Guten Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren! Liebe Melanie Amann, lieber Jörg Quoos, vielen Dank für Ihre begrüßenden Worte. Ich heiße Sie auch im Namen meiner Geschwister Nora Marx und Niklas Wilcke hier in diesem wunderbaren Hotel Das Stue Berlin sehr herzlich willkommen.

Montag, Mittwoch, Freitag
Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Wie viele von Ihnen wissen, hieß dieser spätsommerliche Empfang von FUNKE jahrelang „Medien-Q“. Er war eine Erfindung des wunderbaren Chefredakteurs unserer Zentralredaktion, Jörg Quoos, und als Hauptstadtformat nach dem Motto „Politik trifft Zentralredaktion“ gedacht. Der Name „Medien-Q“ war übrigens an unser damaliges Gebäude, das Quartier 205 an der Friedrichstraße, angelehnt. Die Zentralredaktion, die seit nunmehr elf Jahren von Berlin aus all unsere Regionalmedien hervorragend mit überregionalen Inhalten versorgt, ist selbstverständlich nicht Geschichte. Die Veranstaltung „Medien-Q“ allerdings wird es in dieser Form nicht mehr geben.
Warum? Das wurde vorhin bereits angesprochen: Zum zehnjährigen Jubiläum unserer Zentralredaktion haben wir uns selbst ein Geschenk gemacht, indem wir Melanie Amann an Bord geholt haben. Und ich genieße und feiere dieses Geschenk jeden einzelnen Tag. Auch 2026 wollen wir für FUNKE ein neues Kapitel in der Hauptstadt aufschlagen. Die FUNKE Media Night ist nun ein Berliner Salon – mit einer vollkommen neuen, sorgfältig kuratierten Gästeliste und mit wunderbaren, ganz unterschiedlichen Menschen aus Berlin und der Gesellschaft. Vor allem sind heute auch alle führenden Köpfe von FUNKE dabei: von den Chefreporterinnen und Chefreportern über die Chefredakteurinnen und Chefredakteure bis hin zur Konzerngeschäftsführung und zu den Aufsichtsräten. Sie alle werden heute Abend zu Markenbotschaftern, Kommunikatoren und auch zu Gastgebern. Der Hashtag #WirSindFUNKE bekommt damit sein eigenes Format. Denn wir sind tatsächlich viele Gesichter, viele Geschichten und vor allem sehr viele Perspektiven. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen einen wunderbaren, interessanten und inspirierenden Abend.
Apropos wunderbare Gesichter: Zuallererst möchte ich mich bei Christina Gassner und ihrem Team sehr herzlich für die besonders schöne und wieder einmal so gelungene Organisation des heutigen Abends hier im Hotel Das Stue bedanken.
Apropos Perspektiven: Die vergangenen Wochen und Tage haben uns einmal mehr vor Augen geführt, wie sehr sich unser Land gerade verändert. Eine Partei, deren Landesverband vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird, ist in Sachsen-Anhalt mit großem Abstand stärkste Kraft geworden. Vor wenigen Tagen haben wir zudem enorme Zugewinne extremistischer Parteien in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin erlebt. Manuela Schwesig, mit der ich durch unsere gemeinsame Arbeit im Kuratorium von yeswecan!cer persönlich eng verbunden bin, hat eine unglaubliche Aufholjagd hingelegt. Ich hätte sehr gehofft, sie heute Abend hier begrüßen zu können. Denn ich glaube, der Applaus aller Demokratinnen und Demokraten – unabhängig von ihrer Partei – hätte heute Abend ihr gehört. Wir können über diese Entwicklung erschrecken, und ich bin tatsächlich sehr erschrocken. Vor allem aber bin ich entsetzt darüber, dass hier in Berlin die ungenierte öffentliche Unterstützung und Haltung der Linkspartei in einer Weise Einzug gehalten hat, die uns alle, so glaube ich, getroffen hat. Ich persönlich wünsche mir als Demokratin inständig, dass es hier in Berlin nicht zu einer solchen Regierungsbildung kommt.
