Wir leben in extrem schnellen Zeiten. Die Digitalisierung samt dauerhafter Erreichbarkeit setzt vielen zu. Die Berichte der Krankenkassen zeigen seit geraumer Zeit, dass psychische Probleme zunehmen und für viele Fehltage im Job verantwortlich sind. Die Kosten für die Volkswirtschaft gehen in die Milliarden. Mit dem Vorwurf, die Jugend sei „zu empfindlich“, ist es schlicht nicht getan. Denn: Psychische Verhaltensstörungen sind einer der Hauptgründe für vorzeitige Verrentungen.

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Das Phänomen der Überforderung ist nicht neu. Es wurde schon während der Industrialisierung im 19. Jahrhundert beobachtet. Viele Menschen begannen, über Gereiztheit, ständige Erschöpfung und Kopf- oder Rückenschmerzen zu klagen. Die Wissenschaft hat dafür im Nachhinein unter anderem wachsende Städte, Eisenbahnen, Elektrizität und Kaufhäuser verantwortlich gemacht. Das alles habe Menschen lange Zeit überfordert.

Kai Wiedermann, Redakteur im Ressort Ratgeber/Wissen
Kai Wiedermann ist Redakteur im Ressort Leben der FUNKE Zentralredaktion.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Im Gesundheitswesen gibt es viele Experten, die seit Langem darauf hinweisen, dass die Digitalisierung schwere Nebenwirkungen hat. Sie fordern vor allem die Unternehmen dazu auf, gegenzusteuern: mit neuer Führungskultur, mehr Achtsamkeit, weniger Druck. Dass immer mehr junge Menschen über psychische Probleme klagen, sollte aber auch die Politik aufhorchen lassen. Die sozialen Systeme in Deutschland brauchen eine gesunde Mitarbeiterschaft, sonst sind sie nicht nur bedroht, sondern in Zukunft dem Kollaps geweiht.

Natürlich ist jeder selbst mit dafür verantwortlich, auf sich und seine Gesundheit zu achten. Doch es braucht dafür das passende Umfeld und Vorbilder. Und diese zu schaffen, dafür sind andere in der Verantwortung.