Zuerst saßen Donald und Melania Trump noch nebeneinander. Dann wurde geredet, kurz, mit einer freudlosen Mimik, die ohne Tonspur alles oder nichts bedeuten kann. Schließlich stand die First Lady auf und ging. Kurz darauf kam Natalie Harp ins Bild, Trumps 35‑jährige persönliche Assistentin. Seit dieser kleinen Szene beim jüngsten „Freedom-250-IndyCar-Rennen” in Washington wird eine Frage gestellt, für die es bislang keine belastbare Antwort gibt: Hat Donald Trumps erstaunliche Nähe zu Harp inzwischen auch seine Ehe erreicht?

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Das Video selbst beweist wenig. Ein Lippenleser will einen gereizten Wortwechsel erkannt haben, im Internet wurde Melanias Aufstehen zum Fluchtreflex wegen Harp gedeutet. Auffällig ist immerhin: In Fernsehbildern war Harp hinter dem Präsidentenpaar zu sehen. In mehreren vom Weißen Haus verbreiteten Videos wurde dagegen so eng geschnitten, dass sie fast verschwand.
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Das lässt sich natürlich als Versuch, eine heikle Optik zu entschärfen, lesen. Denn Harp ist längst keine gewöhnliche Assistentin mehr. Sie arbeitet im Oval Office, sitzt regelmäßig im Präsidentenhubschrauber Marine One und in der Potus-Boeing Air Force One. Sie tauscht sich nach Recherchen der „New York Times“ im Namen Trumps via Smartphone mit hochrangigen Gesprächspartnern aus und bleibt häufig bis spät in die Nacht bei ihm. Sie reicht ihm Artikel, Nachrichten und Vorschläge für Truth Social. Ihre Funktion ähnelt einer persönlichen Informationsschleuse außerhalb der üblichen Hierarchien.
Harp schrieb intensive Briefe an Trump
Trump selbst hat dieser Arbeitsbeziehung eine eigentümlich private Note gegeben. Mitarbeitern sagte er nach Informationen der Journalisten Maggie Haberman und Jonathan Swan, Harp sei die Einzige, die ihn so sehr liebe wie seine Frau und seine Kinder. Andere würden irgendwann gehen und Geld verdienen. Harp dagegen werde ihn „nie verlassen“.
Harp wiederum schrieb ihm 2023 Briefe von großer Intensität: „Du bist alles, was mir wichtig ist“, hieß es in einem. In einem anderen nannte sie Trump ihren „Beschützer und Hüter in diesem Leben“. Für eine Affäre gibt es keinen Beleg. Wohl aber für eine Nähe, die selbst Menschen in Trumps Umgebung befremdet hat.
Dazu gehört eine Episode aus Alex Isenstadts Buch „Revenge“. Melania habe Harp spätabends in den privaten Räumen ihres Mannes in Mar-a-Lago angetroffen, einem Bereich, der gewöhnlich der Familie vorbehalten war. Harp habe noch Unterlagen bringen wollen. Isenstadts Diagnose: Harp habe es mit Grenzen „nicht besonders gut“ gehabt.
Der Autor Michael Wolff behauptet zudem, Melania habe im Wahlkampf Auftritte mit ihrem Mann verweigert, wenn Harp dabei gewesen sei. Das wäre der stärkste Hinweis auf einen tatsächlichen Konflikt zwischen beiden Frauen. Nur: Wolffs Darstellung ist nicht unabhängig bestätigt.
Die Distanz zwischen Donald und Melania Trump ist nicht neu
Handfester ist Harps Macht im Regierungsalltag. Sie arbeitete nach Recherchen des Senders MS NOW lange ohne abgeschlossenen üblichen Sicherheitsfreigabeprozess; inzwischen, sagt Sprecherin Karoline Leavitt, habe sie „wie alle anderen eine Sicherheitsfreigabe“. Das „Wall Street Journal“ berichtete zudem, Harp lege Trump vorbereitete Truth-Social-Beiträge zur Genehmigung vor und veröffentliche einen Teil selbst. Auf seine Anweisung stellte sie demnach auch jenes rassistische Video online, das Barack und Michelle Obama als Affen zeigte. Was bedeutet all das für Melania Trump?

„New York Times“-Kennerin Haberman warnt vor Übertreibung. CNN konfrontierte sie mit der Aussage eines gut vernetzten Republikaners, Melania sei wegen Harp verärgert. Ihre Antwort: „Ich habe dazu keine eigenen Recherchen. Ich weiß nicht, ob sie verärgert ist oder nicht.“ Möglich sei, dass die massive öffentliche Aufmerksamkeit die Beteiligten belaste.
Denn die Distanz zwischen Donald und Melania Trump ist älter als Natalie Harps Aufstieg. Die First Lady führt ihr Amt ausgesprochen selektiv. Vor ihrem Auftritt am 20. August war sie mehr als einen Monat öffentlich nicht zu sehen gewesen. Ihre Rückkehr kommentierte sie selbstironisch: „Ich habe gehört, Sie haben mich vermisst. Hier bin ich.“ Drei Tage später saß sie beim Autorennen neben ihrem Mann. Für eine bevorstehende Scheidung oder neue Verhandlungen über den Ehevertrag gibt es weiterhin keine belastbaren Belege.
Melania sucht Distanz, Harp Nähe
Interessanter ist der Kontrast. Melania organisiert ihr Leben seit Jahren mit beträchtlicher Distanz zu Donald Trumps politischem Dauerbetrieb. Harp organisiert ihres durch maximale Anwesenheit. Die eine schützt einen privaten Raum neben dem Präsidenten. Die andere scheint kaum einen solchen Raum zu kennen: Sie reist mit ihm, sitzt nebenan, bleibt bis spät, druckt, tippt, wartet, kommt wieder. Immer wieder.
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Ob und wie Natalie Harp diese Ehe belastet, weiß niemand. Vielleicht ist die Frage falsch gestellt. Eine Ehe, die seit Jahren erstaunlich viel Distanz aushält, muss nicht an einer Assistentin zerbrechen. Harp macht allerdings etwas sichtbar: Während Melania sich das Recht erkämpft hat, nicht ständig an Donald Trumps Seite sein zu müssen, hat Natalie Harp ihr Leben darauf ausgerichtet, genau dort nahezu immer zu sein.
Beim Autorennen saßen diese beiden höchst unterschiedlichen Beziehungen zu Donald Trump für einige Minuten im selben Bild. Das Weiße Haus konnte Natalie Harp daraus herausschneiden. Aus Trumps Alltag offensichtlich nicht.








