- Marlen fragt sich in allen Beziehungen: Ist er der Richtige?
- Sie ist unsicher, ob sie vielleicht das Problem ist
- Zwei Therapeuten erklären, wie man darauf eine Antwort findet
Woran erkennt man den richtigen Partner? Diese Frage lässt Marlen nicht los. Die 27-Jährige, deren Name aus Gründen der Anonymität geändert wurde, beschreibt sich als Kopfmensch, der Unsicherheit nur schwer aushält. Besonders wenn eine Beziehung ernster wird oder Konflikte auftauchen, beginnt das Gedankenkarussell, sagt sie: „Passt dieser Mensch wirklich zu mir? Sollte es sich nicht anders anfühlen zwischen uns?“ Das Muster kennt sie aus früheren Beziehungen: zwei Partnerschaften von jeweils rund zwei Jahren und eine neunmonatige On-off-Beziehung.

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Ihren jetzigen Partner lernte sie im November 2025 kennen; ein Paar wurden sie erst in diesem Sommer, weil zunächst er und später sie selbst sich nicht festlegen konnten. „In allen Beziehungen habe ich mich oft gefragt: Ist es das jetzt?“, so Marlen. Sie möchte wissen, woran sich erkennen lässt, ob solche Zweifel ein Warnsignal sind – oder eher Ausdruck der eigenen Angst vor Unsicherheit. „Vielleicht gibt es ja aus Ihrer therapeutischen Erfahrung heraus ein paar Fragen, die man sich in solchen Situationen stellen kann, um Klarheit zu bekommen?“ Mit dieser Bitte um Rat hat sie sich in einem Leserbrief an unser Paartherapeutenpaar Andrea Katz-Straden und Gisbert Straden gewandt. Im Folgenden die Antwort der beiden Experten.
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Beziehung anzweifeln: Woran erkennt man den richtigen Partner?
Liebe Marlen,
Ihr Brief dürfte die Hälfte unserer Leserschaft um zwei Uhr nachts beim Grübeln ertappen – nur bringen es die wenigsten so klar auf den Punkt wie Sie. Deshalb zuerst die kurze, unbequeme Wahrheit: Das eine untrügliche Zeichen, an dem Sie „den Richtigen“ erkennen, gibt es nicht. Wer Ihnen etwas anderes verspricht, verkauft demnächst auch Wünschelruten für die Partnersuche. Dass Sie bei Konflikten ins Grübeln geraten, macht Sie nicht zur „schwierigen Kopfmenschin“.
Sie beobachten sehr genau, was in Ihnen passiert – nur schießt der Kopf dabei manchmal übers Ziel hinaus. Die Sozialpsychologen Samantha Joel und Geoff MacDonald fassten 2021 Forschung zum sogenannten „Progression Bias“ zusammen. Damit ist die Tendenz gemeint, Beziehungen eher fortzuführen und zu vertiefen, als sie zu beenden. Sie machen also etwas, das durchaus sinnvoll sein kann: Sie prüfen. Das ist grundsätzlich gesünder als blindes Weiterlaufen – wird aber anstrengend, wenn daraus ein Dauerzustand wird und jeder Konflikt sofort die ganze Beziehung infrage stellt.

Beziehungszweifel: Fünf Fragen für mehr Klarheit
Hilfreicher als ein diffuses „Fühlt sich das richtig an?“ sind konkretere Fragen:
- Ist der Zweifel konkret oder diffus? „Er hat mir im Streit zugehört, danach aber wochenlang nicht mehr über das Thema gesprochen“ ist ein konkreter Befund. „Irgendwie fühlt sich Liebe anders an“ ist schwerer einzuordnen und kann auch mit geringer Unsicherheitstoleranz zu tun haben – also damit, Ungewissheit nur schwer auszuhalten.
- Wie reagiert Ihr Partner auf die kleinen Dinge? Die Psychologen Janice Driver und John Gottman beobachteten in ihrer 2004 veröffentlichten Studie 49 frisch verheiratete Paare. Dabei zeigte sich ein Zusammenhang zwischen positiven, spielerischen Momenten im Alltag und mehr Humor und Zuneigung bei Konflikten. Beobachten Sie also weniger die große Kompatibilitätsfrage als den Dienstagnachmittag: Wird zurückgegrinst, wenn Sie etwas zeigen wollen?