Doch Erschrecken ist keine Strategie, und Empörung ist keine Antwort. Uns alle treiben gerade viele Fragen um: Was geschieht in unserem Land? Warum wenden sich so viele Menschen von den Parteien der Mitte ab? Warum verlieren sie so massiv das Vertrauen in Institutionen und eben auch in uns Medien und, ja, in unsere freiheitliche Demokratie? Und vor allem: Was können wir jetzt tun, um dieses Vertrauen zurückzugewinnen? Ich glaube, wir müssen eine wichtige Grundlage unserer Demokratie neu verhandeln: unsere gemeinsame Wirklichkeit. Demokratie braucht einen Raum, in dem wir uns darauf verständigen können, was tatsächlich passiert ist. Wir können unterschiedlicher Meinung darüber sein, wie ein Problem zu lösen ist. Aber wir brauchen eine gemeinsame Grundlage aus Fakten, auf der wir darüber streiten können. Genau diese Grundlage zerfällt.
Auch interessant
Deshalb ist unabhängiger, professioneller Journalismus wichtiger denn je. Was ist wahr? Was ist falsch? Was ist wichtig – und was ist einfach nur laut? Das klingt banal. Doch in einer Welt, in der jede und jeder jederzeit alles behaupten kann, ist diese Unterscheidung zu einer der zentralen Aufgaben unserer Demokratie geworden. Hannah Arendt hat einmal gesagt: „Ein Volk, das nicht mehr zwischen Wahrheit und Lüge unterscheiden kann, kann auch nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden. Und mit einem solchen Volk kann man machen, was man will.“ Gerade für diese Unterscheidung zwischen Wahrheit und Lüge – oder, um die aktuelle Debatte und die dramatischen Risiken künstlicher Intelligenz aufzugreifen, zwischen echt und KI-generiert – brauchen wir starken Journalismus.
Ganz egal, ob gedruckt oder digital: Journalistinnen und Journalisten gehen Hinweisen nach. Sie prüfen Quellen, vergleichen Zahlen und sprechen vor allem mit Menschen, die unterschiedlicher Meinung sind. Das ist manchmal langsam und nicht immer spektakulär. Es bedient auch nicht jeden Algorithmus. Aber es schafft etwas, das für eine Demokratie unverzichtbar ist: Glaubwürdigkeit. Ich bin überzeugt, dass sich Ideologen und Populisten genau deshalb von Journalistinnen und Journalisten bedroht fühlen. Denn guter Journalismus entlarvt ihre Verdrehung der Realität und konfrontiert sie mit unbequemen Wahrheiten.
Die Konsequenzen erleben wir bei FUNKE rund um die Uhr. Unsere Redakteurinnen und Redakteure werden beschimpft, beleidigt und bedroht. Schauen Sie sich nur die Kommentarspalten unter den Leitartikeln von Melanie Amann oder unter den veröffentlichten Folgen ihres wichtigen Podcasts „Amann unframed“ an – dann wissen Sie, wovon ich spreche. Der Weg zum tätlichen Angriff ist dann nicht mehr weit. Einige unserer Kolleginnen und Kollegen, vor allem in Thüringen, erleben das jeden Tag. Wenn Sie verfolgt haben, wie manche Streamer bei den Auftritten des sachsen-anhaltischen AfD-Spitzenkandidaten filmten und dabei insbesondere Journalistinnen bedrohten – denken Sie etwa an Ann-Katrin Müller vom SPIEGEL –, dann wissen Sie, was ich meine.
Auch dafür danke ich Manuela Schwesig: für ihre klare Haltung als „Frau gegen Blau“ und für ihre Positionierung gegen den Sexismus und die Frauenfeindlichkeit der AfD. Denn im Umfeld der AfD ist eine Stimmung entstanden, in der jeder Ausfall gegenüber Journalistinnen und Journalisten möglich erscheint. Lassen Sie mich deshalb, wie jedes Jahr, ganz klar sagen: Wer Journalistinnen und Journalisten bedroht, beschimpft oder tätlich angreift, greift nicht nur einzelne Menschen an. Er greift die Pressefreiheit an – und damit unsere Demokratie. Ebenso klar ist: Es darf keine Rolle spielen, aus welcher politischen Richtung die Gewalt kommt und gegen welches Medium sie sich richtet. Pressefreiheit ist nicht teilbar. Pressefreiheit ist nicht verhandelbar. Punkt.
