Das 20. Thüringenderby, der 19. Sieg. Im dritten Anlauf in dieser Bundesliga-Serie ist die Überraschung ein weiteres Mal ausgeblieben. Die Volleyballerinnen von Schwarz-Weiß Erfurt mühten sich, wie so oft. Für ein paar Momente schien es sogar, als könnten die Schwarz-Weißen den favorisierten Rivalen aus Südthüringen ernsthaft ins Grübeln bringen. Einmal mehr aber blieb der VfB Suhl im Thüringenduell mit einem 3:1 (19, 18, -22, 15) Sieger.
Zwei Patzer und ein Block von Silber-MVP Ana Krulj trieben Suhls Coach László Hollósy den Ärger ins Gesicht. Die Auszeit aber konnte das kräftige Erfurter Aufmucken nach einem 19:21 im dritten Satz nicht stoppen. Im Gegenteil: Die Erfurterinnen wurden mit jeder Nachlässigkeit des zuvor souveränen Favoriten mutiger, drehten den Spieß zum 23:21 um, kämpften wie die Löwinnen und belohnten sich nach einer Menge Rettungstaten mit dem Satzgewinn (25:22.).

Das Erfolgserlebnis des Schlusslichtes brachte das Prickeln und die Leidenschaft, die dem Derby gut zu Gesicht standen. Den Ausgang zu ändern vermochte beides nicht. Mit Wut im Bauch strafften sich die Gäste und machten nach dem Sensationssieg gegen Meister Stuttgart am vergangenen Samstag den nächsten Erfolg auf dem Weg in die Play-offs klar. Hauptangreiferin Anna Artyshuk verwandelte nach fast zwei Stunden den ersten Matchball des in dieser Serie spannendsten Derbys.
Für das Schlusslicht aus Erfurt geht der Leidensweg weiter. Ohne Chance auf die Play-offs sind noch sechs Partien zu bestreiten. Am Samstag steht beim Dritten Dresden eine besonders schwere Aufgabe an (19 Uhr). Suhl erwartet daheim mit Münster einen direkten Konkurrenten, den die auf Platz vier gekletterten Suhlerinnen gern auf Distanz halten wollen..
Sechs Spiele als Bewerbung
Etwas herzuschenken kommt für Schwarz-Weiß-Geschäftsführer Florian Völker nicht infrage. Vielmehr sieht er die kommenden Duelle als Chance für die Spielerinnen, sich zu empfehlen. Im Volleyball sind die Teams mitten in den Planungen für die nächste Spielzeit. Die Zukunftsfrage in der Bundesliga scheint derweil offen. Nicht zuletzt setzen die Erfurter wie überhaupt die Volleyball-Bundesliga (VBL) auf den angedachten Aufstieg von drei Teams aus der zweiten Liga Pro.
Die stimmungsvolle Kulisse mit 712 Zuschauern am Mittwoch in der Riethhalle deutete darauf hin, dass das Derby anzieht. Zum Leidwesen der Erfurter geriet es zunächst zu einer einseitigen Angelegenheit. Ohne seine etatmäßige Libera Minami Yoshioka schien der Gast eine Weile zu brauchen, um sich auf die Bedingungen einzustellen. Schwarz-Weiß profitierte davon und lag bis zum 9:6 vorn. Als Zuspielerin Lara Nagels nach dem folgenden Angriffspunkt Julia de Paulas an die Aufgabe kam, war es mit der Hoffnung vorbei. Was Suhls Dirigentin servierte, war von Erfurt schwer anzunehmen. Die Folge: Der Gast setzte sich auf 13:9 ab, war im Fluss und holte sich den Durchgang beim 25:18 ungefährdet.

Wie die Serie der aufschlagstarken Belgierin konnten die Erfurterinnen ebenso wenig den Lauf von Laura Berger im zweiten Satz stoppen. Auch in dem hatten die Einheimischen anfangs geführt. Ein 7:0-Zwischenspurt zum 15:22 mit Berger im Service ebnete den Gästen den Weg zur Zwei-Satz-Führung.
Angriffshärte, Aufschlag, Annahme, Block – in einigen Punkten besaß Suhl Vorteile. Eine Serie von drei Assen der Diagonalspielerin Ana Krulj eingangs des zweiten Satzes gehörte zu den Momenten, die das Publikum begeisterte, bis bei den Einheimischen das Kämpferherz noch einmal groß erwachte.


