Körperfett hat einen schlechten Ruf. Die Fitnessindustrie verspricht, es zu verbrennen, Diätprogramme wollen es reduzieren und in sozialen Netzwerken gilt ein möglichst niedriger Fettanteil als Schönheitsideal. Neue Medikamente zur Gewichtsreduktion, allen voran Abnehmspritzen, verstärken den Wunsch nach Schlankheit.

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Dabei gerät eine wesentliche Tatsache in den Hintergrund: Der menschliche Körper ist auf Fett angewiesen – und zwar nicht nur als Energiereserve für schlechte Zeiten. Forschende und Mediziner aus den USA und Europa erklären, weshalb Körperfett weit mehr ist als überflüssiges Gewicht, wie viel davon der Mensch tatsächlich braucht und wann das Streben nach weniger zum Gesundheitsrisiko wird.

Gesundheit: Warum Körperfett lebenswichtig ist

Dass Körperfett als Energiereserve dient, ist weithin bekannt. Seine Zellen speichern überschüssige Energie und geben sie bei Bedarf wieder frei. Dieser Mechanismus half unseren Vorfahren, Zeiten des Nahrungsmangels zu überstehen.

Doch Fettgewebe reguliert auch das Hungergefühl und wichtige Körperfunktionen. Dafür produziert es unter anderem das Hormon Leptin, das dem Gehirn signalisiert, wie gut die Energiereserven gefüllt sind, wie das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erläutert. Sinkt der Leptinspiegel bei starkem Energiemangel, können Fortpflanzung und Immunabwehr beeinträchtigt werden.

Auch die Körpertemperatur wird durch Fett reguliert: Weißes Fett schützt vor Wärmeverlust, während braunes Fett Energie in Wärme umwandelt. Forscher der Universität Maastricht zeigten 2009 im „New England Journal of Medicine“, dass braunes Fett bei Kälte besonders aktiv wird. Bei 23 von 24 untersuchten Männern ließ sich bei 16 Grad Celsius eine entsprechende Aktivität nachweisen.

Zu wenig Körperfett: Welche gesundheitlichen Folgen drohen?

Steht dem Körper über längere Zeit zu wenig Energie zur Verfügung, kann das erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Bei anhaltendem Energiemangel versucht der Körper zunächst, seine Reserven zu schonen. Reicht die Energie auf Dauer nicht aus, baut er zunehmend Muskelmasse ab. Auch die Knochen könnten geschwächt werden, wodurch das Risiko für Knochenbrüche steige, erläutert Fredrik Karpe, Professor für Stoffwechselmedizin an der Universität Oxford, gegenüber der „BBC“. „Das ist kein gesunder Zustand“, warnt er.

Auch der Hormonhaushalt kann leiden. Bei Männern kann der Testosteronspiegel sinken, bei Frauen die Monatsblutung unregelmäßig werden oder ganz ausbleiben. Darauf weisen Forscher des Universitätsklinikums Tübingen in einer 2024 veröffentlichten Übersichtsarbeit hin. Besonders gefährdet seien Sportler, die über längere Zeit mehr Energie verbrauchen, als sie durch die Ernährung aufnehmen.

Im Extremfall kann Mangelernährung lebensbedrohlich werden, etwa bei Magersucht. Die Erkrankung kann schwere Organschäden verursachen und gehört laut IQWiG zu den psychischen Erkrankungen mit einem besonders hohen Sterberisiko.

Wie viel Körperfett ist gesund? Auf die Verteilung kommt es an

Wie viel Körperfett braucht der Mensch also tatsächlich? Eine allgemeingültige Antwort gibt es nicht. Nach Angaben des IQWiG gelten bei Männern acht bis 25 Prozent als normal, bei Frauen 20 bis 35 Prozent. Die Werte dienen jedoch nur als Orientierung. Wie viel Fett gesund ist, hängt unter anderem von Alter, Geschlecht und Körperbau ab.

Entscheidend ist zudem, wo sich das Fett ansammelt. Während Fett unter der Haut als Energiespeicher und Schutzpolster dient, kann sogenanntes viszerales Fett gesundheitliche Risiken bergen. Es umgibt die inneren Organe im Bauchraum und kann im Übermaß Entzündungen fördern sowie den Zuckerstoffwechsel beeinträchtigen.

Ein Anhaltspunkt für die Fettverteilung ist der Taillenumfang. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) steigt das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen bei Frauen ab einem Umfang von mehr als 80 Zentimetern, bei Männern von mehr als 94 Zentimetern.

Körperfett messen: Welche Methoden sind zuverlässig?

Wie hoch der Körperfettanteil tatsächlich ist, lässt sich mit einem Maßband nicht bestimmen. Dafür gibt es verschiedene Verfahren. Als besonders präzise gilt die sogenannte DEXA-Messung, bei der schwache Röntgenstrahlen die Zusammensetzung des Körpers erfassen. So lassen sich Fett, fettfreie Körpermasse und Knochenmineralgehalt unterscheiden. Das Verfahren wird auch in der Forschung eingesetzt, ist für den Alltag aber vergleichsweise aufwendig.

Einfacher ist die Hautfaltenmessung. Dabei wird mit einer speziellen Zange an mehreren Körperstellen gemessen, wie dick die Hautfalten samt darunterliegendem Fett sind. Daraus lässt sich der Körperfettanteil schätzen. Das tiefer im Bauchraum liegende Fett kann die Methode jedoch nicht erfassen, wie die Krankenkasse AOK erläutert.

Auch digitale Körperfettwaagen liefern nur Schätzwerte. Sie leiten einen schwachen Strom durch den Körper und berechnen anhand des elektrischen Widerstands den Fettanteil. Allerdings kann laut AOK unter anderem der Flüssigkeitshaushalt das Ergebnis verfälschen.

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Eine genaue Messung ist für die Einschätzung gesundheitlicher Risiken jedoch nicht immer nötig. Die britische Gesundheitsbehörde NICE empfiehlt, den Taillenumfang auch ins Verhältnis zur Körpergröße zu setzen. Bei 80 Zentimetern Taille und 170 Zentimetern Körpergröße ergibt sich ein Wert von 0,47. Als günstige Orientierung gilt ein Verhältnis unter 0,5.