Landkreis bereitet sich auf Schweinepest vor

Sömmerda.  Verstärkter Abschuss und Zäune um Schweineställe sollen vor den tödlichen Viren schützen.

Im Stall der Weilepps haben 600 Schweine Platz. Sie werden in einem Stall mit Freiflächen gehalten. Kommt die Schweinepest, sieht es für den Betrieb düster aus.

Im Stall der Weilepps haben 600 Schweine Platz. Sie werden in einem Stall mit Freiflächen gehalten. Kommt die Schweinepest, sieht es für den Betrieb düster aus.

Foto: Jens König

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Etwa 42 Kilometer von der deutschen Grenze entfernt wurde in Polen ein totes Wildschwein gefunden, bei dem die afrikanische Schweinepest festgestellt worden ist. Dass das für Schweine tödliche Virus immer näher an Deutschland heranrückt, beschäftigt auch die Bauern und Jäger im Landkreis Sömmerda.

„Die Seuche kommt garantiert auch zu uns“, sagt Rüdiger Fladung, Vorsitzender der Kreisjägerschaft in Sömmerda. Seit zwei Jahren werde in den Wäldern als Seuchenprävention verstärkt Jagd auf Wildschweine gemacht. Vor allem an der Hohen Schrecke und in den Wäldern rund um Buttstädt und Rastenberg vergrößern sich die Schwarzwildpopulationen rasant, sagt Fladung. „Seit einigen Jahren verbreiten sich die Schweine aber auch in kleineren Waldgebieten und holen sich ihr Futter von den Feldern.“

Tritt die Seuche in der Region auf, greife laut Fladung ein Notfallplan, der zusammen mit dem Veterinäramt erarbeitet wurde und seit einem Jahr steht. Wird ein totes Wildschwein mit dem Virus gefunden, gibt es drei Zonen, sagt Fladung. Die sogenannte heiße Zone umgibt den direkten Fundort des toten Tieres in einem Radius von vier Kilometern, der mit einem elektrischen Zaun abgegrenzt wird. Das Zaunmaterial für den Ernstfall liegt beim Thüringenforst schon bereit, weiß der Jäger.

Wildschweine infizieren sich über Speisereste

Auch die Jagd soll dann weiter verschärft werden. „Derzeit jagen wir noch nach Jagdgesetz. Kommt die Seuche zu uns, greift zusätzlich das Tierseuchenrecht“, sagt der Jäger. Dann werde zum Beispiel auch nachts geschossen und mit künstlichem Licht gearbeitet.

In der heißen Zone allerdings werde dann nicht mehr gejagt, so Fladung. Denn dadurch werde das vielleicht schon infizierte Wild aufgeschreckt und in die Fläche getrieben. Ziel sei es aber, das Gebiet, in dem das Virus auftritt, so klein wie möglich zu halten.

Die afrikanische Schweinepest ist hochansteckend. Von der Infektion bis zum Tod des Tieres dauert es gerade einmal zwei bis drei Tage, so Fladung. Für Menschen sind die Viren ungefährlich. Die größte Infektionsgefahr droht den Wildschweinen durch Speisereste, die zum Beispiel von Lastwagenfahrern, die im Ausland unterwegs waren, in die Natur geworfen werden. „Und die Viren sind hartnäckig. Bis zu sechs Monate können sie überleben“, sagt Fladung.

Personenverkehr im Stall eingeschränkt

Das beunruhigt auch die Bauern in der Region. Durch Schmutz an Schuhen oder Fahrzeugen können die Viren in die Schweinezuchtbetriebe gelangen. Deshalb seien die Hygienevorschriften in den Schweineställen, die sogenannten Biosicherheitsmaßnahmen, auch verstärkt worden, sagt Bert Kämmerer, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Sömmerda und Chef der Geratal Agrar GmbH.

Fünf Schweinemastbetriebe gibt es im Landkreis. Allein in Kämmerers Stall in Andisleben leben 1150 Zuchtsauen mit Ferkelaufzucht und 4365 Mastschweine. Auch den Personenverkehr im Stall habe der Betrieb stark eingeschränkt. Der Zaun werde verstärkt überprüft, damit Wild keine Chance hat, in die Nähe des Stalls zu kommen. „Die Tore zum Gelände werden nur geöffnet, wenn es notwendig ist“, so Kämmerer.

Was es für Auswirkungen für seinen Betrieb haben wird, wenn die afrikanische Schweinepest nach Deutschland kommt, das kann der Landwirt noch nicht abschätzen. Sollte ein Wildschwein in der Nähe seines Stalles gefunden werden, könne es sein, dass der Bestand aus Vorsicht komplett getötet werden muss. Aber auch, wenn das nicht der Fall sein sollte, werde es große Schwierigkeiten mit der Vermarktung geben.

Wird Seuche im Stall nachgewiesen, müssen alle Tiere getötet werden

„Wir Landwirte fühlen uns vorbereitet“, sagt Kämmerer. Allerdings würde er sich sicherer fühlen, wenn Bund und Länder sich für einen Schutzzaun an der Grenze zu Polen entscheiden würden. Und auch die Transitstrecken nach Osteuropa sollten seiner Meinung nach strenger kontrolliert werden.

Für Regine Weilepp ist die Schweinepest eine Horrorvorstellung. Die Schweine der Weilepps leben in Offenställen und kommen somit auch mit der näheren Umwelt in Berührung. Sollte das Virus nachgewiesen werden, müssten alle Tiere getötet werden. Weil es sehr resistent ist, dürfte der Stall auch nicht gleich wieder besetzt werden. „Es würde Jahre dauern, bis wir wieder wirtschaftlich arbeiten könnten. Das wäre unser Ruin“, sagt Weilepp.

Der Familienbetrieb in Roldisleben läuft komplett über die Vermarktung des eigenen Viehs. Der Tierbestand könne versichert werden, der Ausfall der Einnahmen allerdings nicht.

Um die Tiere vor der Schweinepest zu schützen, ist auch der Stall in Roldisleben mit einem etwa 1,60 Meter hohen Zaun umgeben. Der sei vom Veterinäramt als Seuchenprävention vorgegeben, sagt Weilepp.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren