Stippvisite am Berkschen Hexenberg

Mehr als 30 Jahre nach ihrer Abiturprüfung hat gestern Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht ihre alte Schule auf dem Hexenberg in Bad Berka besucht.

Sommertour Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in der Hexenberg-Grundschule Bad Berka

Sommertour Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht in der Hexenberg-Grundschule Bad Berka

Foto: zgt

"Hier oben in der Aula habe ich bei den Abiturarbeiten geschwitzt. Und hier war unser Physikraum." Christine Lieberknecht, Thüringens Ministerpräsidentin, schwelgt in Erinnerungen. Mehr als 30 Jahre ist es her, seit sie in Bad Berka als Schülerin am Hexenberg war, in der Oberstufe der damaligen EOS "Geschwister Scholl". Gestern kehrte sie an diesen Ort zurück, als Ministerpräsidentin des Freistaates. Die heutige Grundschule ist eine der Stationen auf ihrer Sommerreise, die sie durch ganz Thüringen führt.
Erinnerungen werden wach an eine Zeit, als sie in dem Internat oberhalb der Schule in der Woche wohnte, als sie zu Tanzabenden in den Festsaal der Klinik ging, am Mittwoch zum Kinoabend in die Stadt, als sie durch die Wälder rund um die Schule streifte. Eigentlich, so sinniert sie, wäre es mal wieder an der Zeit, ihr altes Tagebuch, das sie damals führte, herauszukramen.
Lieberknecht würde sich an diesem Tag am liebsten noch mehr Zeit nehmen, um die Gegend am Hexenberg zu erkunden. Nur fünf Minuten Fußweg sind es bis zu den früheren Internatsgebäuden und zur damaligen Turnhalle. Die Regierungschefin würde gerne sehen, was von ihnen noch übrig geblieben ist. Vor einigen Jahren, als sie 30-jähriges Abitur feierten, war sie bereits einmal dort oben. Jetzt lockt es sie wieder, wenn da nicht die Termine wären. "Wenn ich mal mehr Zeit habe, komme ich wieder und dann erkunden wir gemeinsam das Terrain", sagt sie der Schulleiterin Martina König.
Dass Lieberknecht, eine Pfarrerstochter, in der DDR an einer EOS Abitur machen konnte, ist nicht gerade alltäglich. Die Regierungschefin erinnert sich, dass ihr der Zugang zunächst verweigert werden sollte. Da sie aber in einigen Fächern, beispielsweise in Mathematik, überragende Leistungen aufweisen konnte und die Schule bei den unterschiedlichsten Schüler-Olympiaden erfolgreich abschneiden wollte, habe man bei ihr eine Ausnahme gemacht.
Die Grundschüler stehen auf der Treppe Spalier, als die Regierungschefin ankommt. "Das ist doch ein Gute-Laune-Wetter", sagt sie den Kindern mit Blick auf den Dauerregen, der einen Empfang auf dem Schulhof verhindert hat. "Könnt Ihr denn schon das A und das U schreiben?", fragt sie die Erstklässler, die erst vor einigen ihre Zuckertüten erhalten hatten. In der Aula haben sich die fast 250 Schülerinnen und Schüler versammelt, singen ihr ein Lied und schenken ihr als Erinnerung eine Zuckertüte mit viel Sü-ßem drin und einen Blumenstrauß mit einer Hexe. "Bitte nicht missverstehen", sagt die Schulleiterin. "Aber wir sind hier eben am Hexenberg."
Es bleibt aber nicht nur beim Austausch von Geschenken. Mit viel Charme und Humor beantwortet Lieberknecht Fragen, die die Schülerinnen und Schüler vorbereitet haben und ihr als "kleine Reporter vom Hexenberg-TV" stellen. Offen angesprochen wird darin, aber auch bei der Begrüßung durch die Schulleiterin die noch immer ungelöste Raumfrage an der Schule mit ihren zwei Standorten. "Wir würden gerne alle miteinander an einer Schule lernen und voneinander lernen", geben sie der Ministerpräsidentin mit auf den Weg. Die kann zwar keine festen Zusagen machen, sichert den Kindern aber zu, "dass es schön ist, wenn man Träume hat". Denn die könnten sich auch erfüllen.
Die sie begleitenden Politiker – unter ihnen CDU-Fraktionschef Mike Mohring, die Bundestagsabgeordneten Johannes Selle (CDU), Steffen Lemme (SPD), Patrick Kurth (FDP), Frank Augsten (Grüne) – nehmen jedenfalls den festen Wunsch von Lehrern, Eltern und Kindern des Hexenberges mit, bald unter einem Dach vereint zu sein. Jetzt ist es ihre Aufgabe, diesen Wunsch umzusetzen.
Christine Lieberknecht jedenfalls hat der Besuch so viel Spaß gemacht, dass man sicher sein kann, es war nicht die letzte Stippvisite an ihrer alten Schule.

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