FUNKE Media Night: Das sind die besten Bilder des Abends
Deshalb ist es mir ein echtes Herzensanliegen, allen Journalistinnen und Journalisten von FUNKE – und selbstverständlich auch denen aller anderen Medien – meinen großen Dank auszusprechen. Das gilt vor allem für diejenigen, die mit einer Kamera gut sichtbar in AfD-Veranstaltungen und linksextremistische Demonstrationen hineingehen, leicht erkannt werden und damit besonders leicht zum Opfer werden. Danke, dass Sie die aufgeheizte Stimmung in unserem Land aushalten. Danke, dass Sie sich nicht provozieren lassen, sondern professionell weiterarbeiten und das tun, was Ihre Aufgabe ist: recherchieren und allein der Wahrheit verpflichtet berichten. Das verdient unser aller Respekt.
Gerade weil sie sich mit dieser Haltung jeden Tag für den Diskurs in unserer Demokratie einsetzen, dürfen wir nicht länger zulassen, dass geschützte journalistische Inhalte ohne Einwilligung und ohne Vergütung für kommerzielle KI-Wertschöpfung genutzt werden. Eines erscheint mir jetzt besonders wichtig – und damit komme ich zu meinem ersten Appell des heutigen Abends: Wir müssen realisieren, dass wir keine Zeit mehr zu verlieren haben. Es ist nicht das bekannte fünf vor zwölf. Es ist viertel nach zwei oder halb vier. Wir müssen endlich die Macht der großen amerikanischen und chinesischen Plattformen eindämmen. Leider ist Wolfram Weimer heute nicht persönlich hier, sodass ich ihm nicht erneut sagen kann, was er von mir längst kennt und schon oft gehört hat:
Kreativität massenhaft einzulesen, ihren Ursprung unsichtbar zu machen und ihren wirtschaftlichen Wert anschließend bei einer Handvoll Tech-Konzerne zu konzentrieren, ist kein nachhaltiger Fortschritt. Es ist eine systematische und unfaire Umverteilung – von den schöpferisch Tätigen hin zu KI-Maschinen. Wir brauchen endlich eine Ordnung, in der KI-Anbieter nachweisen müssen, woher ihre Trainingsinhalte stammen und welche Rechte daran bestehen. Wir brauchen Vergütungs- und Lizenzmodelle, die alle Kreativen an den Erlösen beteiligen. Und ganz wichtig: Wir brauchen unabhängige Sicherheitsprüfungen für besonders leistungsfähige Modelle, belastbare Verfahren für systemische Risiken und eine internationale Zusammenarbeit. Denn eine Technologie ohne Grenzen lässt sich nicht durch nationale Alleingänge sicher machen.
Vor allem aber brauchen wir eine neue Reihenfolge: erst Verantwortung, dann Skalierung. Erst Sicherheit – dann Geschwindigkeit. Erst Rechte, dann Erlöse. Erst der Mensch, dann die Maschine. Lieber Herr Weimer, auch wenn Sie heute nicht hier sind: Sie wissen, was auf dem Spiel steht. Sie sind Kulturstaatsminister in einer Zeit, in der Kultur, Medien, Technologiepolitik und die Frage nach der menschlichen Zukunft ineinandergreifen. Nutzen Sie diese Verantwortung – und vor allem das möglicherweise nur noch sehr kleine Zeitfenster. Sorgen Sie dafür, dass Deutschland und Europa nicht nur fragen, was KI alles kann, sondern festlegen, was KI alles darf. Setzen Sie sich bitte dafür ein, dass wir niemals aus wirtschaftlicher Ungeduld eine Technologie freisetzen, deren Risiken wir nicht beherrschen. Denn Fortschritt bedeutet für mich, dass der Mensch mächtig genug bleibt, der Technik Grenzen zu setzen.
Erlauben Sie mir noch eine Bemerkung zur allgemeinen aktuellen Lage – und damit einen zweiten Appell, den ich heute Abend formulieren möchte. Ich glaube, wir haben in den vergangenen Jahren einen riesigen Fehler gemacht: Wir reden unglaublich viel darüber, was in Deutschland alles nicht funktioniert. Journalistische Medienunternehmen wie unseres wissen sehr genau, was alles nicht funktioniert: Bahn, Bürokratie, Schulen, Digitalisierung, Bundeskanzler und vieles mehr. Manchmal könnte man morgens das iPad oder die Zeitung aufschlagen und denken, unser Land sei bereits verloren. Aber das ist es nicht. Dafür möchte ich Ihnen einige Gründe nennen.
