Europa ist der Kontinent, der am stärksten vom Klimawandel betroffen ist. Was das heißt, haben die Hitzewellen der vergangenen Wochen jedermann drastisch vor Augen geführt. Europa ist aber auch ein Kontinent, dem der Wille zum Klimaschutz zunehmend abhandenkommt. In einer Zeit, in der die Industrie darniederliegt, massenhaft Jobs verloren gehen und die Vereinigten Staaten ihrer Verantwortung für die Zukunft des Planeten nicht mehr gerecht werden, stellt sich hier verstärkt die Frage, wie teuer Klimaschutz sein darf und wie weit Selbstbeschränkung gehen kann.

Bis zur Mitte des Jahrhunderts will Europa klimaneutral werden. Dafür muss auch der Stromsektor dekarbonisiert werden.
Bis zur Mitte des Jahrhunderts will Europa klimaneutral werden. Dafür muss auch der Stromsektor dekarbonisiert werden.© dpa | Hendrik Schmidt

Das ist die Kulisse, vor der die jüngsten Vorschläge der Brüsseler EU-Kommission zur Reform des europäischen Emissionshandels zu betrachten sind. Das System für Industrie und Stromerzeugung soll nicht abgeschafft, aber gelockert werden. Es geht darum, kurzfristig die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Wirtschaft zu erhöhen, ohne die Klimaziele aus den Augen zu verlieren. Bis 2040 will die EU ihre Treibhausgas-Emissionen um 90 Prozent im Vergleich zu 1990 senken, zehn Jahre später soll Europa als erster Kontinent klimaneutral sein.

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Mit ihren Vorschlägen kommt die EU-Kommission der europäischen Industrie und fossilen Staaten wie Deutschland und Polen weit entgegen. Das ist allerdings erst der Auftakt für einen langwierigen Gesetzgebungsprozess. Allen, die sich darin für weniger oder gar keinen Klimaschutz starkmachen, sei in Erinnerung gerufen: Es wird auch eine Zeit nach euch geben. Die Weichen dafür, ob künftige Generationen in Freiheit und in einer lebenswerten Umwelt leben können, werden jetzt gestellt.