Einmal im Leben steht jede Frau vor einem natürlichen, aber oft herausfordernden Lebensabschnitt: den Wechseljahren. Diese Phase beginnt meist zwischen Mitte 40 und Anfang 50 und bringt nicht nur körperliche Veränderungen mit sich, sondern betrifft oft auch die emotionale Gesundheit.

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Hitzewallungen, Schlafstörungen oder Stimmungsschwankungen sind nur einige der Begriffe, die viele mit diesem Thema verbinden. Was passiert in den vier Phasen der Wechseljahre, welche typischen Beschwerden gibt es, und wie gehen Frauen am besten damit um? Dr. Jennifer Chan de Avila, die in Berlin als Wechseljahre-Doula und Beraterin bei dem Deutschen Verband für Wechseljahresberatung tätig ist, gibt wertvolle Einblicke und liefert Informationen aus erster Hand.

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Expertin erklärt: Was passiert in den Wechseljahren?

Die Wechseljahre verlaufen nicht kontinuierlich. Vielmehr gibt es mehrere Phasen, die sich in ihrer Dauer und Intensität unterscheiden können. Wie die Expertin erklärt, beginne der Körper schon Jahre vor der letzten Regelblutung, sich zu verändern. „Normalerweise sind die Wechseljahre ein Prozess, der sich über Jahre zieht und keine abrupte Veränderung“, so Chan de Avila. „Die hormonellen Werte, die zuvor im Gleichgewicht waren, beginnen, chaotisch zu werden. Das spüren Frauen oft deutlich.“

Dr. Jennifer Chan de Avila, Doula für Wechseljahre
Dr. Jennifer Chan de Avila, Doula für Wechseljahre und Beraterin beim Deutschen Verband für Wechseljahreberatung © privat | Dr. Jennifer Chan de Avila

Doch was sind Wechseljahre eigentlich? Es handelt sich um hormonelle Umstellungen am Ende der fruchtbaren Lebensphase jeder Frau.

Wann die Wechseljahre beginnen und wie lange sie dauern, ist jedoch individuell sehr verschieden. Im westeuropäischen Durchschnitt haben Frauen im Alter von 51 Jahren ihre letzte Regelblutung. Spätestens dann endet mit dem Abfall von Hormonen wie Östrogen und Progesteron auch die Möglichkeit, auf normalen Wege schwanger zu werden.

Auch die Übergänge zwischen den einzelnen Phasen verlaufen bei jeder Frau anders. Allerdings gibt es in der Regel vier Phasen, die jede Frau durchlebt. Es sind:

Das sind die vier Phasen der Wechseljahre

  • Prämenopause
  • Perimenopause
  • Menopause
  • Postmenopause

Die Prämenopause markiert den Beginn der hormonellen Umstellung und kann bereits ab dem Alter von Anfang 40 auftreten. In dieser Phase beginnt die Produktion der Hormone Östrogen und Progesteron leicht zu schwanken, was zu den ersten Zyklusveränderungen, Stimmungsschwankungen, Schlafproblemen und anderen leichten Beschwerden führen kann.

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Die Perimenopause setzt in der Regel vier bis sechs Jahre vor der Menopause ein – jenem Tag, an dem eine Frau seit zwölf Monaten keine Regelblutung mehr hatte. „Die hormonellen Werte fangen an, sich zu verändern. Normalerweise waren sie bis jetzt in einem bestimmten Gleichgewicht, doch dann wird alles ein bisschen chaotisch“, so Chan de Avila. Doch woran können Frauen erkennen, dass sie sich in der Perimenopause befinden? Die möglichen Anzeichen sind vielfältig: Während dieser Zeit können unter anderem Hitzewallungen, nächtliches Schwitzen, Herzrasen, depressive Verstimmungen sowie körperliche und geistige Erschöpfung auftreten, erklärt die Expertin.

