Ab dem 60. Lebensjahr verlieren Menschen im Schnitt etwa 0,5 Prozent ihrer Muskelmasse jährlich. Die Folge? Alltägliche Aktivitäten wie Treppensteigen und Einkaufstaschen tragen kosten dann spürbar mehr Kraft. Das Risiko für Stürze und Knochenbrüche steigt zudem deutlich an. Spanische Forscher haben deshalb einen einfachen 30-Sekunden-Test entwickelt, der die Muskelleistung misst und sogar verraten kann, wie hoch das Sterberisiko ist.
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STS-Wert misst Muskelleistung und Sturzrisiko bei älteren Menschen
Das Forscherteam um Julian Alcazar von der Universität Kastilien-La Mancha in Toledo beschreibt den Test so: Man setzt sich mit verschränkten Armen auf einen Stuhl und steht innerhalb von 30 Sekunden so oft wie möglich auf. Eine Formel berechnet daraus die Muskelleistung – sie verknüpft die Wiederholungszahl mit Körpergewicht, Körpergröße und Stuhlhöhe. Die kostenlose App „PowerFrail“ übernimmt die Rechnung.

Der sogenannte STS-Wert gibt anschließend die Muskelleistung in Watt pro Kilogramm (W/kg) an. Frühere Untersuchungen legten nahe, dass ein Wert unter 2,53 W/kg bei Männern und 2,01 W/kg bei Frauen mit einem erhöhten Risiko für Gebrechlichkeit, Probleme bei Alltagsaktivitäten und Stürze einhergeht. Doch bislang war unklar, ob diese Grenzwerte auch für Einzelpersonen zuverlässig gelten. Das hat Alcazars Team nun untersucht.
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Dafür ermittelten die Forscher bei 1.876 Menschen über 65 Jahren zunächst den individuellen STS-Wert. Dabei zeigte sich bereits ein erstes bemerkenswertes Ergebnis: Mehr als 57 Prozent der Teilnehmer – also mehr als jeder Zweite – wiesen eine zu geringe Muskelleistung auf. Frauen waren dabei häufiger betroffen als Männer. Die Forscher erfassten zudem, ob die Teilnehmer im Jahr zuvor gestürzt waren oder Knochenbrüche erlitten hatten. Anschließend verfolgten sie, ob die Personen in den folgenden Jahren ins Krankenhaus kamen oder sogar starben.

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Was sich zeigte, bestätigte die früheren Annahmen. Bei Frauen mit einer Muskelleistung unter dem STS-Schwellenwert war das Risiko, ins Krankenhaus zu kommen, um 29 Prozent höher. Besonders auffällig war der Befund bei Hüftfrakturen: Frauen mit niedrigem STS-Wert hatten im Jahr vor dem Test mehr als dreimal so häufig eine Hüftfraktur erlitten wie Frauen mit normaler Muskelleistung. Bei den Männern war das erhöhte Krankenhausrisiko so nicht zu beobachten. Sie hatten jedoch im Jahr vor dem Test häufiger Stürze erlebt und öfter Knochenbrüche jeder Art erlitten. Für beide Geschlechter galt: Wer einen niedrigen STS-Wert hatte, lag im Krankenhaus im Schnitt länger.
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Noch deutlicher war der Befund zur Sterblichkeit, den die Forscher über einen Beobachtungszeitraum von knapp zehn Jahren ermittelten. Männer mit einem geringen STS-Wert hätten laut den Forschern ein 57 Prozent höheres Risiko, in den folgenden Jahren zu sterben. Bei Frauen sei das Sterberisiko sogar um 104 Prozent höher gewesen – mehr als doppelt so hoch wie bei Gleichaltrigen mit normalen STS-Werten.
Das Forscherteam um Alcazar und García-Aguirre zieht ein klares Fazit: Der Aufsteh-Test liefert in 30 Sekunden konkrete Hinweise darauf, wie gefährdet ein älterer Mensch ist – ohne teure Geräte, ohne Arztpraxis. Wer einen niedrigen STS-Wert hat, muss nicht tatenlos bleiben. Gezieltes Kraft- und Ausdauertraining verlangsamt den Muskelabbau nachweislich und kann ihn in manchen Fällen sogar teilweise umkehren.











