Geht Liebe auch ohne sexuelle Treue? Diese Frage beschäftigt nicht nur viele Therapeuten, sondern auch Menschen, die sich dafür entscheiden, „poly“ zu leben. Der Begriff steht für Polyamorie, also eine Liebesbeziehung zwischen mehr als zwei Menschen. Vor allem viele junge Menschen wollen sich nicht mehr als monogam identifizieren und suchen ihr Glück in polyamoren Beziehungen. Doch wie funktioniert sexuelle Freiheit ohne Eifersucht? Und für wen kommt dieses Konzept infrage? In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ beschäftigt sich unsere Autorin Alina Juravel mit genau diesen Fragen und stellt ein Paar vor, das glücklich in einer offenen Beziehung lebt.
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Polyamorie: Wie eine Französin unsere Autorin beeindruckte
Vor einiger Zeit war ich mit meiner Mutter in Paris. Wir verbrachten ein wundervolles Wochenende zwischen Wahrzeichen und Croissants. Am meisten beeindruckt hat mich jedoch nicht der Eiffelturm, sondern unsere Gastgeberin. Sie vermietete uns ihre Wohnung, da sie selbst auf Reise war, aber das ist nicht der Grund, warum sie einen besonderen Eindruck bei mir hinterließ.
Die Französin ist Ende 30 und lebt alleine in einem süßen Apartment im 11. Arrondissement. In ihrer Wohnung hängen viele eingerahmte Fotos, die wir natürlich neugierig betrachtet haben. Wir entdeckten gleich mehrere Pärchenfotos, die unsere Gastgeberin zeigten – jedoch mit zwei verschiedenen Männern. Auf einem Foto küsst sie leidenschaftlich einen großen blonden Mann, auf dem anderen kuschelt sie sich an einen Dunkelhaarigen. Ganz klar, es waren zwei verschiedene Männer.

Meine Mutter und ich waren etwas ratlos. Hat unsere Gastgeberin ein Bild von ihrem Ex-Partner behalten und eingerahmt? Oder war der Mann mit den dunklen Haaren doch nicht ihr Partner, sondern nur ein guter Freund? Die Antwort darauf lieferte uns unsere Gastgeberin selbst, die wir bei der Schlüsselübergabe am Tag unserer Abreise trafen. Da wir uns eh schon über die Wohnung und das Leben in Paris unterhielten, fragte ich sie nach den Fotos. „Oui, oui“, antwortete sie und lachte. Der Mann mit den dunklen Haaren ist sehr wohl ihr fester Freund. Und der Blonde? „Er ist mein anderer Lieblingsmensch“, sagte sie und klärte uns auf. Ihr Freund und sie führen nämlich schon seit drei Jahren eine offene Beziehung. Der blonde Mann sei ihre langfristige Affäre. Beide Männer würden zudem voneinander wissen und alle drei seien glücklich mit der Situation.
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Die Beziehung zu öffnen, so die Französin, war die beste Idee gewesen und das Konzept habe ihre Partnerschaft nicht nur gerettet, sondern auch glücklicher gemacht. Meine Mutter und ich hingen an den Lippen unserer Gastgeberin, die so charmant und eloquent von ihrer offenen Beziehung erzählte, als sei es das Normalste der Welt. „Eine einzige Person kann nie all deine Wünsche erfüllen und es wäre auch nicht fair, dies von ihr zu verlangen“, sagte die Französin. Ich gab ihr recht, jedoch verneinte ich wie aus der Pistole geschossen ihre Frage, ob ich mir auch eine offene Beziehung vorstellen könnte.

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Mit meinem Empfinden bin ich nicht alleine. Die Mehrheit der Deutschen kann sich laut einer aktuellen Umfrage nicht vorstellen, eine offene Beziehung zu führen. 72 Prozent der erwachsenen Befragten gaben dies in einer repräsentativen Civey-Umfrage im Auftrag des Nachrichtenportals „Watson“ an. Lediglich 18 Prozent sagen „Ja“ zur alternativen Beziehungsform. Doch das Konzept einer offenen Beziehung wird immer beliebter. Aber kann es auf Dauer tatsächlich funktionieren?

Tine und Alex sagen ganz klar Ja. Die beiden sind seit vielen Jahren ein Paar und wollen auch heiraten. Trotzdem haben sie Sex mit anderen und lieben auch mehrgleisig. Wie kann das klappen? Der Trick ist, sich an eine „goldene Regel“ zu halten. Das erzählen die beiden im spannenden Interview mit meiner Kollegin Yannah Alfering.
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Unsere Gastgeberin in Paris war jedenfalls voll und ganz vom Konzept der offenen Beziehung überzeugt. Nur eins konnte sie sich nicht vorstellen: Sich auf einen weiteren Mann einlassen. Zwei würden doch ganz gut reichen.
Und wie sieht es bei Ihnen aus? Könnten Sie sich vorstellen, Ihre Beziehung zu öffnen oder waren Sie sogar schon in dieser Situation? Erzählen Sie es mir. Ich freue mich darauf!
Alles Liebe,
Alina Juravel
P.S. Wenn Sie Kritik haben oder auch Anregungen, freue ich mich über eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de
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