Wer sie auf der Trainerbank bei den Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt sieht, der sieht sie konzentriert – und vor allem ununterbrochen in den Laptop auf ihren Knien tippen. Jede Abwehr, jeden Angriff dokumentiert Rebekka Schneider, jede Ballberührung erfasst sie sekundenschnell in einem eigens kreierten Code aus Buchstaben und Ziffern für perfekt, weniger gut oder missraten; ob über drei Sätze oder über fünf Sätze, um zwischendurch anzufeuern und ihre Leidenschaft für Volleyball von den Spielerinnen einzufordern. Und oftmals spät am Abend beginnt die Analyse vorm Bildschirm noch einmal zur Kontrolle.

Rebekka Schneider
Rebekka Schneider fühlt sich in Erfurt wohl. Ein schöner Ort, um zu verweilen ist die Krämerbrücke.© Steffen Eß

Rebekka Schneider wäre keine, die sie sich beklagte. Das Gegenteil ist der Fall. Der Umgang mit Zahlen ist das Geschäft von Co-Trainern im professionellen Volleyball, und im Besonderen das Faible der 27-Jährigen aus Offenburg. Zahlen an sich brächten dabei nichts, erklärt sie. Wie sie sich interpretieren und nutzen lassen, sei der große Wert. „Zahlen sind wichtig, um etwas in der Hand zu haben. Zur Bestätigung der Eindrücke“, wie sich das Spiel in seinen Elementen entwickelt. „Volleyball ist ein Zahlenspiel. Es ist wichtig für den Trainer, im richtigen Moment die richtige Entscheidung zu treffen.“

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Trainer, Analystin, Managerin und Vermittlerin in einer Person

Wer Rebekka Schneider zuhört, der hört eine Trainerin, die sich in der zweiten Reihe wohlfühlt. Eine Analystin, eine kluge Beobachterin, auch Lehrerin, eine Vermittlerin. Eine, die von Volleyball fasziniert ist, den Sport lebt. Wer hinhört, lernt eine Menge über die taktische Vielfalt zwischen Aufgabe, Annahme, Zuspiel und Angriff. Und viel darüber, wie abhängig jeder Kontakt, jede Bewegung voneinander ist. Dabei verortet die eher kleine Frau auf den ersten Blick wohl kaum einer im Spiel am hohen Netz. Selbst eine Reihe von Liberas in der ersten Volleyball-Bundesliga weisen ein paar Zentimeter mehr auf als die Erfurter Co-Trainerin.

Als Frau kämpft sie gegen manch Vorurteil im Profisport, als kleine Frau erst recht. Gerade in fremden Hallen werden oft bis hin zum Physiotherapeuten eher erstmal alle Männer gefragt als sie, wenn es um Belange der Mannschaft geht, erzählt sie.

„Ich bin es gewohnt, nach oben zu schauen“, sagt „Bekki“ Schneider. Es gehört zum Alltag, seit sie in der Heimat in Baden-Württemberg in einer Volleyball-AG begonnen hat. Alltag, an dem sie wächst.

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Früh beginnt sie, Schüler zu trainieren. Christopher Röder-Rehberg (heute Geschäftsführer des Thüringer Volleyball-Verbandes) holt sie in seiner damaligen Jugendtrainer-Funktion als U12-Trainerin zum VC Offenburg. 2017 übernimmt sie dort erstmals die Co-Trainerin-Rolle im Gespann mit Florian Völker. Mit dem einstigen Cheftrainer und jetzigen Geschäftsführer kommt sie 2019 als rechte Hand nach Erfurt.

Volleyball ist die perfekte Sportart.

Rebekka Schneider, Co-Trainerin, Schwarz-Weiß Erfurt

Jede Form von Sport interessiert sie. Volleyball aber besonders. Es ist der Mix aus Athletik, Technik und Taktik-Fülle, gepaart mit vielen kleinen Jubelmomenten. „Volleyball ist die perfekte Sportart“, findet die angehende Gymnasial-Lehrerin für Mathematik und Geschichte.

Wenn Bilder von Waschmaschinen aufs Smartphone kommen

Dass Körperhöhe kein Indiz für Können im Volleyball sein muss, beweist sie zudem bei Schwarz-Weiß seit Jahren umso prägender. Viele Fäden bei der früheren Zuspielerin zusammen. Sie ist Scout, Trainerin und Teammanagerin in einer Person. Manchmal auch Elektrikerin, Klempnerin oder Seelentrösterin. Gerade im Sommer, wenn neue oft aus Übersee kommende Spielerinnen eintreffen, die Wohnungen beziehen, kommen schon mal Bilder von Waschmaschinen oder Elektroherden auf ihr Smartphone. Verbunden mit der Bitte um Hilfe.

VOLLEYBALL  DVV-POKAL  SWE - VC WIESBADEN
Einflüsterin: Mit ihren Daten schafft Rebekka Schneider Erfurts Cheftrainer Mateusz Zarczynski Entscheidungshilfen.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

„Die ersten Wochen sind besonders wichtig. Wenn man ankommt und das Gefühl hat, vertröstet zu werden, ist es schwer, dann auch Leistung zu entwickeln.“ Sie will das Gegenteil, dass sich die Neuen wohlfühlen und spricht ein wenig auch daraus, weshalb sie in der Landeshauptstadt wenn auch mit Unterbrechung heimisch geworden ist. „Ich fühle mich hier sehr wertgeschätzt. Es gibt viele Leute, die helfen.“

Neue Chance gegen Wiesbaden

Umso mehr wollte sie mit der Mannschaft endlich etwas zurückgeben. Ein Jahr lang in der zweiten Liga Pro alles gewonnen, seit der Rückkehr ins Oberhaus bisher nur verloren; manchmal wie zuletzt gegen Aachen auf enttäuschende Art. Dass die Leistung nicht in dem gewünschten Verhältnis zum Ertrag steht, stört die Co-Trainerin ebenso wie Chef-Trainer Mateusz Zarczynski und die gesamte Leitung. Es zählt aber auch zu den Herausforderungen in dieser Serie.

Rebekka Schneider trägt den festen Glauben in sich, dass die Mannschaft trotz der ernüchternden Null im Tableau punkten kann – und leistet neben dem Studium und Stunden-Geben alles dafür. Gegen den schon viermal erfolgreichen Siebten Wiesbaden besteht am Samstag eine neue Chance.

Ihr Team muss sich steigern. Niemand ist zu klein, Großes zu leisten. Schon gar nicht, um über sich hinauszuwachsen.

Schwarz-Weiß Erfurt – VC Wiesbaden, Samstag 18 Uhr, Riethsporthalle Erfurt