Die Eröffnung am 6. Februar im San-Siro-Stadion in Mailand wirft ihre Schatten voraus: Thüringen ist bei den Olympischen Winterspielen in sieben Sportarten vertreten. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat 18 Athletinnen und Athleten aus elf Thüringer Vereinen nominiert. Hinzu kommen fünf weitere Sportler, die an den Stützpunkten in Oberhof und Erfurt trainieren sowie eine für Berlin startende Thüringerin.
„Das ist ein starkes Zeichen für die nachhaltige Arbeit der Thüringer Vereine und Verbände sowie für die engagierte Nachwuchsförderung im Freistaat“, sagte Bernd Neudert, Geschäftsführer Leistungssport beim Landessportbund und Leiter des Olympiastützpunktes. Zum Vergleich: 2022 standen bei den Wettbewerben in Peking 20 Sportler aus dem Freistaat im deutschen Aufgebot. Das sind die Thüringer Olympia-Teilnehmer:
Eisschnelllauf
Die Taschen sind am Freitag schon mal gepackt worden. Die Sachen passen. „Ein paar schöne Teile“, findet Patrick Beckert. Nach der Nominierung ist nun sicher, dass der Eisschnellläufer vom ESC Erfurt das schwarz-rot-goldene Olympia-Outfit mit einer großen Mannschaft mit Thüringer Kufen-Assen in Mailand auch tragen wird. „Die Vorfreude fängt jetzt an“, sagte der 35-Jährige. Und sie ist gewaltig.
In Vancouver 2010 stand der Erfurter Langstreckenspezialist als 19-Jähriger schon auf dem olympischen Eis. Der dreifache WM-Bronzegewinner erlebt seine fünften Winterspiele. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, das ganze nochmal erleben zu dürfen“, sagt der ESC-Sportler. „Das macht mich superstolz.“
Zur kleinsten deutschen Eisschnelllauf-Mannschaft mit nur fünf Sportlern hat Beckert 2022 in Peking gehört. Als einer von 14 Eisschnellläuferinnen und Eisschnellläufern ist er 2014 in Sotschi aber auch Teil einer zu den größten zählenden Abordnungen nach der Wiedervereinigung gewesen. Als Ältester führt er im Rekord-Team Deutschland (183 Teilnehmer) die größte Mannschaft vom Stützpunkt Erfurt und von Thüringen bei Olympischen Winterspielen an.

