Abnehmspritzen werden vor allem zur Behandlung von Adipositas eingesetzt und sollen krankhaftes Übergewicht reduzieren. Forscher des New Jersey Gun Violence Research Center haben einen überraschenden Nebeneffekt entdeckt. Ihre Studie zeigt, dass Menschen mit erhöhter Gewaltbereitschaft während einer Therapie mit GLP-1-Wirkstoffen deutlich seltener impulsiv handeln. Dies deutet darauf hin, dass die Medikamente neben dem Appetit auch bestimmte Prozesse im Gehirn beeinflussen könnten.

Abnehmspritze senkt die Gewaltbereitschaft

Demnach kann eine Therapie mit sogenannten GLP 1 Wirkstoffen impulsives und gewalttätiges Verhalten deutlich verringern. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Criminology“ veröffentlicht.

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Geleitet wurde die Untersuchung von Daniel Semenza, Forschungsdirektor des New Jersey Gun Violence Research Center an der Rutgers University, gemeinsam mit seinem Kollegen Christopher Thomas. Grundlage der Studie war eine Befragung von rund 7500 Erwachsenen zu Straftaten wie Körperverletzung, Raub oder körperlichen Auseinandersetzungen. Für die Analyse konzentrierte sich das Forschungsteam auf 821 Personen, die die Medikamente Wegovy oder Mounjaro einnahmen oder zuvor verwendet hatten.

Die Ergebnisse fielen bemerkenswert aus. Bei Teilnehmern, die aktuell ein GLP-1 Medikament nutzten, war der Zusammenhang zwischen Impulsivität und gewalttätigem Verhalten um 62 Prozent geringer. Auch der Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Gewalt verringerte sich um rund 52 Prozent, wenngleich dieser Befund statistisch weniger eindeutig ausfiel. Gleichzeitig zeigte die Studie, dass der beobachtete Effekt nach dem Ende der Therapie wieder nachließ.

Warum wirken Abnehmspritzen auf das Aggressionspotenzial?

Die zur Gewichtsreduktion entwickelten Medikamente entfalten ihre Wirkung über sogenannte GLP-1-Rezeptor-Agonisten, die unter anderem auf das Belohnungssystem und die Stressregulation im Gehirn einwirken. Viele Anwender berichten nicht nur von einem deutlich geringeren Hungergefühl, sondern auch von einem nachlassenden Verlangen nach Alkohol, Nikotin oder anderen Suchtmitteln. Nach Ansicht der Forscher könnte genau dieser Einfluss auf Impulse und Belohnungsmechanismen erklären, warum während der Therapie auch die Gewaltbereitschaft abnimmt.

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Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass ihre Untersuchung lediglich auf einer beobachtenden Querschnittsstudie basiert. Die Ergebnisse liefern daher Hinweise auf einen Zusammenhang, belegen jedoch noch keine eindeutige Ursache-Wirkungs-Beziehung. Studienleiter Daniel Semenza fordert deshalb weitere kontrollierte Langzeitstudien, um die biologischen und verhaltensbezogenen Prozesse hinter diesem möglichen Effekt genauer zu verstehen.