Der eine mag Oliven, der andere verabscheut sie, manche nehmen Mayonnaise zu den Pommes, andere wiederum Ketchup: Dass Menschen wählerisch in Bezug auf ihr Essverhalten sind, ist nicht neu und in dem beschriebenen Maße auch völlig bedenkenlos.

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Weniger bedenkenlos wird es jedoch, wenn die Auswahl des Essens zur psychischen Belastungsprobe wird. Dann könnte eine Essstörung die Ursache sein, die lange unbekannt blieb: die „Avoidant/Restrictive Food Intake Disorder“, kurz ARFID, zu Deutsch: Vermeidende/Restriktive Essstörung.
AFRID: Klare Unterschiede zu anderen Essstörungen
Der Name verrät bereits, wie die Essstörung sich bei den Betroffenen äußert: Das Essen wird zur Herausforderung, bestimmte Lebensmittel oder ganze Mahlzeiten werden gemieden. Das aber nicht etwa, weil der eigene Körper missfällt oder der Wunsch besteht, Gewicht zu verlieren, wie es etwa bei einer Magersucht häufig der Fall ist.
Das Problem ist das Essen selbst. Der Ursprung von ARFID liegt etwa in einem tatsächlichen Desinteresse am Essen, der Ablehnung von Nahrungsmitteln aufgrund bestimmter Charakteristika wie Geruch, Haptik oder Aussehen oder der Angst vor unangenehmen Folgen, die das Essen mit sich bringen könnten (zum Beispiel Verschlucken oder Erbrechen). Statt Freude über eine leckere Mahlzeit verspüren Betroffene Stress, Angst oder Ekel.
Die Folgen können vielfältig sein: Betroffene erfahren häufig einen signifikanten Gewichtsverlust, Nährstoffmangel, Abhängigkeit von Nahrungsergänzungsmitteln oder eine erhebliche Beeinträchtigung ihrer psychosozialen Funktionsfähigkeit.
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Bislang untersucht wurde ARFID hauptsächlich bei Kindern, da die Erkrankung hier oft erstmals auftritt, sowie bei Menschen mit Untergewicht. Trotzdem gibt es nicht viele Zahlen zu der Essstörung, da sie noch nicht lange als eigenständige Erkrankung betrachtet wird. Auch bleiben Erwachsene sowie Menschen mit Übergewicht oft außer Acht gelassen.
ARFID bleibt bei Erwachsenen und Übergewichtigen oft unerkannt
Hierauf aufbauend hat ein Forscherteam rund um Dr. Ricarda Schmidt und Prof. Dr. Anja Hilbert vom Universitätsklinikum Leipzig im Rahmen einer Studie einen Fokus auf die Auswirkungen von ARFID bei Erwachsenen gelegt – auch bei jenen mit erhöhtem Gewicht. Schmidt und Hilbert forschen bereits seit Jahren zu der Erkrankung und wollten mit der Mitte 2025 veröffentlichten Studie eine Forschungslücke schließen.
„Gerade bei Menschen mit höherem Körpergewicht bleibt ARFID oft unerkannt.“
Dr. Ricarda Schmidt , Psychologin
Sie und ihr Forscherteam befragten 369 Erwachsene. Mit einigen von ihnen wurde zudem ein klinisches Interview geführt. Hierbei wurde deutlich, dass sehr wohl auch Erwachsene mit Übergewicht an ARFID erkranken können – ihre Befragung zeigte, dass sogar 34 Prozent der Teilnehmenden mit ARFID ein erhöhtes Körpergewicht aufwiesen. Im Vergleich zu Teilnehmenden mit niedrigem Gewicht zeigten sie häufiger wählerisches Essverhalten, eine größere Alltagsbelastung sowie ein gesteigertes Risiko für Stoffwechselerkrankungen.
Ricarda Schmidt erklärt: „Gerade bei Menschen mit höherem Körpergewicht bleibt ARFID oft unerkannt, weil die Gewichtssorgen irrtümlich als Hinweis auf andere Essstörungen oder als Folge von Diätverhalten gewertet werden.“ Daraus resultierend würde eine zutreffende Diagnose oft ausbleiben, Folgen der Erkrankung so nicht hinreichend versorgt. Daher müssten die „Diagnostik überarbeitet und medizinisches Fachpersonal sensibilisiert“, zudem „bestehende Screeningverfahren um gewichtsunabhängige Erkennungsmerkmale ergänzt“ und bestehende Therapieansätze angepasst werden, lauten einige Empfehlungen der Forschenden.







