Die Deutschen sorgen sich um ihre Gesundheit – und das aus gutem Grund: Herzkrankheiten sind nach wie vor die häufigste Todesursache im Land. Das geht aus dem aktuellen Deutschen Herzbericht hervor, der dieser Redaktion vorliegt. Das Erschreckende dabei: Je nach Wohnort haben Menschen offenbar sehr unterschiedliche Chancen, einen Herzinfarkt zu überleben. Der neue Herzbericht „Update 2025“ zeigt: In Berlin sterben Menschen mehr als doppelt so häufig an einem Herzinfarkt wie in Hamburg oder Nordrhein-Westfalen.

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Der Deutsche Herzbericht wird jedes Jahr von der Deutschen Herzstiftung zusammen mit mehreren auf Herzgesundheit spezialisierten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften herausgegeben. Die neuesten Zahlen zeigen: Während Hamburg 2023 mit nur 30,6 Todesfällen pro 100.000 Einwohner und Nordrhein-Westfalen mit 31,7 bundesweit die niedrigsten Sterberaten aufweisen, liegt Berlin mit 71,2 Todesfällen klar an der Spitze. Wie kann das sein?
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Herzinfarkt tödlich? Wo Sie wohnen, kann den Unterschied machen
Prof. Dr. Heribert Schunkert, Vize-Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung, erklärt gegenüber dieser Redaktion, dass dieser deutliche Unterschied wohl nicht an einer grundsätzlich schlechteren Versorgung der Patientinnen und Patienten liege. Denn, auch das zeigt der Herzbericht: Berlin bietet eine der dichtesten ärztlichen Versorgungen in Deutschland. Mit nur 18.540 Einwohnern pro Kardiologe liegt die Stadt klar über dem Bundesdurchschnitt. Zum Vergleich: In Baden-Württemberg sind es fast 21.000 Einwohner pro Kardiologe.
Warum also sterben in Berlin also viel mehr Menschen an einem Herzinfarkt? „Die Unterschiede können an sozioökonomischen Faktoren liegen – etwa der Arbeitslosigkeit, der Lebensweise oder der Häufigkeit von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes“, meint Schunkert. Und neben der Altersstruktur spiele „auch die Gesundheitskompetenz der Menschen, also wie gut sie informiert sind und wie frühzeitig sie medizinische Hilfe suchen, eine große Rolle.“
Bei Herzinfarkt rettet Prävention Leben – Hamburg macht es vor
Hamburg zeigt, wie man es besser machen kann. Die Stadt punktet laut Schunkert genau wie Bayern mit gezielter Patientenaufklärung und einem gut genutzten Präventionsnetzwerk. Dass gute Präventionsarbeit wirke, beweise auch Sachsen-Anhalt, betont der Kardiologe mit Blick auf die aktuellen Zahlen: Nach der 2018 eingeführten „Herzwoche“, einer jährlichen Aufklärungskampagne, sank die Herzinfarkt-Sterblichkeit in Sachsen-Anhalt deutlich – von zuletzt 65,2 Todesfällen pro 100.000 Einwohner im Jahr 2022 auf nun 56,5 im Jahr 2023.
Auch allgemein ist die Entwicklung der Sterblichkeit durch Herzkrankheiten in Deutschland leicht rückläufig – am deutlichsten ausgeprägt bei der Koronaren Herzkrankheit (KHK), der Grunderkrankung des Herzinfarkts. Auch das geht aus den Zahlen des aktuellen Deutschen Herzberichts hervor. So starben im Jahr 2023 starben insgesamt rund 211.150 Menschen an den Folgen einer Herzkrankheit. Im Vorjahr waren es dagegen noch rund 216.940 Menschen.
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„Dass die KHK- und Herzinfarktsterblichkeit in Deutschland insgesamt erneut abnimmt, bestätigt einen erfreulichen Trend, der sich seit Jahren abzeichnet“, so Schunkert, Direktor der Klinik für Herz- und Kreislauferkrankungen am Deutschen Herzzentrum des TUM Klinikums München. Dennoch sei die Sterberate im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarländern wie Frankreich oder Dänemark nach wie vor viel zu hoch. Der Handlungsbedarf sei ungebrochen.
Herzgesundheit: Steigende Krankenhauseinweisungen bei Herzerkrankungen
Zudem gibt es gleichzeitig auch einen besorgniserregenden Trend: Obwohl die Sterblichkeit bei Herzinfarkten langfristig sinkt, steigt die Zahl der Krankenhausaufnahmen wegen Herzkrankheiten weiter an. 2023 wurden mehr als 1,6 Millionen Menschen stationär behandelt – das sind etwa 1700 Menschen pro 100.000 Einwohner. Besonders betroffen sind laut Herzbericht Menschen über 60, bei denen Erkrankungen wie die Koronare Herzkrankheit oder Herzinsuffizienz häufig vorkommen.

Beide Krankheiten können durch vermeidbare Risikofaktoren ausgelöst werden, wie
- Rauchen
- Stress
- Bluthochdruck
- LDL-Cholesterin
- Diabetes
- und Übergewicht.
„Was viele nicht wissen, diese Risikofaktoren multiplizieren sich in ihren Effekten“, warnt Schunkert. „Raucht man etwa, hat man also ein doppelt so hohes Risiko, herzkrank zu werden. Treffen zwei Risikofaktoren zu, hat man bereits ein viermal so hohes Risiko und bei vier bereits ein 16-fach erhöhtes Risiko.“
Gesunder Lebensstil senkt Herzinfarkt-Risiko deutlich
Die beste Medizin sei und bleibe daher die Vorbeugung und ein gesunder Lebensstil, so der Kardiologe. Zudem mahnt er zu frühzeitigen Vorsorgeuntersuchungen ab dem 35. Lebensjahr. Auch regelmäßige Gesundheits-Checks könnten helfen, viele dieser Erkrankungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln – bevor sie Menschen ins Krankenhaus bringen oder gar das Leben kosten. Schunkert rät, die eigenen Cholesterinwerte sogar bereits in den 20igern prüfen zulassen. „Jeder einzelne Risikofaktor, den wir kennen und so rechtzeitig in den Griff bekommen, hat ein großes Gewicht“, betont er.
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Hier ist am Ende aber jeder Einzelne gefragt: Tägliche Bewegung – etwa 30 Minuten zügiges Spazierengehen –, gesunde Ernährung und der Verzicht auf das Rauchen mindern das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Von der Politik fordert Schunkert, dass Kampagnen wie die „Herzwoche“ oder digitale Werkzeuge wie die HerzFit-App noch stärker gefördert werden. Das helfe Menschen, ihr persönliches Herzalter zu berechnen und Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder hohen Cholesterinspiegel im Blick zu behalten „Je mehr Menschen wir motivieren, die Vorsorge zu nutzen, desto weniger Herzinfarkte und Krankenhauseinweisungen werden wir in Zukunft sehen“, erklärt er – unabhängig davon, ob man in Berlin, Hamburg oder anderswo lebt.










