jahren zum Inventar britischer Wahlen gehört: „Count Binface“, auf Deutsch etwa „Graf Mülltonnengesicht“. Hinter der Kunstfigur steckt der Drehbuchautor und Komiker Jon Harvey, der mit silbernem Kostüm und einem Mülleimer als Helm regelmäßig gegen prominente Politiker antritt.

Auf der Plattform X reagierte der Satiriker nach Farages Rücktritt mit den Worten: „Das Spiel ist eröffnet, Nige.“ Dass er die Wahl tatsächlich gewinnen kann, glaubt der Spaßkandidat allerdings nicht, wie er der BBC verriet. Seine Aufgabe sei es, „die Wunder der britischen Demokratie zu feiern und zu verteidigen“, sagte er.

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Im BBC-Radio machte sich Harvey später über die Situation lustig. Auf die Frage, warum die Menschen ihn wählen sollten, antwortete er trocken: „Ich bin nicht Nigel Farage.“

Reform UK spricht von Angst vor Farage

Farages Partei sieht die Entscheidung der anderen Parteien dagegen als Beleg für deren Nervosität. Der innenpolitische Sprecher von Reform UK, Zia Yusuf, bezeichnete den Boykott auf X als „feige und durchsichtig. Das Establishment steht kurz vor dem Zusammenbruch.“

Mit dpa