Der große Sieger von Erfurt hat sich selbst überrascht und konnte sein Glück kaum fassen. „Ich bin hier angetreten, um Platz zwei zu holen. Dass ich Meister werden könnte, daran habe ich nie gedacht“, sagte ein selbst verblüffter Robin Rautzenberg, der sich bei den Titelkämpfen der Steher auf dem brütend heißen Oval im Andreasried mit Schrittmacher Sven Lohse erstmals die Krone aufsetzte.

Sieger Rautzenberg holt Start-Ziel-Sieg

Außergewöhnlich war der Triumph auch deshalb, weil der 24-Jährige aus Chemnitz einen Start-Ziel-Sieg landete und sämtliche Konkurrenten scheinbar spielend überrundete. Lokalmatador Franz Schiewer auf Rang zwei fuhr erst die zweite Meisterschaft mit Schrittmacher Patrick Wolfrum aus Peitz und war froh über die Platzierung. „Deshalb hatten wir gar nicht im Fokus, um eine Medaille mitzufahren“, sagte der 34-Jährige vom RSC Turbine Erfurt.

Lokalmatador Harnisch verpasst überraschend Finale

Er lag im großen Finale noch vor Titelverteidiger Luca Harter vom RSV Irschenberg mit Andre Dippel (Bielefeld). Lokalmatador Daniel Harnisch, zweiter Starter vom RSC Turbine, hatte mit Schrittmacher Gerd Gessler überraschend das Finale nicht erreicht. „Daniel war einer der Mitfavoriten. Ich hoffe, mein zweiter Platz war für das Erfurter Publikum ein versöhnlicher Abschluss“, sagte Schiewer.

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Schiewers Medaille stand allerdings auf der Kippe, als er in der Mitte des 50 Kilometer langen Rennens einen Reifenschaden hatte. Der Plattfuß war schnell behoben, indem er mit einem Ersatzrad weiterfuhr. „Ich habe versucht, so zu tun, als ob ich cool wäre. Aber da geht einem schon die Düse“, sagte Schiewer, der bei mehr als 60 Kilometer pro Stunde des Feldes erst wieder Fahrt aufnehmen musste.

Teutenberg krönt sich zum deutschen Derny-Meister

Einen überragenden Sieg eroberte in der Derny-Entscheidung derweil Tim Torn Teutenberg. Der 22 Jahre alte Straßenradprofi vom amerikanischen Rennstall Lidl-Trek, der aber auch schon als Bahnrad-Weltmeister im Madison für Furore sorgte, holte nach Omnium-Gold von 2023 und 2024 nun seinen dritten nationalen Titel bei den Männern: „Wenn man eine Meisterschaft gewinnt, ist das immer ein schönes Erlebnis. Das hat man nicht jeden Tag.“

Auf der Ziellinie reißt Derny-Meister Tim Torn Teutenberg hinter Schrittmacher Thomas Funck vor lauter Freude sein Vorderrad in die Luft.
Auf der Ziellinie reißt Derny-Meister Tim Torn Teutenberg hinter Schrittmacher Thomas Funck vor lauter Freude sein Vorderrad in die Luft.© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Der Kölner fuhr hinter Schrittmacher Thomas Funck ein souveränes Rennen über 40 Kilometer und hatte schnell sämtliche Konkurrenten überrundet. Felix Groß/Florian Podlesch und das Gespann Franz Groß/Marcel Möbus (beide Leipzig/Forst) auf den Rängen zwei und drei hatte der junge Weltmeister frühzeitig distanziert. „Am Anfang wollte niemand an mir vorbeifahren. Als ich erst mal eine Runde herausgefahren hatte, konnte ich es entspannter angehen“, sagte Teutenberg, der auf der Ziellinie voller lauter Freude den Vorderreifen in die Höhe riss: „Ein wenig Show muss auch sein“, sagte er lächelnd.

Im September wird in Erfurt die EM ausgetragen

Das erste Finale des Tages gewann Messane Bräutigam, die seit Januar für das belgische Team AG Insourance-Soudal NXTG fährt. Die in Jena geborene Radsportlerin behauptete sich bei den Derny-Frauen wie im Vorlauf mit Schrittmacher Peter Bäuerlein vor der erfahrenen Romy Kasper aus Forst mit Mario Vonhof sowie der Leipzigerin Olivia Schoppe hinter Schrittmacher Sven Lohse. „Ich freue mich riesig. Einen deutschen Meistertitel gewinnt man nicht jeden Tag, zumal Derny ja nicht meine Spezialdisziplin ist“, sagte Bräutigam.

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Die Erfurter Radrennbahn erlebt in diesem Jahr nach den nationalen Titelkämpfen aber noch einen weiteren Höhepunkt. Am 5./6. September findet die Europameisterschaft statt, die zuletzt im September 2018 hier ausgetragen wurde.