Kaum werden die Pläne zur Zuckersteuer konkreter, ist der Aufschrei groß. Vor allem ein Punkt treibt viele um: Auch Getränke mit Süßstoff sollen besteuert werden. Obwohl doch gar kein Zucker drin ist! Also geht es gar nicht um Gesundheit, sondern schlicht ums Abkassieren? Der Verdacht mag nicht völlig aus der Luft gegriffen sein. Ja, die Steuer spült Geld in die Kasse – das tut jede Lenkungsabgabe. Aber der Vorwurf wäre nur dann vernichtend, wenn sie sonst nichts bewirken würde. Das Gegenteil ist der Fall.

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Großbritannien hat 2018 eine Abgabe auf zuckerhaltige Softdrinks eingeführt, gestaffelt nach Zuckergehalt. Das Ergebnis: Die Hersteller haben ihre Rezepturen umgestellt, bevor die Steuer überhaupt griff. Der Zuckergehalt in Getränken sank, der Konsum ebenfalls. Kein Verbot, keine Bevormundung. Positiver Effekt auf die Gesundheit über die Rezeptur.
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Bleibt der Streit um die Süßstoffe. Warum werden sie besteuert, wo sie doch keine Kalorien liefern? Weil auch sie nicht automatisch gesund sind, die Studienlage teils noch sehr dünn ist und sie im Verdacht stehen, Krankheiten wie Krebs zumindest zu begünstigen. Und insbesondere weil sie für einen Gewöhnungseffekt sorgen. Wer von klein auf alles extrem süß kennt, entwickelt Geschmacksvorlieben, die ein Leben lang halten – auch wenn der Zucker durch Chemie ersetzt wurde.

Der Staat darf, ja muss eingreifen, wenn eine Industrie systematisch auf Produkte setzt, die Menschen krank machen. Aber die andere Hälfte der Wahrheit ist auch: Keine Steuer der Welt entbindet uns davon, selbst hinzuschauen. Was lege ich in den Einkaufswagen? Was trinke und esse ich da täglich? Politik kann Rahmen setzen. Den Griff ins Regal macht am Ende jeder selbst.