Sophie Warmuth, Junior Finn Sonnekalb, Felix Maly, Moritz Klein repräsentieren mit Patrick Beckert den ESC. Mit Hendrik Dombek und Fridtjof Petzold kommen noch zwei Sportler aus der Trainingsgruppe des Stützpunktes Erfurt dazu sowie die in Berlin trainierende Geraerin Josie Hofmann als Achte. Sie alle fiebern bis auf Beckert ihrer Olympia-Premiere entgegen. Damit macht Thüringen mehr als die Hälfte des 13-köpfigen deutschen Eisschnelllauf-Teams aus.
„Das zeigt, dass in Erfurt Top-Trainingsbedingungen herrschen. Und dass hier sehr gute Arbeit geleistet wird. Diese bringt viele Talente hervor“, sagt Patrick Beckert. Die Hoffnung geht einher, dass nicht nur die schicken Olympia-Sachen, sondern auch die Ergebnisse der Kufen-Asse positiv auffallen. Mit Senkrechtstarter Finn Sonnekalb, 18, gilt der Jüngste als Hoffnungsträger. Ebenso sind es die Teams unter anderem mit Patrick Beckert, Felix Maly, Fridtjof Petzold sowie Josie Hofmann.
Biathlon
Drei der elf nominierten Biathletinnen und Biathleten kommen aus Thüringer Vereinen. Der aktuell erkrankte Philipp Horn (Eintracht Frankenhain) hofft, bis zum Beginn des Höhentrainingslagers zur Vorbereitung auf die Spiele wieder belastbar zu sein. Er ist dank seiner Laufstärke und spätestens nach seinem dritten Platz im Sprintrennen beim Weltcup in Hochfilzen einer der deutschen Hoffnungsträger.
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Vanessa Voigt (WSV Rotterode) kämpfte zuletzt noch mit ihrer Laufform. Sie zählt aufgrund ihrer Treffsicherheit am Schießstand aber dennoch zu den festen Größen im Frauenteam. Dritter im Bunde ist Lucas Fratzscher vom WSV Oberhof. Der 31-Jährige erfüllte im bisherigen Winter die Olympia-Norm zwar nicht, setzte sich mit seinen Leistungen jedoch gegenüber Danilo Riethmüller durch. Aus der Trainingsgruppe am Stützpunkt in Oberhof werden zudem Justus Strelow und David Zobel in Antholz an den Start gehen.
Skilanglauf
Katherine Sauerbrey vom SC Steinbach-Hallenberg erlebt ihre zweiten Olympischen Winterspiele, nachdem sie 2022 in Peking ins Staffelaufgebot gerutscht ist und sogar Silber erobert hat. „Der Skiathlon wird mein wichtigstes Rennen. Alle anderen Einsätze sind noch offen“, blickt die 28-Jährige auf den Saisonhöhepunkt.
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Dagegen feiert Helen Hoffmann vom WSV Oberhof 05 ihr Olympia-Debüt. Die 23-Jährige freut sich vor allem auf einen Start über 10 Kilometer Freistil: „Dieses Rennen macht mir am meisten Spaß.“ Nach Staffel-Bronze bei der WM in Trondheim gehört Hoffmann wie ihre Teamkollegin Sauerbrey auch zum Kandidatenkreis für einen Einsatz in der deutschen Staffel, die Chancen auf eine Medaille hat.
Skispringen
Felix Hoffmann vom SWV Goldlauter-Heidersbach beendet eine zwölf Jahre dauernde Durststrecke. Der letzte Olympia-Teilnehmer aus einem Thüringer Verein in dieser Sportart war bei den Männern Andreas Wank vom WSV Oberhof, der 2014 in Sotschi Mannschafts-Gold holte.

Hoffmann ist schon 28, aber erst in dieser Saison ist bei ihm der Knoten geplatzt. Im vergangenen November holte er als Dritter in Lillehammer den ersten Weltcup-Podestplatz seiner Karriere. Bei der Vierschanzentournee landete der Thüringer in der Gesamtwertung auf Rang sechs, erreichte in Oberstdorf als Dritter das Treppchen. In den Einzelwettbewerben sind andere Springer die Topkandidaten auf eine Olympiamedaille. Aber im Super-Team und Mixed-Team besteht für ihn die beste Chance auf einen Podiumsplatz.
Juliane Seyfarth vom WSC 07 Ruhla steht vor ihrer dritten Olympiateilnahme. Mit dem jeweils achten Rang bei den Weltcupspringen im slowenischen Ljubno gelangen ihr bereits zwei Top-Ten-Ergebnisse in dieser Saison.
Rodeln
Die Rodler gehören zu den größten Thüringer Medaillenhoffnungen. Nominiert ist ein Quartett. Im Aufgebot stehen mit Weltmeister Max Langenhan (BRC Friedrichroda) und Merle Fräbel (RT Suhl) gleich zwei Kandidaten auf einen Podiumsplatz. Auch bei den Doppelsitzern haben Dajana Eitberger (RC Ilmenau) und Toni Eggert (WSV Oberhof) mit ihren Partnern durchaus Hoffnungen auf eine Medaille. Hinzu kommt Julia Taubitz (WSC Erzgebirge Oberwiesenthal), die am Stützpunkt in Oberhof trainiert.
Bob und Skeleton
Bei den Bobfahrern hat sich vom BRC Thüringen nur Pilotin Lisa Buckwitz einen Olympiastartplatz gesichert. Die Potsdamerin gilt im Monobob und Zweier als chancenreich. Bei den Bob-Männern fehlt Thüringen zum ersten Mal bei den Winterspielen seit dem Aufbau einer DDR-Bobmannschaft 1976.

Skeleton-Olympiasieger Christopher Grotheer (BRC Thüringen) hat sich mit einer deutlichen Leistungssteigerung das Olympia-Ticket gesichert. Grotheer war zuletzt in Altenberg auf Rang zwei gefahren. „Die Tendenz stimmt, für mich beginnt die Saison jetzt erst richtig“, sagte der 33-Jährige.