- War Ihr „Jetzt sind wir zusammen“ eine Entscheidung – oder ein Hineinrutschen? Die Psychologen Jesse Owen, Galena Rhoades und Scott Stanley untersuchten 2013 bei 252 Menschen, wie bewusst sie Entscheidungen in ihrer Beziehung trafen. Wer stärker das Gefühl hatte, sich bewusst für Beziehungsschritte entschieden zu haben, berichtete im Schnitt von mehr Zufriedenheit und Bindungsbereitschaft sowie seltener von Untreue. Die Studie zeigt allerdings einen Zusammenhang, keine Ursache. Die gute Nachricht für Sie: Auch wenn der Anlauf holprig war, haben Sie und Ihr Partner diesen Sommer offenbar aktiv „Ja“ gesagt, statt einfach nebeneinanderher weiterzumachen. Das ist eher ein Pluspunkt als ein Alarmsignal.
- Was genau lief bei der On-off-Beziehung schief – und ist das hier vergleichbar? Die Kommunikationsforscherin René Dailey und ihr Team befragten 2011 274 Menschen mit On-off-Erfahrung. Ein häufiger Grund dafür, wieder zusammenzukommen, waren anhaltende Gefühle; auch Unsicherheit über die vorherige Trennung spielte eine Rolle. Entscheidend ist also nicht: „Ich hatte schon mal eine On-off-Beziehung – bin ich deshalb fürs Zweifeln verdammt?“, sondern: Was war damals das eigentliche Problem, und wurde es wirklich geklärt? Bei Ihrer jetzigen Beziehung lohnt sich dieselbe Frage: Haben Sie Ihr beiderseitiges Zögern besprochen und verstanden – oder einfach irgendwann überwunden?
- Kommt die Frage aus der Beziehung heraus – oder aus Ihnen selbst? Ein hilfreicher Realitätscheck: Würden Sie sich dieselbe Frage auch stellen, wenn gerade nichts Konkretes vorgefallen wäre? Wenn ja, könnte es sich lohnen, die eigene Unsicherheitstoleranz auch unabhängig von dieser einen Beziehung anzuschauen – gegebenenfalls mit therapeutischer Unterstützung.
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Sie haben nach einem konkreten Werkzeug gefragt. Tauschen Sie das ständige Gefühls-Scannen gegen einen festen Termin mit sich selbst: zehn Minuten, einmal pro Woche. Notieren Sie drei Dinge: einen Moment, in dem Ihr Partner Sie gesehen hat, einen Moment, in dem Sie sich unverstanden fühlten – und was Sie ihm dazu gesagt haben. Und schließlich eine Sache, die Sie in dieser Woche noch klären möchten. So nimmt Ihr Kopf nicht mehr jede Minute die Beziehung unter die Lupe, ohne dass Sie aufhören, hinzuschauen.
Zum Schluss das Wichtigste, liebe Marlen: Sie werden in einer Beziehung keine hundertprozentige Sicherheit bekommen. Die gibt es hier so wenig wie im Rest des Lebens. Zweifel müssen deshalb nicht automatisch bedeuten, dass mit der Beziehung etwas nicht stimmt. Ihr Kopf ist ein exzellenter Anwalt – als Wahrsager taugt er nichts.
Ihre Paartherapeuten Andrea Katz-Straden und Gisbert Straden
Ihre Beziehungsfrage, Ihre Geschichte – schreiben Sie uns!
Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht und wollen uns Ihre Geschichte erzählen? Oder haben Sie Fragen zu einem Partnerschaftskonflikt oder sonstigen Beziehungsthemen? Schreiben Sie uns einfach unter beziehung@funkemedien.de – auf Wunsch auch anonym. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören.
Gerne leiten wir Ihre Fragen auch an unsere Beziehungsexperten weiter, wie etwa das Therapeutenpaar Andrea Katz-Straden und Gisbert Straden. Sie geben dann Antwort auf die wichtigsten Fragen.







