Unsere Kindheit prägt uns ein Leben lang, da die Erfahrungen in dieser Phase die Grundlage für unsere Persönlichkeit, Verhalten und Denkweisen legen. Es wäre zu wünschen, dass jeder Mensch eine glückliche und sorglose Kindheit erleben darf. Doch leider ist es nicht der Fall. Beim Thema Gewalt gegen Kinder denken viele zuerst an körperliche Misshandlung, an Schläge und sexuellen Missbrauch. Doch die häufigste Form ist emotionale Misshandlung – und die kann ebenfalls gravierende Folgen haben.

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So leiden Kinder, die mit einem narzisstischen Elternteil aufgewachsen sind, oft auch als Erwachsene an den Folgen. Die Langzeitfolgen sind umfassend und betreffen etwa Selbstwert, Beziehungsfähigkeit und psychische Gesundheit. In dieser Ausgabe unseres Beziehungs-Newsletters „Ein FUNKE Liebe“ beschäftigt sich unsere Autorin Alina Juravel mit narzisstischen Familienangehörigen und erzählt auch von einem Fall aus ihrem direkten Umfeld.
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Narzisst in der Familie: Für Vanessa wurde es zum Trauma
Lassen Sie uns mal kurz ein kleines Experiment machen. Schließen Sie Ihre Augen und denken Sie zurück an Ihre Kindheit. Welches Gefühl empfinden Sie spontan, wenn Sie sich an das Kindsein erinnern? Welche Personen kommen Ihnen als Erstes in den Sinn? Bei mir ist es meine Mama und ich empfinde sofort eine wohlige Wärme. Mich durchströmt ein Gefühl von Geborgenheit, Freude, Leichtigkeit und Liebe. Obwohl meine Mutter alleinerziehend war, hat sie mir nie das Gefühl gegeben, etwas zu vermissen oder dass ich nicht genug wertgeschätzt werde.
Ich denke gerne an meine Kindheit zurück, doch so geht es nicht allen Menschen. Ich war überrascht, wie viele Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis von negativen Gefühlen berichteten, als ich sie bat, spontan an ihre Kindheit zu denken. Manche verbinden mit ihrer Kindheit Selbstzweifel, Traurigkeit über die Trennung ihrer Eltern oder Druck, alles richtig machen zu müssen. Besonders überrascht hat mich die Aussage einer Person aus meinem direkten Umfeld, nennen wir sie hier Vanessa. Vanessa verbindet mit ihrer Kindheit Angst. Genauer gesagt, Angst vor dem Verhalten ihrer Mutter.

Narzisstische Mutter: Kein Herz für die eigene Tochter
Obwohl Vanessa schon längst erwachsen ist, prägen die negativen Erlebnisse mit ihrer Mutter sie bis heute. Denn ihre Mutter leidet mutmaßlich unter einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Vanessa konnte es ihrer Mutter nie recht machen. Obwohl sie eine hervorragende Schülerin war, konnten ihre Leistungen nie gut genug sein, um dafür gelobt zu werden. Vanessa wurde gar Opfer von heftiger Manipulation, dem sogenannten Gaslighting. Ihre Mutter hat ihr eingeredet, Dinge seien nicht so geschehen, wie sich Vanessa daran erinnerte. Zusätzlich kommentierte sie abfällig Vanessas Aussehen und ihre Figur. Die Mutter verglich sich auf absurde Weise mit ihrer Tochter und gab Vanessa das Gefühl, weniger schön und wert zu sein. Vanessa wusste nie, mit welcher Reaktion ihrer Mutter sie rechnen musste und lebte daher jahrelang in permanenter Anspannung.
Laut der Berliner Diplom-Psychologin und Psychotherapeutin Lisa Zimmermann liegt hinter der narzisstischen Persönlichkeitsstruktur ein tief destabilisiertes Selbst ohne wirkliche Empathie. Gerade in der Kindererziehung kann das langfristige Folgen haben. Meine Kollegin Eileen Wagner hat mit der Psychologin darüber gesprochen, wie gefährlich narzisstische Mütter für ihre Kinder sein können und welche Spätfolgen drohen können. Betroffenen rät sie zu diesen Schritten.
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Natürlich können nicht nur Mütter narzisstisch sein. Auch ein narzisstischer Vater kann im Leben eines Kindes großen Schaden anrichten – oft unerkannt. Laut der Psychologin Lisa Zimmermann sind narzisstische Väter selten laut und gewalttätig, kontrollieren ihr Umfeld dafür aber umso subtiler. Hier verrät sie, woran man narzisstische Väter erkennt und wie man mit ihnen umgehen sollte.
Kind mit einem Narzissten: So können Sie sich schützen
Empathie und Selbstreflektion sind Narzissten fremd, auf Kritik reagieren sie dünnhäutig und mit Vergeltung. Das trifft auch in der Familie zu. Sind Kinder im Spiel, wird es doppelt gefährlich. Wer mit einem Narzissten eine Familie gegründet hat, muss daher besonders aufpassen. Die Psychologin erklärt hier, wie man nicht nur die eigene Integrität, sondern auch die Kinder schützt.

Keine Frage, narzisstische Familienstrukturen hinterlassen emotionale Wunden, die oft auch noch Jahre später weh tun und die eigenen Entscheidungen beeinflussen. Vanessa, die mit einer narzisstischen Mutter aufgewachsen ist, hat mittlerweile selbst Kinder und könnte sich niemals vorstellen, ihre Kinder so zu behandeln, wie sie einst selbst behandelt wurde. Ihre Erfahrungen aus der Kindheit musste sie in vielen Therapiestunden aufarbeiten und leidet oft noch heute unter den Folgen. Mit ihrer Mutter hat sie bis heute ein schwieriges Verhältnis, weshalb sie sich auch nur selten sehen.
Und wie sieht es bei Ihnen aus? Hatten Sie eine glückliche Kindheit oder erinnern Sie sich nicht gerne daran zurück? Falls Sie auch mit einem narzisstischen Elternteil aufgewachsen sind, können Sie mir gerne von Ihren Erfahrungen berichten – auch anonym.
Alles Liebe
Alina Juravel
P.S. Wenn Sie Kritik haben oder auch Anregungen, freue ich mich über eine Mail an alina.juravel@funkemedien.de





