Archäologen haben Polen ein seltenes Eisenwerkzeug entdeckt, das vor etwa 2300 Jahren vermutlich als chirurgisches Instrument diente. Der Fund belegt die Durchführung komplexer medizinischer Eingriffe und zeugt von der fortschrittlichen keltischen Metallurgie, die bereits zu jener Zeit ein hohes technisches und handwerkliches Niveau erreichte.
Kostbare keltische Funde bei Ausgrabungen in Łysa Góra
Die Anwesenheit der Kelten, bekannt als kriegerisches Volk des europäischen Festlands, das einst Rom geplündert hatte, kam für das Forschungsteam um Bartłomiej Kaczyński, Archäologe am Staatlichen Archäologischen Museum in Warschau, überraschend. Łysa Góra, gelegen in der Region Masowien im Zentrum Ostpolens, gilt als die nordöstlichste bisher entdeckte keltische Siedlung Europas.
Seit zwei Jahren führt das Team dort neue Ausgrabungen durch, nachdem die Stätte bereits in den 1970er Jahren erstmals untersucht worden war. Im Jahr 2024 wurden Hunderte von Artefakten entdeckt, darunter ein seltener keltischer Helm aus dünnem Bronzeblech. Die Grabungen des Jahres 2025 förderten zudem keltische Broschen, eine Speerspitze, eine Eisenaxt sowie zahlreiche metallene Objekte zutage, die mit dem Reitsport in Verbindung stehen.
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Chirurgisches Instrument: Operationen vor 2300 Jahren
Das in diesem Frühjahr entdeckte Trepanationsinstrument stammt aus demselben Bereich der Fundstätte wie der keltische Helm, ist nach Angaben von Bartłomiej Kaczyński jedoch noch seltener, da chirurgische Werkzeuge dieser Art nur an wenigen keltischen Fundorten nachgewiesen wurden. Das Objekt besitzt eine Klinge, die in eine feine Spitze übergeht, und war ursprünglich vermutlich an einem Holzgriff befestigt. Dabei handelt es sich um eine frühe Form des Skalpells.

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Die präzise Ausarbeitung des Eisengeräts verweist auf die hochentwickelte keltische Metallverarbeitung. Kaczyński zufolge diente es wahrscheinlich der Trepanation, also dem gezielten Öffnen des Schädels. Der Begriff leitet sich vom griechischen Wort für „bohren“ ab und bezeichnet einen Eingriff, der in vielen Kulturen über Jahrtausende hinweg bis ins 19. Jahrhundert praktiziert wurde.
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Wie eine Studie der Fachzeitschrift Neurosurgical Focus aus dem Jahr 2007 zeigt, nutzten die Kelten überwiegend die Schabtechnik. Werkzeuge aus Gräbern deuten darauf hin, dass der Eingriff sowohl medizinische als auch rituelle Bedeutung hatte. In Łysa Góra wurden bislang jedoch keine menschlichen Überreste entdeckt, die auf eine solche Operation hinweisen.
Kelten mit speziellen medizinischen Kenntnissen
Kaczyński betonte, dass der Fund eines eisernen Trepanationsskalpells darauf hinweist, dass unter den Kelten, die sich in dieser Region niederließen, vermutlich eine Person mit spezialisierten medizinischen oder rituellen Kenntnissen lebte. Zudem müsse ein erfahrener Schmied vorhanden gewesen sein, der in der Lage war, die in Łysa Góra entdeckten Werkzeuge herzustellen.
Archäologische Untersuchungen zeigen, dass Łysa Góra bereits vor der Ankunft der Kelten im vierten Jahrhundert eine befestigte Siedlung war. Mit dem Eintreffen der Kelten deuten Spuren intensiver Bronze- und Eisenverarbeitung, der Fund einzigartiger Importwaren sowie von Fragmenten aus Bronze und Bernstein darauf hin, dass die Siedlung zu einem bedeutenden Handelszentrum wurde.
Bernstein war in jener Zeit im Mittelmeerraum ein überaus begehrtes Gut. Nach Kaczyński könnten die Kelten die Befestigungsanlagen von Łysa Góra errichtet haben, um ihre strategisch wichtige Position am sogenannten Bernsteinweg zu sichern und den Handel mit diesem wertvollen Material zu kontrollieren.








