Ein Skandal erschüttert Deutschlands Auslandsgeheimdienst: Der ehemalige Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND), August Hanning, wurde am Dienstagmorgen in Steinfurt verhaftet. Wie der Generalbundesanwalt (GBA) bekannt gab, wird gegen Hanning wegen mutmaßlicher landesverräterischer Ausspähung, des Auskundschaftens von Staatsgeheimnissen, versuchten Landesverrats sowie Spionage ermittelt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Ex-Geheimdienstchef ließ offenbar seine eigene frühere Behörde ausspionieren: Der GBA vermutet, dass Hanning noch Jahre nach seinem Ausscheiden einen Ex-Mitarbeiter dafür bezahlte, dass dieser ihm geheime Informationen aus der BND-Zentrale weitergibt. Bei dem Mitarbeiter soll es sich um Hannings ehemaligen Büroleiter, Manfred D., handeln, der noch bis zu seiner Pensionierung im März 2026 in der Leitungsebene des BND arbeitete. D. wurde am Dienstag in Bad Tölz-Wolfratshausen ebenfalls verhaftet. Zeitgleich fanden Durchsuchungen in Berlin statt. Manfred D. wird Beihilfe zum versuchten Landesverrat und zur landesverräterischen Ausspähung vorgeworfen.
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Mitarbeiter lieferte Hanning offenbar Geheiminformationen
„Vermutlich im Frühjahr 2010 vereinbarten die Beschuldigten miteinander, dass Manfred D. dem Beschuldigten Hanning gegen Entgelt fortlaufend wertvolle Erkenntnisse des Bundesnachrichtendienstes besorgen sollte“, schreiben die Ermittler. Manfred D. war bis zuletzt als Büroleiter BND-Präsidenten tätig. Die Vorwürfe des GBA betreffen aber nur die Phase bis Juni 2022. Bis dahin gab D. offenbar Informationen weiter, die etwa für die Nachrichtendienst-Lage bestimmt waren, eine regelmäßige Zusammenkunft von Spitzenbeamten der Sicherheitsbehörden im Kanzleramt. Annähernd 2000 Dokumente soll D. an Hanning verkauft haben, viele davon waren als Verschlusssache eingestuft.
Hanning wiederum soll die Kenntnisse aus den Dokumenten für die Sicherheitsfirma genutzt haben, die er nach seinem Ausstieg aus dem Staatsdienst gegründet hatte. Zudem soll Hanning in einem Fall eine Analyse für einen ausländischen Nachrichtendienst ausgearbeitet haben – für welchen, das ist unklar. Es soll sich nach Informationen unserer Redaktion nicht um Russland handeln. Ob die Analyse den mutmaßlichen Kunden erreichte, ist laut GBA nicht bekannt.
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Zudem stand Hanning laut GBA in einem „intensiven Austausch“ mit einem Angehörigen eines weiteren staatlichen Nachrichtendienstes. Diesen soll er über mehrere Jahre mit politischen Informationen versorgt haben, darunter auch Material von Manfred D..
Hanning geriet während des Gerichtsprozesses ins Visier der Ermittler
Die Ermittlungen gegen Hanning laufen seit Monaten. Ins Visier der Ermittler war der Ex-BND-Chef wegen eines anderen Falls geraten: Im September 2025 durchsuchten Beamte des LKA sein Zuhause im Zuge der Ermittlungen rund um den Block-Prozess. Damals stand der Verdacht im Raum, dass eine mit Hanning verbundene private Sicherheitsfirma an der Entführung der Kinder von Steakhaus-Erbin Christina Block beteiligt gewesen sei.
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Bei der Razzia stießen Ermittler offenbar auf geheime BND-Dokumente. Das brachte die weiteren Ermittlungen ins Rollen. Seit Mai 2026 liegt das Verfahren beim Generalbundesanwalt. Für alle Verdächtigen gilt die Unschuldsvermutung.
Hanning war von Dezember 1998 bis Ende November 2005 Präsident des Bundesnachrichtendienstes. Sein Büroleiter Manfred D. folgte Hanning als abgeordneter Assistent auch in dessen Zeit als Staatssekretär ins Bundesinnenministerium zwischen Dezember 2005 und November 2009. In seiner späteren Zeit als Büroleiter diverser BND-Präsidenten habe Manfred D. dann in besonderem Maße Zugriff auf geheimhaltungsbedürftige Informationen gehabt, so der BND.
Für den Bundesnachrichtendienst und das politische Berlin ist die Nachricht über Hannings Festnahme und den Spionage-Skandal ein Schock. Eigentlich hatte der seit September 2025 amtierende Präsident Martin Jäger, ein gelernter Diplomat, sich bemüht, den BND neu aufzustellen. Schlagkräftig, modern und für alle Bedrohungen durch ausländische Spionage oder Terrorismus sollte der BND gewappnet sein. „Für den BND und mich gibt es bei der internen Sicherheit keine Kompromisse“, teilte Jäger am Dienstag mit. „Keines meiner Ziele, keine meiner Prioritäten werden durch diesen Vorgang in Frage gestellt.“
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Doch wird Jäger nun Vertrauen wiederherstellen müssen, und verhindern müssen, dass der Skandal hausintern keine Atmosphäre von Misstrauen und Verunsicherung schafft.
Parlamentarier kritisieren BND scharf
Der Vorfall könnte politisch zu keinem schlechteren Zeitpunkt für den BND kommen, da derzeit ein Gesetz über stärkere Befugnisse für die Geheimdienste mitten im parlamentarischen Verfahren steckt. Der BND soll mit diesem Regelwerk aufgerüstet werden von einer reinen Informationssammelstelle zu einem operativ einsatzfähigen Geheimdienst mit schärferen Befugnissen. Wenn schwere Bedrohungen bestehen, soll der Dienst künftig etwa zu „Hackbacks“ befugt sein, also zum aktiven Stören oder Ausschalten feindlicher IT-Infrastruktur im Ausland. Auch Drohnensysteme im Ausland sollen gestört oder manipuliert werden dürfen, und die Befugnisse des BND bei der Datenauswertung werden gestärkt.
Entsprechend scharf fielen nun die Reaktionen von Parlamentariern aus: „Wir erwarten sofortige Aufklärung der ungeheuerlichen Vorwürfe“, sagte der Grünen-Sicherheitsexperte Konstantin von Notz unserer Redaktion. „Auch der gegebenenfalls entstandene nachrichtendienstliche Schaden muss ebenso umgehend wie umfassend ab- und aufgeklärt werden.“ Diese Entwicklungen seien „ein Einfallstor für gegnerische Geheimdienste“.
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Der CDU-Politiker Marc Henrichmann, Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums für die Geheimdienste, betonte, der Umgang mit Geheiminformationen sei „eine Frage der nationalen Sicherheit und kein Bagatelldelikt“. Hanning habe die „Werte der deutschen Sicherheitsbehörden verraten“.









