Wie ein Sömmerdaer die Wende erlebte

Sömmerda.  Ein Erzählcafé im Locodemu gibt den Auftakt für eine Veranstaltungsreihe, in der persönliche Erfahrungen ausgetauscht werden sollen.

Bernd Körber im Gespräch mit Anne Fanenbruck zum Thema „Wendegeschichten aus Ostdeutschland“ im Weltladen Locodemu.

Bernd Körber im Gespräch mit Anne Fanenbruck zum Thema „Wendegeschichten aus Ostdeutschland“ im Weltladen Locodemu.

Foto: Jens König

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Am 18. eines jeden Monats will der Weltladen Locodemu in Sömmerda in diesem Jahr in einer Veranstaltungsreihe „deutsch.ost“ zu Diskussion und Gedankenaustausch einladen. Den Auftakt bildete am Samstag ein Erzählcafé zum Thema „Wendegeschichten aus Ostdeutschland“, in dem der Sömmerdaer Bernd Körber über seine persönlichen Erfahrungen mit der DDR und den Geschehnissen der Jahre 1989/90 berichtete.

Aus einem kommunistisch geprägten Elternhaus kommend, wurde der aus Brandenburg Stammende Offizier der Luftstreitkräfte, zog der Liebe wegen nach Thüringen und war in der Wendezeit in Sprötau stationiert. Kurzweilig und anhand vieler Anekdoten erzählte Bernd Körber über seinen ersten Westkontakt, über Anstöße zum Nachdenken, als im September 1989 Menschen massenhaft das Land verließen, über sein Schlüsselerlebnis in der Sömmerdaer Kirche, als sich dort neue Gruppierungen und Bewegungen vorstellten und er die Wut der Leute hautnah erlebte.

Die Schere im Kopf war weg

Auch er und seine Frau hätten damals Veränderungen gewollt, allerdings nicht den Beitritt zur BRD, sondern eine andere, bessere DDR. Beide entschieden, sich stärker einzubringen, nahmen an den großen Diskussionsrunden im Volkshaus teil, waren in den Arbeitsgruppen aktiv. Als größten Gewinn habe er damals empfunden endlich sagen zu können, was er dachte. Die Schere im Kopf war weg.

Bernd Körber quittierte seinen Dienst, wechselte als Journalist in die Lokalredaktion der Thüringer Allgemeine und begleitete auch die viele Biografien beeinflussende und die Stadt prägende Massenentlassung im Büromaschinenwerk journalistisch mit.

Die Heimat wiedergefunden

Die ursprüngliche Kraft der Wendebewegung sei nach der Volkskammerwahl nahezu auf null gesunken, viele zogen sich wieder zurück und fingen wieder an hinzunehmen, erlebte er. Er selbst habe lange gebraucht, um beim Erklingen der Nationalhymne Emotionen zu empfinden, habe seine Heimat aber wiedergefunden und sei, inzwischen Unternehmensberater, zufrieden im Hier und Jetzt.

Nach fast einer Stunde gab die Interviewerin Anne Fanenbruck die Runde frei für alle Anwesenden. Einige berichteten von ihren teilweise auch ganz anderen Erfahrungen, von panischer Angst, Indoktrination und Kontrolle. Die Wendegeschichten sind noch lange nicht auserzählt.

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