THC-Frauen gegen Podravka: Sich selbst besiegt

Nordhausen.  Die Handballerinnen des Thüringer HC verpassen das Halbfinale um EHF-Cup. Kritik kommt von Trainer Müller.

Haarige Angelegenheit: Auch für Alicia Stolle (links) war gegen Podravka kaum ein Durchkommen.

Haarige Angelegenheit: Auch für Alicia Stolle (links) war gegen Podravka kaum ein Durchkommen.

Foto: Sascha Fromm

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Beate Scheffknecht stand am Spielfeldrand und hielt sich einen Eisbeutel an das rechte Auge. So schmerzhaft der Schlag auf den Kopf für die österreichische Nationalspielerin gewesen ist, ihre Mannschaft ist diesmal nicht mit einem blauen Auge davongekommen. Herbert Müller nämlich war so richtig bedient – und fand deutliche Worte. „Unsere Stärke war es früher, dass wir mehr gerackert haben als alle anderen. Ich habe das Gefühl, dass wir nur schön sind und manche denken, dass sie hier im Verein nicht alles geben müssen“, sagte der Trainer, nachdem für seine Mannschaft die Reise durch Europa beendet war.

Beim 28:34 (15:17) gegen den kroatischen Meister HC Podravka aus Koprivnica im Viertelfinal-Rückspiel des EHF-Pokals stellte sich der Thüringer HC nicht zum ersten Mal in dieser Saison selbst ein Bein. Als zehn heißblütige und ebenso lautstarke Fans aus Kroatien das Weiterkommen bejubelten, saßen die THC-Frauen mit hängenden Köpfen am Spielfeldrand. Dabei war nach dem 23:27 im Hinspiel nun in Nordhausen beim 21:21 eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff noch gar nichts verloren.

„Dass wir kurz vor der Halbzeit die knappe Führung aus der Hand gegeben haben und stattdessen mit zwei Toren Rückstand in die Pause gehen, war einer der Knackpunkte“, sagte Emily Bölk mit Blick auf das 15:14 durch Lydia Jakubisova (28.). Aber der THC gab jenen hoffnungsvollen Zwischenstand viel zu schnell wieder aus der Hand.

Nationalspielerin Bölk war die einzige Akteurin, die den Versuch unternahm, ihre Mannschaft mitzureißen. Erst am Tag vor dem Duell gegen Koprivnica absolvierte sie ein erstes Training, nachdem die 21-Jährige zuvor erkältet war und noch immer nicht in Vollbesitz ihrer Kräfte spielte. Aber genau sie war es, die mit dem wuchtigen Wurf zum 1:0 ein erstes Signal zur Aufholjagd setzte und auch beim 11:11 (18.) ihren Verein im Spiel hielt.

Das Problem aber war vor allem die Abwehr, die zur Halbzeit schon 17 Gegentreffer geschluckt hatte. Da half es auch nichts, dass THC-Trainer Müller nach einer Viertelstunde nun Marie Davidsden zwischen die Pfosten beorderte. Als Ann-Cathrin Giegerich in der 25. Minute zurückkehrte und einen Strafwurf entschärfte, war dies der einzige entscheidende Ballgewinn vor der Pause. „Wir wollen euch kämpfen sehen“, skandierten die Fans in der Halbzeit. Aber genau das hat Herbert Müller schmerzlich vermisst. Er sprach sogar von einer Mentalitätsfrage. „Um sich in solch einem Spiel durchzusetzen, müssen wir anders auftreten“, sagte der Trainer, der darüber hinaus die technischen Fehler seiner Spielerinnen gar nicht mehr zählen konnte. Selbst beim 24:25 (50.) hielt Bölk das Geschehen offen und es hätte zumindest noch einmal spannend werden können beim verzweifelten Kampf, den Vier-Tore-Rückstand aus dem Hinspiel doch noch aufzuholen. Aber Podravka ließ sich so kurz vor der Ziellinie nicht mehr überlisten und hatte beim 24:27 (52.) nichts mehr zu befürchten.

Trotz des bitteren Ausscheidens steht für den THC in dieser Saison ja noch als Titelverteidiger die Endrunde um den deutschen Pokal auf dem Plan. Und in der Bundesliga muss der Klub ebenso kämpfen, um sich überhaupt für eine weitere Serie im internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Aber Herbert Müller dachte vorerst nur ans große Ganze: „So, wie wir in dieser Saison auftreten, das müssen wir ändern.“

Kommentar: Eine Frage der Mentalität

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