Wir können unsere Regierung kritisieren. Wir können demonstrieren. Wir können glauben, was wir wollen, und lieben, wen wir wollen. Wir können Unternehmen gründen. Und wir haben in unserem Land einen Wohlstand, wie ihn – so der Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk – nur fünf Prozent der Weltbevölkerung in vergleichbarer Weise genießen können. Wir haben Gerichte, die unabhängig entscheiden. Wir haben freie Wahlen. Und wir haben Medien, die jeden Tag den Bundeskanzler, die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten und auch die Verlegerinnen und Verleger scharf kritisieren können und müssen. All das ist wirklich nicht selbstverständlich. Ich denke, wir haben viel zu lange so getan, als ob es das wäre.
An dieser Stelle hätte ich mich auch sehr gern persönlich bei Michel Friedman bedankt. Er hat gerade in den vergangenen Wochen den Wert der deutschen Freiheit auf vielen Veranstaltungen eindringlich beschrieben und verteidigt. Die „ewigen Nörglerinnen und Nörgler“, wie er sie nennt, nutzen in unserem Land eine Meinungsfreiheit, die in Moskau, Peking oder Teheran mindestens mit Gefängnis bestraft würde. Unsere deutsche Freiheit zeigt sich eben nicht darin, dass alles super gut funktioniert. Sie zeigt sich darin, dass Bürgerinnen und Bürger laut, dauerhaft, anstrengend und scharf kritisieren dürfen, ohne dafür bestraft zu werden.
Genau das sieht unser Grundgesetz vor. Das heißt also: Wer gern kritisiert, müsste deshalb ein ganz praktisches Interesse daran haben, jene demokratische Ordnung zu verteidigen, die diese Kritik überhaupt erst ermöglicht. Ich teile Michel Friedmans Plädoyer für eine aktive, streitbare Demokratie. Denn ihr unverhandelbarer Ausgangspunkt ist die Würde des Menschen. „Jeder ist jemand“, sagt er. Wenn Menschen sich von unserer Demokratie entfernen, sollten wir nicht reflexhaft auf sie herabschauen. Wir müssen versuchen zu verstehen, was dahinterliegt. Verstehen heißt nicht zustimmen. Aber Demokratien funktionieren nicht, wenn Millionen Menschen den Eindruck haben: „Die da oben hören mir sowieso nicht mehr zu.“
Das gilt insbesondere für den Osten unseres Landes. Viele Menschen dort haben in ihrem Leben Veränderungen bewältigt, die sich Menschen in anderen Teilen Deutschlands gar nicht vorstellen können. Sie haben ein politisches System verschwinden sehen, Arbeitsplätze verloren, neue Berufe erlernt, Betriebe aufgebaut und vor allem ihre Familien durch enorme Umbrüche getragen. Aus der Psychologie wissen wir, dass von solchen Umbrüchen auch nachfolgende Generationen geprägt sind. Ich bin überzeugt, dass wir diese Lebensleistungen im gesamtdeutschen Gespräch – auch in unseren Medien – nicht ausreichend gewürdigt haben. Wir alle sollten unser Verhalten überdenken. Nicht, indem wir Probleme schönreden oder extremistische Positionen relativieren – darum geht es mir nicht. Sondern indem wir Menschen mit Respekt begegnen, fragen, bevor wir urteilen, zuhören, bevor wir ausführlich erklären, und Lebensleistungen anerkennen.
Jeder ist jemand. Das ist keine freundliche Floskel, sondern eine Grenze: Wo Menschen zu Menschen zweiter Klasse gemacht, pauschal verächtlich gemacht oder aus dem demokratischen Wir herausdefiniert werden, genau da muss eine freie, demokratische Gesellschaft widersprechen. Meine Damen und Herren, Politik und Medien haben unterschiedliche Aufgaben – und das muss so bleiben. Journalistinnen und Journalisten sind keine Unterstützer der Politik. Und Politik darf ihnen niemals vorschreiben, was und wie sie zu berichten haben. Das gilt auch für den Osten unseres Landes. Aber wir teilen etwas: eine riesengroße Verantwortung für den demokratischen Raum, in dem wir miteinander leben.
