Wer schon einmal beim Zahnarzt am entzündeten Zahnfleisch behandelt wurde, dürfte die Definition von Schmerz bereits am eigenen Leib erfahren haben. Parodontose ist eine Volkskrankheit, fast die Hälfte aller Menschen in Deutschland leidet unter der chronischen Erkrankung, besonders betroffen sind nach Angaben der Zahnärztekammer ältere Menschen. Demnach leiden rund 65 Prozent der Menschen über 65 Jahre an Parodontose. Die gute Nachricht: Forscher könnten nun die Antwort auf das Volksleiden gefunden haben.

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Der Clou an der Entdeckung von Wissenschaftler Stephan Schilling und seinem Team vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie IZI in Halle: Die Forscher haben eine Substanz entdeckt, die gezielt Parodontose-Erreger blockiert, andere Keime aber verschont. Das ist neuartig.
Forscher: Zahnpasta bekämpft Parodontose effektiver als andere Mundpflege-Produkte
Zwar gibt es bereits viele Mundspülungen und Zahnpasten, die gezielt damit werben, Parodontitis zu bekämpfen, allerdings zu einem hohen Preis. Diese Mundpflegeprodukte töten zwar die ungewollten Keime ab, aber eben auch alle anderen. Da die Zerstörerer-Keime, wie etwa „Porphyromonas gingivalis“, anschließend schneller nachwachsen, haben diese freie Fahrt, um sich auf dem Zahnfleisch wieder zu verteilen. Die Parodontose kehrt also schnell zurück, weil die Mundflora wieder kippt.
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Die nun entdeckte Substanz wirkt sich anders aus. „Sie tötet die Gingivitis-Erreger nicht einfach ab, sondern blockiert nur deren Wachstum“, erklärte Schilling in einer Mitteilung des Fraunhofer-Instituts. Demnach werden die Parodontitis-Erreger eingedämmt, ohne dass andere, wichtige Keime zerstört werden.
Erste Studien, so heißt es in der Mitteilung, seien erfolgsversprechend. So verringerten sich die Biofilmbeläge auf den Zähnen der Probanden durch die Substanz um rund 25 Prozent. Zudem ging die bakterielle Aktivität generell zurück und der Erreger kann nach Angaben der Wissenschaftler das Eindringen der Paradontose-Keime in das Zahnfleischgewebe hemmen.
Zahnpasta des Fraunhofer-Spin-offs Periotrap ist ausverkauft
Von dieser Entdeckung bis hin zum fertigen Mundpflegeprodukt war es allerdings ein langer Weg. Bereits 2018 wurde das Spin-off PerioTrap Pharmaceuticals in Halle gegründet, wo in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer IZI und dem Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen IMWS die Mikrobiom-Zahnpasta von PerioTrap entstand. „Das Produkt dient der Vorbeugung von Parodontitis. Wie eine normale Zahnpasta enthält es aber auch Putzstoffe und Fluorid zur Vorbeugung von Karies“, erklärte Dr. Mirko Buchholz, einer der Gründer des Fraunhofer-Spin-offs.
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Und wie ein Blick auf die Internetseite von Periotrap zeigt, scheint das Kundeninteresse groß zu sein: „Aufgrund einer außergewöhnlich hohen Nachfrage ist die PerioTrap-Mikrobiom-Zahnpasta erst bald wieder lieferbar.“
Die neue Technologie soll nun genutzt werden, um weitere Mundpflegeprodukte zu entwickeln. So arbeiten die Forscher derzeit an einem neuen Mundwasser. Auch für Haustiere, die ebenfalls oft an Parodontose leiden, sollen in Zukunft Produkte auf Basis der Technologie entwickelt werden.
rk








