Eigentlich wollte es Julian Weber machen wie Neeraj Chopra. Der indische Titelverteidiger feuerte seinen Speer bei der Leichtathletik-WM in Tokio direkt im ersten Versuch über die gelbe Qualifikationslinie. Webers erster Wurf geriet noch zu kurz. Doch der zweite saß: Mit 87,21 Metern zog er ins Finale an diesem Donnerstag (12.23 Uhr deutscher Zeit/ZDF) ein.
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Wirklich zufrieden wirkte der 31-Jährige aber nicht. Seine Technik missfiel dem Diamond-League-Sieger. „Die Weite ist okay, aber es war kein schöner Wurf“, sagte er nach seinem vorgezogenen Feierabend an diesem heißen, schwülen Abend im Nationalstadion. „Im Stadion ist es noch heißer als draußen.“ Er hofft auf bessere Bedingungen, „vielleicht sogar ein bisschen Regen“.
Endet endlich Webers WM-Fluch?
Der Europameister von 2022 in München sei „dankbar, dass ich hier stehen kann und die Quali geschafft habe“. Ein Infekt hatte ihn schon im Trainingslager erwischt. Erst in den vergangenen Tagen wurde es besser, noch sei er nicht bei 100 Prozent. Aber: „Morgen wird es besser.“ Was drin ist? „Noch viel mehr.“
Man kennt diese Sätze von Julian Weber. Schon oft war der Mainzer als Mitfavorit mit starken Vorleistungen zu Großereignissen gereist, hatte es als einer der Besten ins Finale geschafft und wollte es unbedingt allen zeigen. Doch dann, im entscheidenden Moment, schien ein Fluch auf ihm zu liegen. Olympia 2021 in Tokio: Vierter. WM 2022 in Eugene: Vierter. WM 2023 in Budapest: Vierter. Olympia vergangenes Jahr in Paris: Sechster.
Mihambo nimmt Druck von Weber
Auch in diesem Jahr ist Weber mit der Weltjahresbestleistung von 91,51 Meter nach Tokio gereist. Trotz starker Konkurrenz formulierte er: „Ich will den Speer richtig weit fliegen sehen. Und wenn ich endlich eine Medaille gewinnen würde, würde ein großer Traum wahr werden.“
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Gemeinsam mit Malaika Mihambo führt der Sportsoldat das deutsche WM-Team als Kapitän an. Die Weitspringerin (31) hat ihre Aufgabe als Medaillenhoffnung bereits erfüllt und Silber gewonnen. Immerhin: Der ganz große Druck wie vor zwei Jahren in Budapest lastet nicht auf ihm. Damals war er auserkoren, die Bilanz des deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) noch vor einer Nullnummer zu bewahren. Es gelang ihm nicht, der Verband erlebte ein historisch schlechtes Ergebnis.
Endlich Ausreißer nach oben: Aber nicht alles geht auf
Seit diesem Tiefpunkt wurden Veränderungen eingeleitet. Die ersten greifen. Und es hat diesmal Ausreißer nach oben gegeben: das Sensationssilber im Marathon von Amanal Petros (31), die Vizeweltmeisterschaft für Hammerwerfer Merlin Hummel (23) mit persönlicher Bestleistung. Etliche waren so gut wie nie, Gesa Krause lief im Hindernisfinale mit Saisonbestleistung auf Rang sieben. DLV-Leistungssport-Vorstand Jörg Bügner zog daher nach fünf von neun Wettkampftagen ein „positives“ Zwischenfazit. Bei dieser „hochkarätig besetzten“ WM nutzen „wir die Chancen, die wir haben“. Aber klar sei auch: „Jeder kleine Fehler wird bestraft.“

Denn es gab auch enttäuschende Auftritte: Oftmals war frühzeitig Schluss – wie für Owen Ansah, den deutschen Rekordhalter über 100 Meter, im Vorlauf. Auch Kristin Pudenz, 2021 bei Olympia im gleichen Stadion noch Diskus-Zweite, verpasste das Finale. „Wir verschließen nicht die Augen und sagen: Jetzt ist alles super. Manche Sachen sind nicht aufgegangen, die werden wir analysieren“, sagte Bügner und bittet um Zeit, es sei ein „Mehrjahresprojekt“. Das Fernziel ist, bei Olympia 2028 in Los Angeles wieder oben mitzumischen.





