Es gibt eine Reihe von Ländern und Völkern in Europa, die nichts lieber möchten, als so schnell wie möglich Mitglied der Europäischen Union zu werden. Zumindest nach außen ist die Strahlkraft der Gemeinschaft ungebrochen. Bis nach Island reicht sie aber nur bedingt, wie seit diesem Sonntag feststeht: In einem Referendum haben die Wähler mehrheitlich dagegen gestimmt, die 2015 abgebrochenen Beitrittsverhandlungen mit der EU wieder aufzunehmen. Die Atlantik-Insel mit ihren rund 400.000 Einwohnern bleibt Teil des Binnenmarkts und des Schengen-Raums. Aber auf den Weg einer vollwertigen Club-Mitgliedschaft wird sich Island nicht machen.
Nato-Partner Island: In Europa gibt es ganz andere Kaliber
Aus Brüsseler Sicht ist das Votum bedauerlich, aber zu verkraften. Eine strategische Niederlage stellt es jedenfalls nicht dar – was ganz anders wäre, wenn Schlüsselstaaten wie Serbien oder die Ukraine Europa plötzlich die kalte Schulter zeigen würden. Island ist klein, Nato-Mitglied und ohnehin eng an die EU gebunden. Es ist vollkommen klar, auf welcher Seite das Land steht.

Gleichwohl wäre ein „Ja“ für die EU hochwillkommen gewesen. Zunächst einmal als Signal an den irrlichternden US-Präsidenten Donald Trump, dass zwar niemand in seiner Nachbarschaft 51. Bundesstaat der Vereinigten Staaten werden will, die Europäische Union aber wieder auf Expansionskurs geht.
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Und darüber hinaus als Joker in der Auseinandersetzung um die geplante Erweiterung auf dem westlichen Balkan: Ein EU-Beitritt von Ländern wie Montenegro oder Albanien ließe sich in den bisherigen Mitgliedstaaten leichter durchsetzen, wenn auch noch das reiche Island im Paket wäre.



