Die Hoffnungen auf einen baldigen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg waren offenbar vergebens. Russlands Präsident Putin will die nächsten Monate lieber nutzen, um mit verschärftem Raketenterror gegen zivile Ziele den Druck auf die Ukraine zu erhöhen. Wenn die ukrainische Armee – wie jetzt absehbar – die Lücke in der Raketenabwehr nicht schließen kann, stehen dem Land schwere Monate bevor.

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Und Europa? Ist alarmiert, aber doch eher ratlos. Es hilft nichts, mit dem Finger auf die USA zu zeigen, die im Iran-Krieg den Großteil ihrer kostbaren Patriot-Abwehrraketen verschossen haben – genau die Waffen, die jetzt in der Ukraine fehlen.

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Christian Kerl, Korrespondent© ZRB | ZRB

Europa ist selbst schuld: Die Probleme waren seit Beginn des Krieges absehbar – aber die Europäer haben es versäumt, rechtzeitig mit der Produktion von Abwehrwaffen in ausreichender Menge zu beginnen. Erst jetzt wird in größerem Maßstab investiert, die Lücken werden erst in drei, vier Jahren gefüllt sein. Zu spät.

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Umso mehr gilt es für Europa nun, in einem Kraftakt die Ukraine durch den Winter zu bringen: mit Abwehrraketen, so sie noch in Beständen schlummern, mit weiterer Militärhilfe und mit ziviler Technik, um die kalten Monate zu überstehen. Genauso wichtig sind neue Sanktionen, um den ökonomischen Druck auf Putin endlich spürbar zu erhöhen. In Kiew zeigten europäische Regierungschefs guten Willen, entscheidend sind aber Taten.

Putins Kalkül ist es, den Widerstandswillen der Ukraine zu brechen, damit sie einem Waffenstillstand zu seinen unzumutbaren Bedingungen zustimmt. Damit aber gäbe es weder stabilen Frieden für die Ukraine noch Sicherheit für Europa.