So eindrucksvoll der Medaillengewinn im Einzelfall auch war; insgesamt ist Thüringens Ausbeute bei den olympischen und paralympischen Spielen ernüchternd. Zweimal Silber, einmal Bronze – mehr gab es in den Wochen von Paris nicht zu bejubeln. Thüringen stellt damit ein Abbild der deutschlandweiten Bilanz im Kleinen dar. Platz zehn (Olympia) und elf (Paralympics) im Medaillenspiegel belegen eindeutig: Deutschland hat im Sommersport den Anschluss zur Weltspitze längst verloren.

Das kommt nicht überraschend, sondern ist die Folge eines steten Abwärtstrends. Dessen Ursachen sind vielfältig und liegen tiefer als in der überschaubaren und zu Recht kritisierten Prämierung von olympischen Erfolgen. Wenn in Schulen der Sportunterricht als erstes gestrichen wird; wenn schon dort der Leistungsgedanke nahezu abgeschafft wird; wenn Sportstätten verfallen oder anderweitig belegt werden; wenn die wenigen Ehrenamtler in den Sportvereinen nicht viel mehr als warme Worte erhalten; wenn sich Trainer nicht genügend wertgeschätzt fühlen und sich aufstrebende Talente um ihren Lebensunterhalt sorgen müssen, besteht wenig Hoffnung auf Besserung.

Es ist ein gewohnter Reflex, dass nach Großereignissen die sportpolitischen Diskussionen beginnen. Geredet wird jedoch schon seit Jahren viel. Gäbe es dafür Medaillen, würde Deutschland weit vorn liegen. In Los Angeles darf man daher keine Wunderdinge erwarten; auch wenn Thüringen immer für Überraschungen gut ist – siehe Marko Grgić. Der Politik sollte im Hinblick auf die Olympiabewerbung 2040 klar sein: Will Deutschland jemals wieder eine führende Sportnation werden, muss der Sport wieder attraktiver werden. In jeglicher Hinsicht. Für alle Beteiligten.

Auch interessant