Die Grippesaison hat dieses Jahr ungewöhnlich früh begonnen. Erste Länder wie Großbritannien und Japan melden bereits hohe Infektionszahlen und warnen vor einem besonders intensiven Grippewinter. Der Grund: die neue Subklade K, ein untergeordneter Zweig im Virenstamm des bekannten Grippevirus Influenza-A H3N2. Diese Grippeviren haben sich über rasche Mutationen gegenüber anderen Grippeviren anscheinend einen Vorteil verschafft und sorgen nun weltweit für Besorgnis.

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Es sei ein besonders harter Winter, sagte ein britischer Regierungssprecher dem „Telegraph“. In dortigen Medien hat bereits die Bezeichnung „Supergrippe“ Einzug erhalten. Einige Krankenhäuser verhängten Maskenpflicht. Auch sei es zu vereinzelten Schulschließungen gekommen, die man flächendeckend aber vermeiden möchte. Viel beachtet wurde ein Rat der britischen Gesundheitsbehörde, eine Maske zu tragen, wenn man sich unwohl fühlt – und dennoch das Haus verlassen muss.

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Vergangene Woche befanden sich laut Behördenangaben, die BBC zitiert, durchschnittlich 1700 Patienten mit Grippe im Krankenhaus, was rund 50 Prozent mehr als im Vorjahr waren. Blickt man nach Australien, wo der Winter bereits vorbei ist, zeigt sich: Besonders betroffen waren Kinder und Jugendliche – eine Entwicklung, die Experten auch in Deutschland genau beobachten. Doch wird die Grippe für uns dieses Jahr nun gefährlicher als sonst? Droht eine höhere Anzahl schwerer Krankheitsverläufe? Prof. Dr. Reinhold Förster von der Medizinischen Hochschule Hannover erklärt, was wir mit Blick auf die neuen Mutationen bedenken sollten und welche Rolle die Grippe-Impfung angesichts veränderter Viren spielt.

Die Influenza-A-Variante H3N2 begleitet die Menschheit seit Jahren, doch in diesem Jahr hat dieser Virusstamm durch zahlreiche Mutationen eine neue Dynamik erreicht. „Wir reden hier nicht von einem neuen Virus, sondern einer Fortsetzung des H3N2-Stamms mit mehreren entscheidenden genetischen Veränderungen“, erklärt Förster.

Grippewelle: Kann die Impfung gegen Mutationen helfen?

Die relevanten Mutationen betreffen insbesondere das sogenannte Hämagglutinin, das Oberflächenprotein des Virus, über das es an Zellen andockt und anschließend in diese eindringt. „Wenn hier Aminosäuren ausgetauscht werden, können unsere bereits durch vergangene Infektionen oder Impfungen erworbenen Antikörper weniger effektiv angreifen. Daher ist es wahrscheinlich, dass sich mehr Menschen infizieren und auch schwerere Verläufe drohen“, erklärt Förster, Alt-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Immunologie.

Zusätzlich weist der Experte darauf hin, dass das Virus in den unteren Atemwegen – wie den Lungen – größere Schäden anrichten kann. „H3N2 führt häufiger zu Lungenentzündungen als die Influenza-A-Variante H1N1“, erklärt Förster. Ein Risiko, das sich auch in Deutschland bemerkbar machen könnte, wenn sich die neuen Mutationen durchsetzen.

Prof. Dr. Reinhold Förster MHH
Prof. Dr. Reinhold Förster, Immunologe an der Medizinischen Hochschule Hannover, betont mit Blick auf die aktuelle Grippesaison die Bedeutung von Impfungen und präventiven Schutzmaßnahmen.© MHH | MHH

