Nach dem späten Abendessen am Samstagabend stellte Lutz Leßmann eine Creme-Torte auf den runden Spieler-Tisch. Der süße Nachtisch sollte ein kleiner Trost für die Thuringia Bulls sein, die beim Final-4-Turnier des Champions Cups leer ausgegangen waren. Nach der Halbfinalniederlage gegen Amicacci Abruzzo aus Giulianova (Italien/58:67) hatten sie auch das Spiel um Platz drei gegen Ilunion Madrid sang- und klanglos mit 50:86 verloren. Eine sportliche Ohrfeige für die Rollstuhlbasketballer aus Elxleben, die mit berechtigten Titelambitionen nach Istanbul gereist waren.

Ursachenforschung nach zwei indiskutablen Auftritten
„Wir haben nie unser Level erreicht und Fehler gemacht, die ich noch nie gesehen habe“, meinte der Bulls-Chef kopfschüttelnd und zeigte sich bei der Ursachenforschung ebenso ratlos wie Trainer André Bienek. Hatte die dreiwöchige Spielpause seit den Play-off-Halbfinals gegen Hannover die Mannschaft aus dem Tritt gebracht? War die Unruhe um die lange vakante Lieferung der Sport-Rollstühle zu groß? Oder hatten die Elxleber den italienischen Außenseiter im Semifinale schlichtweg unterschätzt?

„Man kann sicher spekulieren, mutmaßen und nach Fehlern suchen. Die Halbfinalniederlage war sicherlich nur schwer zu verdauen. Aber am Ende haben wir unser Spiel zweimal nicht aufs Feld gebracht. So ehrlich muss man sein“, resümierte Bienek. Was in beiden Partien auffiel: Die Bulls fanden kein Mittel gegen das aggressive Pressing der Gegner, ließen unter dem eigenen Korb enorm viele Punkte zu (30 bzw. 46) und vergaben in der Offensive unzählige Chancen. Die Trefferquote aus dem Feld heraus (37 bzw. 33 Prozent) spricht Bände.
Wir haben unser Spiel, für das wir europaweit, ja weltweit bekannt sind, nie wirklich durchsetzen können.
Jens Albrecht, Kapitän der RSB Thuringia Bulls
Vor allem die Leistungsträger enttäuschten. Weder die deutschen Nationalspieler Alex Halouski und Jens Albrecht erreichten Normalform noch die international erfahrenen Jordi Ruiz und Vahid Azad. Allenfalls Joakim Linden (18 bzw. 17 Punkte) wusste phasenweise zu überzeugen. „Wir haben unser Spiel, für das wir europaweit, ja weltweit bekannt sind, nie wirklich durchsetzen können. Das hat uns schon verunsichert. Aber ganz ehrlich: Das darf uns nicht passieren“, sagte Kapitän Albrecht selbstkritisch.
Fokus liegt nun auf der deutschen Meisterschaft
Die Enttäuschung stand allen Bulls am Sonntag noch ins Gesicht geschrieben. Doch sie richteten bereits den Blick nach vorn: „Es geht jetzt darum, den Kopf frei zu kriegen und in Wetzlar unser richtiges Gesicht zu zeigen“, spielte Leßmann auf die anstehenden Play-off-Finals gegen den RSV Lahn-Dill (14. bis 18. Mai) an. „Da wollen wir ganz anders auftreten. Aber dafür müssen definitiv einige Schalter umgelegt werden“, kündigte Albrecht eine klare Analyse an. Und sein Trainer ergänzte: „So sehr es hier auch wehgetan hat – unser Fokus liegt jetzt auf deutschen Meisterschaft.“
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Den Champions Cup holte sich Amiab Albacete durch einen 62:42-Finalsieg über Giulianova. Es ist der vierte Titelgewinn in Folge für die Spanier – ein Novum im Rollstuhlbasketball. Entsprechend lautstark ließen sie es Samstagabend im Teamhotel „Sundance“ krachen. Die Bulls dagegen zogen sich, als die Torte verputzt war, still und leise zurück. Bereits am Sonntagmorgen stand die Rückreise an. Ohne Medaille im Gepäck.