Diesen Raum, von dem ich eingangs gesprochen habe, müssen wir verteidigen – vor allem gegen die systematische Zerstörung von Vertrauen. Wie das gelingen kann? Ich glaube, wir müssen wieder viel häufiger sagen, wofür wir sind. Und wir müssen für eine Gesellschaft kämpfen, die davon überzeugt ist, dass die Zukunft besser sein kann als die Gegenwart, in der wir leben. Damit komme ich zum Schluss zu einem Wort – oder vielmehr zu einer Haltung –, die meinem Gefühl nach ziemlich aus der Mode gekommen ist: zum Optimismus.
Der Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer schrieb in einer sehr viel dunkleren Zeit, zum Jahreswechsel 1942/43: „Optimismus ist in seinem Wesen keine Ansicht über die gegenwärtige Situation, sondern er ist eine Lebenskraft, eine Kraft der Hoffnung, wo andere resignieren, eine Kraft, den Kopf hochzuhalten, wenn alles fehlzuschlagen scheint, eine Kraft, Rückschläge zu ertragen, eine Kraft, die die Zukunft niemals dem Gegner lässt, sondern sie für sich in Anspruch nimmt.“ Diesen Gedanken halte ich für unglaublich aktuell.
Das gilt auch und vor allem mit Blick auf Dietrich Bonhoeffers Großneffen, Dr. Tobias Korenke. Am Abend des 20. Juli dieses Jahres war er auf fast allen Fernseh- und Streamingkanälen des Landes zu sehen, als er bei der Gedenkfeier im Berliner Bendlerblock versuchte, einen Kranz der AfD-Bundestagsfraktion zu entfernen. Seine Begründung später: Er halte die Präsenz dieses Kranzes an einem Ort, an dem Menschen geehrt werden, die für Rechtsstaat und Menschenwürde ihr Leben verloren haben, für unvereinbar mit dem Sinn des Gedenkens. Die Demokratie in Deutschland braucht Menschen wie Tobias Korenke: Menschen, die sich verantwortlich fühlen, nicht wegschauen und nicht erst handeln, wenn sie eine Mehrheit für ihr Tun haben, sondern bereits dann aktiv werden, wenn ihr Gewissen ihnen sagt: Du musst jetzt widersprechen. „Jeder ist jemand“ – das passt auch hier unglaublich gut.
Tobias Korenke begleitet mich seit meinem ersten Tag als Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende unseres Unternehmens. Er hat mich alles gelehrt, was es braucht, um die eigene Stimme zu erheben – als Verantwortliche für unser großes Unternehmen, aber erst recht als Frau mit viel Verantwortung in Deutschland. Er hat mir vermittelt, dass es nicht die Aufgabe von Medien ist, Menschen vorzuschreiben, was sie denken sollen. Unsere Aufgabe ist es, Wirklichkeit sichtbar zu machen, Macht zu kontrollieren, Widersprüche auszuhalten und den viel zitierten Raum für Fakten und Streit offenzuhalten. Ich denke, es ist in seinem Sinne, wenn ich das heute sage. Denn Tobias Korenke ist einer Einladung der Jüdischen Gemeinde in München gefolgt – was ich unglaublich wichtig finde.
Deshalb richte ich meinen letzten Appell an uns alle: Hören wir auf, Freiheit mit Selbstverständlichkeit zu verwechseln. Nörgeln wir weiter – ausdauernd, intensiv und anstrengend. Aber vergessen wir nie, dass genau diese Freiheit uns verpflichtet, sie auch für den Menschen neben uns zu verteidigen. Optimismus bedeutet nicht, die Realität zu ignorieren. Optimismus bedeutet, sie zu sehen und dennoch davon überzeugt zu sein, dass wir sie verändern können. Unsere Demokratie in Deutschland braucht genau diesen Optimismus.
Ich danke Ihnen.
