Eine zentrale Frage, die sich nun stellt: Wie viel bringt eine Impfung, wenn diese nicht auf die Mutationen abgestimmt ist? „Ich lasse mich jetzt schnell noch impfen“, betont Immunologe Förster. Die Termine an seiner Hochschule, wo explizit auch die jüngeren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter geimpft werden, habe er nämlich ärgerlicherweise verpasst. Die Impfstoffe seien nie optimal an die aktuellen Mutationen der Viren angepasst, da sie schlicht rechtzeitig produziert werden müssen, aber sie enthielten dennoch die relevanten Bestandteile des H3N2-Stamms. „Das Grundprinzip der Influenza-Impfung bleibt aktuell“, betont Förster. „Sie stärken die immunologischen Abwehrkräfte und schützen auch gegen mutierte Viren – vor allem vor schweren Verläufen.“

Zahlen aus Großbritannien unterstützen seine Einschätzung: Dort wurde in den ersten Wochen der Grippesaison eine um 30 bis 40 Prozent niedrigere Rate an Krankenhausaufenthalten unter geimpften Erwachsenen verzeichnet. Bei Kindern lag der Rückgang sogar bei 70 bis 75 Prozent – ein klares Signal, dass auch eine „teilweise Immunität“ helfen kann.

Schutz und Prävention: Was die Bevölkerung tun sollte

„Wichtig ist, dass Risikogruppen die Impfung nicht aufschieben“, so Förster. Er verweist dabei auf klare Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (Stiko): Menschen über 60 Jahre, Schwangere, Personen mit chronischen Erkrankungen, Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, sowie alle, die im Gesundheitswesen arbeiten, sollten sich unbedingt schützen.

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Auch die EU-Gesundheitsbehörde ECDC, kurz für European Centre for Disease Prevention and Control, empfiehlt eine unverzügliche Grippeimpfung. „Wir beobachten, dass Influenza-Fälle dieses Jahr viel früher als üblich auftreten, und das bedeutet, dass die Zeit drängt“, betonte Edoardo Colzani, Leiter der dortigen Abteilung für Atemwegsviren, in einer Mitteilung. „Wenn Sie für eine Impfung infrage kommen, warten Sie bitte nicht. Sich jetzt impfen zu lassen, ist eine der wirksamsten Möglichkeiten, sich selbst und Ihre Mitmenschen in diesem Winter vor schweren Erkrankungen zu schützen.“

Doch auch Hygienemaßnahmen sind entscheidend, besonders bei der offenbar hohen Ansteckungsrate der kursierenden Grippeviren. „Abstand halten, Hände häufig waschen und Räume regelmäßig lüften – das sind einfache Schritte, die helfen können, die Virusverbreitung zu minimieren“, erklärt Immunologe Förster.

Grippe: Kinder und Jugendliche bringen Virus nach Hause

In Australien hat sich gezeigt, dass gerade Kinder und Jugendliche das Virus nach Hause tragen. Sie haben dort eine große Gruppe der Infizierten ausgemacht: „Ein Drittel der bestätigten Fälle in Australien betraf Menschen unter 15 Jahren“, berichtet Förster. „Ich kann daher verstehen, wenn Eltern sich für eine Impfung entscheiden“, lässt Förster durchblicken. Schließlich seien diese den Krankheitserregern durch ihren Alltag am häufigsten ausgesetzt. Mögliche Risiken gelte es dabei abzuwägen.

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Anders als im Ausland sind die bisher gemeldeten Influenza-Fälle in Deutschland aktuell noch auf einem niedrigen Niveau. Förster hält daher nichts von Panikmache, warnt aber auch vor zu viel Gelassenheit. „Die Fallzahlen können schnell ansteigen, besonders wenn sich das Virus unter Kindern verbreitet“, so seine Einschätzung. „Ob wir es tatsächlich mit einem frühen Grippehoch bereits jetzt im Dezember zu tun haben werden, wird sich aber erst in den nächsten Tagen und Wochen zeigen.“

Das Robert-Koch-Institut hat in Deutschland in dieser Saison bis Mitte November erst vereinzelte Fälle von Grippe nachgewiesen, unter anderem auch von der Influenza-A-Variante H3N2. Zeitgleich bereitet sich die EU-Behörde ECDC auf eine schwerere Grippewelle in Europa als in den vergangenen Jahren vor, hieß es dort.