Bislang waren Fachärzte bei der Diagnose einer beginnenden Depression weitgehend auf die Selbstauskünfte der Betroffenen angewiesen. Um depressive Erkrankungen frühzeitiger zu erkennen und die Diagnostik durch körperliche Hinweise zu ergänzen, suchten Wissenschaftler im Rahmen einer aktuellen Studie, über die „Sciencealert“ berichtet, nach biologischen Markern. Dabei gelang es den Forscherinnen und Forschern, dem Ziel näherzukommen. So könnten subjektive Empfindungen durch objektiv messbare biologische Daten ergänzt und dadurch die diagnostische Aussagekraft verbessert werden.

Depressionen: Studie konzentriert sich auf eine besondere Risikogruppe

Für ihre Untersuchung konzentrierten sich die Wissenschaftler auf eine besondere Risikogruppe, nämlich Frauen mit einer HIV‑Erkrankung. Diese Bevölkerungsgruppe weist im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung ein etwa zwei- bis dreifach erhöhtes Risiko für depressive Erkrankungen auf. Das Forschungsteam, das sich aus Wissenschaftlern verschiedener Einrichtungen in den USA zusammensetzte, analysierte Blutproben von 261 Frauen mit HIV sowie von 179 Frauen ohne eine entsprechende Infektion. Mithilfe standardisierter Fragebögen wurde zunächst erfasst, ob die Teilnehmerinnen in jüngerer Vergangenheit Symptome einer Depression gezeigt hatten.

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Bei der Auswertung der klinischen Daten und biologischen Parameter stellten die Forscher einen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der biologischen Alterung von Monozyten, einer speziellen Form von Immunzellen, und bestimmten depressiven Symptomen fest. Besonders auffällig war, dass ein beschleunigtes biologisches Altern dieser Immunzellen vor allem mit nicht körperlichen beziehungsweise kognitiven und emotionalen Symptomen korrelierte. Dazu zählten insbesondere Hoffnungslosigkeit sowie der Verlust von Freude an zuvor geschätzten Aktivitäten. Dagegen zeigte sich kein vergleichbarer Zusammenhang mit körperlichen Beschwerden wie etwa Müdigkeit.

Neue Methode gewählt: Was bedeuten die Ergebnisse der Studie?

Die Studie griff auf eine vergleichsweise neue Methode mit der Bezeichnung „MonoDNAmAge“ zurück, bei der die Methylierung (biochemischer Prozess) der DNA in Monozyten analysiert wird. Dieses Verfahren erwies sich bei der Vorhersage depressiver Symptome als präziser als frühere sogenannte epigenetische Uhren. Zu diesen zählt unter anderem die Horvath-Uhr, ein auf künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus, der das biologische Alter anhand charakteristischer DNA-Methylierungsmuster in Zellen und Geweben bestimmt.

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Besonders bedeutsam erscheinen die Ergebnisse der Untersuchung für Menschen mit chronischen Erkrankungen oder einer HIV‑Infektion. In diesen Fällen werden körperliche Beschwerden häufig ausschließlich der zugrunde liegenden Erkrankung zugeschrieben, während mögliche depressive Symptome unberücksichtigt bleiben. Der identifizierte biologische Marker könnte dazu beitragen, die psychische Komponente deutlicher zu erfassen und diagnostisch besser einzuordnen.

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Symptome wie Hoffnungslosigkeit oder Antriebslosigkeit bleiben häufig unerkannt, wenn sie nicht von klaren körperlichen Anzeichen begleitet werden. Die Studie könnte daher dazu beitragen, eine bestehende diagnostische Lücke zu schließen, indem auch subtilere Hinweise auf eine depressive Erkrankung früher identifiziert werden.

Eine frühzeitige Diagnose verbessert nicht nur die therapeutischen Möglichkeiten, sondern erhöht auch die Chancen auf eine erfolgreiche Behandlung. Unbehandelte Depressionen können langfristig erhebliche gesundheitliche Folgen nach sich ziehen und das Risiko weiterer Erkrankungen sowie einer verkürzten Lebenserwartung erhöhen.

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über (mögliche) Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Suizidgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen.

Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.