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Der Zyklus kann länger oder kürzer werden – und von der üblichen Dauer zwischen 21 und 35 Tagen abweichen. „Was oft passiert, ist nicht nur die Unregelmäßigkeit, sondern auch eine unerwartete Heftigkeit der Blutung“, so die Expertin. In anderen Fällen bleibt die Regelblutung immer wieder aus. „Unser Körper hört auf, bestimmte Hormone zu produzieren, die normalerweise mit Fruchtbarkeit verbunden sind, wie Östrogen und Progesteron.“ Außerdem berichten manche Frauen von Muskel- und Gelenkschmerzen, Gedächtnis- und Konzentrationsproblemen („brain fog”) sowie zu „ungewöhnlicheren“ Symptomen wie trockenen Augen oder Veränderungen der Libido.

In Deutschland erleben Frauen die Menopause im Schnitt mit etwa 51 Jahren. Die Wechseljahre-Doula erklärt, dass es sich dabei tatsächlich nur um einen einzigen Tag handelt – genauer gesagt, den Zeitpunkt der letzten Regelblutung, den man jedoch erst rückblickend bestimmen kann. „Es ist nur ein Tag in deinem Leben“, betont die gebürtige Mexikanerin. Viele würden fälschlicherweise von der Menopause als einer gesamten Lebensphase sprechen. Doch tatsächlich ist sie nur eine von mehreren Phasen der Wechseljahre.

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Was passiert in der Postmenopause? Das sollten Frauen unbedingt beachten

Als Postmenopause bezeichnet man die Zeit, die nach der Menopause kommt, also etwa zwölf Monate nach der letzten Regelblutung. Genau genommen hält diese Phase ab diesem Zeitpunkt ein Leben lang an, erklärt die Expertin. Die typischen Beschwerden klingeln jedoch innerhalb von ein bis zwei Jahren nach der Menopause ab. Wie die Doula erläutert, sei dies für viele Betroffene das Ende der chaotischen Umstellungsphase: „Viele Frauen fühlen sich nach der Menopause stärker und selbstbewusster. Besonders diejenigen, die diese Phase als Einladung sehen, sich um sich selbst und ihre Gesundheit zu kümmern und eine Version ihrer selbst hervorzubringen, die stärker mit ihren eigenen Werten und Wünschen im Einklang steht.“

Doch die Postmenopause kann auch andere Erfahrungen mit sich bringen, etwa Probleme mit den Knochen, dem Gedächtnis, vaginaler Trockenheit oder Inkontinenz. Bei diesen Beschwerden sei es jedoch schwer, klar zu unterscheiden, ob sie mit den Wechseljahren oder mit dem Alterungsprozess zusammenhängen. Chan de Avila rät Betroffenen, sich frühzeitig um die Beckenboden-, Knochen-, Gehirn- und Herzgesundheit zu kümmern und die Symptome ärztlich abzuklären. Anders als die Beschwerden der Perimenopause verschwinden sie meist nicht von selbst, sondern können sich im Laufe der Zeit verschlimmern.

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Anzeichen der Wechseljahre nicht immer eindeutig

Schätzungsweise haben rund ein Drittel der Frauen in den Wechseljahren keine oder nur sehr geringe Beschwerden, ein weiteres Drittel erlebt leichte Symptome, während das letzte Drittel unter mäßigen bis starken Beschwerden leidet, berichtet die Expertin. Bei den Frauen mit besonders ausgeprägten Symptomen wird angenommen, dass fünf bis zehn Prozent diese so intensiv empfinden, dass sie mit einer chronischen Erkrankung oder sogar einer Behinderung vergleichbar sind, erklärt sie.

Ob bestimmte Anzeichen auf einen stressigen Alltag oder die Wechseljahre zurückzuführen sind, ist in vielen Fällen unklar. Viele Frauen erkennen beispielsweise nicht, dass ihre Symptome auf die Perimenopause hindeuten könnten, da sie diese oft auf persönliche Lebensumstände wie Stress oder Überlastung zurückführen. Andere wiederum wissen nicht, dass ihre Beschwerden mit den Wechseljahren zusammenhängen, da sie darüber nicht ausreichend aufgeklärt wurden, erklärt Chan de Avila.

