Die gute Nachricht: Die EU hat nach dem Ansturm von bis zu 70.000 Menschen auf die spanische Exklave Ceuta zügig reagiert. Die Innenminister sandten ein Signal der Geschlossenheit und der Solidarität mit Spanien aus. Das war bitter nötig, da Europa nach dem Ceuta-Schock zunächst in Panikstimmung verfallen war. Aber Bekenntnisse allein reichen nicht – halbherzige Maßnahmen auch nicht.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Es ist zwar richtig, wenn die EU-Länder ihre Frühwarnsysteme verbessern wollen. So sollen etwa soziale Medien früher ausgewertet und schnell kommuniziert werden. Der spontane Massenexodus von Marokko nach Ceuta war offenbar eine Blitzaktion auf Tiktok und anderen Plattformen, in der das Gerücht von offenen Grenzen verbreitet wurde.

Auch interessant

Kommentarfoto Michael Backfisch
Michael Backfisch, freier Autor für internationale Politik.© Reto Klar | Reto Klar

Europa muss den Grenzschutz neu definieren. Von Brüssel sollte die klare Botschaft ausgehen, dass Europa kein Schlaraffenland ist, das seine Tore für unbegrenzte Einwanderung öffnet. Der Kontinent kann nicht korrigieren, wenn Menschen in Ländern wie Marokko, Sudan oder Nigeria unter fehlenden wirtschaftlichen Perspektiven und Korruption leiden. Es würde die Sozialsysteme überlasten und den Rechtspopulisten ein unvorstellbares Konjunkturprogramm bescheren.

Die Politik muss die Gesellschaft schützen. Spanien wird nicht darum herumkommen, den Grenzschutz in seinen Exklaven Ceuta und Melilla auszubauen. Darüber hinaus sollten Kräfte von Frontex, der EU-Agentur für Grenz- und Küstenwache, die Gewässer vor Marokko verstärkt kontrollieren. Das erfordert mehr Geld und Personal für eine wichtige Gemeinschaftsaufgabe. Wird dies nicht angepackt, war Ceuta nur ein Vorbote der nächsten Krise.