In einer groß angelegten Studie, die auf Daten von nahezu 76 Millionen Erwachsenen basiert, haben Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen schweren Verläufen von Grippe beziehungsweise Covid-19 und dem Auftreten von Lungenkrebs identifiziert. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ausgeprägte Virusinfektionen das Wachstum von Tumoren begünstigen können. Den Forschern zufolge lässt sich dieses Risiko vergleichsweise einfach verringern.
Schwere Verläufe von Grippe oder Covid-19 mit schwerwiegenden Folgen
Die im Fachjournal „Cell“ veröffentlichte Studie basiert auf Daten der Epic Cosmos Datenbank. Für die Analyse verglichen die Forscher Gesundheitsdaten von Personen ohne Infektion mit jenen von Menschen mit milden sowie schweren Verläufen von Covid, die in den Jahren 2020 und 2021 teilweise einen Krankenhausaufenthalt erforderten. Ergänzend wurden Krebsneuerkrankungen ab dem Jahr 2022 ausgewertet.
Nach der statistischen Kontrolle zentraler Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht und Rauchverhalten zeigte sich, dass Personen nach einer schweren Covid-Erkrankung ein um den Faktor 1,24 erhöhtes Risiko für Lungenkrebs aufweisen. Im Gegensatz dazu war bei milden Infektionsverläufen eine Verringerung des Risikos zu beobachten.
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Da sich Zusammenhänge auch für Grippe ergaben, schließen die Forschenden der University of Virginia, dass schwere respiratorische Virusinfektionen mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung stehen könnten. Vor diesem Hintergrund empfehlen sie betroffenen Personen nach schweren Krankheitsverläufen regelmäßige Untersuchungen zur Früherkennung von Lungenkrebs.
Viruserkrankungen gelten als Verstärker
Virusinfektionen gelten nicht als Auslöser, sondern als Verstärker oder Beschleuniger von Lungenkrebs. Diese Schlussfolgerung wird durch Untersuchungen an Mäusen gestützt, in denen eine vorausgegangene Infektion mit Covid-19 ab der dritten Woche zu einem verstärkten Tumorwachstum führte.
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Angenommen wird, dass schwere Virusinfektionen langfristige Schädigungen des Lungenepithels verursachen können, deren Auswirkungen noch Jahre später nachweisbar sind. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Immunzellen in der Lunge durch die Infektion funktionell verändert werden und in der Folge nicht mehr primär zur Abwehr von Tumorzellen beitragen, sondern deren Wachstum begünstigen. Die Daten zeigen jedoch zugleich, dass sich dieser Effekt durch gezielte therapeutische Behandlung zumindest im Tiermodell wieder abschwächen lässt.
Impfungen schützen auch langfristig
Der Mitautor der Studie, Jeffrey Sturek, verweist auf eine vergleichsweise einfache präventive Maßnahme: die Impfung gegen Covid-19 und Grippe. Den vorliegenden Ergebnissen zufolge können Impfungen jene Veränderungen in der Lunge weitgehend verhindern, die mit einer beschleunigten Entwicklung von Lungenkrebs in Verbindung stehen.
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Gestützt wird diese Annahme durch Befunde aus Tiermodellen. Mäuse, die gegen die jeweiligen Viren immunisiert und anschließend infiziert wurden, wiesen eine geringere Tumorlast auf als Vergleichstiere mit lediglich simulierten Impfungen. Diese Beobachtung legt nahe, dass Impfungen nicht nur vor schweren Krankheitsverläufen schützen, sondern zugleich das Risiko einer durch Virusinfektionen begünstigten Tumorausbildung reduzieren können.







