Wenn 60 Prozent der US-Wähler nicht mehr an das Aufstiegsversprechen des „American Dream” glauben, wenn zwei Drittel die Lebenshaltungskosten für nicht mehr bezahlbar und die Wirtschaftspolitik des Präsidenten für verfehlt halten, darf man von einer Rede an die Nation des amerikanischen Präsidenten einen Fingerzeig erwarten, wie es besser werden soll. Aber das hatte Donald Trump nie im Sinn.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Anstatt seine Landsleute abzuholen, wo ihnen der Schuh drückt, wärmte der 80-Jährige eine gerichtlich dutzendfach widerlegte Räuberpistole auf: dass die Präsidentschaftswahl 2020, die er gegen den Demokraten Joe Biden verlor, manipuliert gewesen und das Wahlsystem hochgradig betrugsanfällig sei.
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Trump tut nur so, als sei es anders gewesen
Bevor man das fahrlässig alarmierende Gerede würdigt, muss man klarstellen: Trump weiß seit sechs Jahren, dass er die Wahl gegen Biden rechtmäßig verloren hat. Er weiß, dass es keine Verschwörung zum Wahlbetrug gab, keine dubiosen Briefwahlstimmen, keine illegalen Stimmabgaben, keine klandestinen Eingriffe in- und ausländischer Akteure von China bis Venezuela in den Maschinenraum der US-Demokratie; definitiv nicht in einer Dimension, die den Ausschlag hätte geben können.

Er tut nur so, als sei es anders gewesen. Seine Mär von der gestohlenen Wahl fußt auf einem toxischen Demokratieverständnis: Die falschen Leute haben falsch gewählt – nämlich die Demokraten. Trumps Rede war die Ouvertüre für die Halbzeitwahlen im Kongress. Jedes Ergebnis, das im November nicht einen Sieg für Trump und die Republikaner ausweist, wird unter Betrugsverdacht gestellt. Amerika steht ein unruhiger Herbst bevor.






