Als er am 17. Mai freudestrahlend den deutschen Meisterpokal in die Höhe streckte, war Jens Albrecht voraussichtlich zum letzten Mal im Trikot der RSB Thuringia Bulls zu sehen. Der Kapitän der Rollstuhlbasketballer, der seit 2008 für die Elxlebener spielt, braucht eine Pause. Die nahezu durchgängige Doppelbelastung der vergangenen Jahre im Verein und in der deutschen Nationalmannschaft hat ihre Spuren hinterlassen – körperlich wie mental. Albrecht nimmt sich eine Auszeit und wird dem Doublesieger in der kommenden Saison nicht zur Verfügung stehen.

Riesenjubel der Bulls nach dem Sieg und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft
Riesenjubel der Bulls nach dem Sieg und dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft© FUNKE Foto Services | Sascha Fromm

Paralympics-Bronze mit dem Nationalteam in Paris 2024

„Nach nunmehr 20 Jahren im Leistungssport – davon überwiegend bei den Bulls – ist für mich der Moment gekommen, eine Pause einzulegen. Doch das ist kein Abschied. Ich werde dem Verein weiterhin treu bleiben und mich künftig anderen, vielleicht weniger sichtbaren, aber genauso wichtigen Aufgaben widmen dürfen“, sagt der 34-Jährige. Wie seine künftige Rolle genau aussehen wird, ist allerdings noch offen.

Albrecht kann schon jetzt auf eine beeindruckende Karriere zurückblicken: mehrfacher Deutscher Meister, Pokalsieger und Champions-Cup-Gewinner mit den Bulls sowie U23-Weltmeister und im vergangenen Jahr Bronzemedaillengewinner bei den Paralympics mit dem Nationalteam. In beiden Mannschaften machte ihn besonders seine Vielseitigkeit und uneigennützige Spielweise so wertvoll.

Lutz Leßmann, Teammanager der Thuringia Bulls, jubelt mit Jens Albrecht nach dem Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft im April 2016.
Lutz Leßmann, Teammanager der Thuringia Bulls, jubelt mit Jens Albrecht nach dem Gewinn der ersten deutschen Meisterschaft im April 2016.© Sascha Fromm

Lobende Worte für den „geborenen Teamspieler“ Albrecht

Bulls-Gründer Lutz Leßmann blickt stolz auf den Werdegang seines Schützlings zurück: „Die Entwicklung von Jens ist beispielhaft und außergewöhnlich. Er hat es geschafft, sich mit unermüdlichem Fleiß zu einem Weltklassespieler zu entwickeln und ist damit ein leuchtendes Vorbild für die junge Generation.“ Albrechts langjähriger Wegbegleiter und heutiger Trainer André Bienek meint: „Jens ist der geborene Teamspieler. Er hat nie den persönlichen Erfolg in den Mittelpunkt gestellt, sondern immer die Mannschaft, das ist selten und herausragend.“

Auch abseits des Spielfeldes brachte sich der studierte Sozialpädagoge in die Vereinsarbeit ein: sei es in der „School Tour“ oder als Trainer der zweiten Mannschaft. „Jens hat sportlich wie menschlich unschätzbar viel für den Verein geleistet. Auch wenn ich mir ein RSB-Spiel ohne ihn kaum vorstellen kann, überwiegt das lachende Auge, dass er uns mit seinem unermüdlichen Tatendrang und fachlicher Expertise weiterhin erhalten bleiben wird. Und vielleicht gibt’s ja doch noch eine kleine Zugabe auf dem Court“, sagt sein ehemaliger Trainer Michael Engel mit einem Augenzwinkern.

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Für diesen Sommer hat sich Albrecht noch einmal viel vorgenommen: Er will sich bei den Trainingslehrgängen mit der deutschen Nationalmannschaft einen Platz im EM-Kader erkämpfen.