Hinzu kommt, dass nicht alle Symptome eindeutig den hormonellen Veränderungen zugeordnet werden können. Oft wirkten sie wie eine Kettenreaktion: „Eine Hitzewallung am Abend kann dazu führen, dass ich schlecht schlafe. Das bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ich unter Schlafstörungen leide. Wenn ich nachts wenig Schlaf bekomme, bin ich am nächsten Tag müde, was wiederum zu Erschöpfung führt. Und weil ich trotz allem arbeiten muss, bin ich vielleicht zusätzlich gereizt“, so die Expertin.

Wechseljahre: Warum sie oft mit Ängsten verbunden sind

Aus ihrer Erfahrung weiß die Beraterin, dass viele Frauen große Angst vor den Veränderungen haben, die mit dieser neuen Lebensphase einhergehen. Häufig suchen sie bei ihr Rat, weil erste Beschwerden sie verunsichern. „Wir haben oft Angst vor dem Unbekannten“, erklärt die Doula und fügt hinzu: „Wissen und Aufklärung können diese Furcht erheblich mindern. Wenn ich verstehe, was in meinem Körper passiert, und weiß, dass ich mit den meisten Beschwerden nicht allein bin, verliere ich einen großen Teil meiner Unsicherheiten.“

Jennifer Chan de Avila spricht auch aus eigener Erfahrung – mit gerade einmal 36 Jahren erhielt sie die Diagnose vorzeitige Menopause. Für sie war es ein Wendepunkt, der ihr Leben völlig auf den Kopf stellte. Damals entschied sie sich, ihre akademische Karriere auf Eis zu legen und einen neuen Weg einzuschlagen. Heute ist sie nicht nur Doula für Frauen in den Wechseljahren, sondern auch promovierte Politikwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf Geschlechterbeziehungen und intersektionalem Feminismus.

Als Wechseljahre-Doula begleitet sie Frauen auf ihrem Weg durch diese Lebensphase, gibt ihnen Orientierung und emotionalen Halt. Gleichzeitig setzt sie sich auf wissenschaftlicher und gesellschaftlicher Ebene dafür ein, das Thema Wechseljahre sichtbarer zu machen – insbesondere in Unternehmen und Organisationen. Ihre Erkenntnisse und Erfahrungen fasste sie im Buch „Wechseljahre am Arbeitsplatz“ zusammen, das im März 2025 veröffentlicht wurde und Arbeitgebern Tools an die Hand gibt, um Frauen in dieser Phase besser zu unterstützen.

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„Bereicherndes Kapitel“: Frauen können von den Wechseljahren profitieren

Viele Ängste rund um die Wechseljahre knüpfen sich laut Chan de Avila an gesellschaftliche Vorstellungen rund um das Älterwerden und die Rolle der Frau. „In unserer patriarchalen Gesellschaft ist Jungsein oft gleichbedeutend mit Weiblichkeit, Attraktivität und Wert“, so die Expertin. „Die Wechseljahre fühlen sich für viele Frauen wie ein kleiner Verlust an, weil wir uns von früheren Phasen verabschieden müssen. Das ist emotional herausfordernd.“

Trotz aller Herausforderungen biete diese Phase auch die Möglichkeit, eine völlig neue Sicht auf das eigene Leben zu entwickeln. „Wenn wir die Wechseljahre nicht nur als Verlust, sondern als Möglichkeit für Wachstum und Entwicklung sehen, können wir sie wirklich als ein bereicherndes Kapitel unseres Lebens erfahren“, sagt die Wissenschaftlerin. Es sei eine Phase, in der viele Frauen beginnen, mehr über ihre Gesundheit nachzudenken und alte Gewohnheiten zu hinterfragen – oft mit dem Ergebnis, neue und gesündere Routinen zu etablieren.